Die Kryptobörse Binance hat ein Problem in Europa. Denn bislang ist es ihr nicht gelungen, eine MiCA-Lizenz („Markets in Crypto Assets“) zu erhalten, Ende Juni 2026 läuft eine Übergangsfrist für den europäischen Handel aus.
Wie die Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg berichten, soll die Genehmigung des Lizenzantrags, den Binance bei der griechischen Hellenic Capital Market Commission (HCMC) gestellt hat, unwahrscheinlich sein. Eine endgültige Entscheidung wird in den kommenden Tagen erwartet.
Würde die Lizenz tatsächlich nicht erteilt, müsste die weltweit größte Kryptobörse ihre Geschäfte innerhalb der EU einstellen oder zumindest zurückfahren. Bislang arbeitet Binance auf der Grundlage verschiedener nationaler Genehmigungen, die vor Einführung von MiCA erteilt wurden.
Laut dem Bloomberg-Bericht führt Binance bereits Gespräche mit Aufsichtsbehörden in EU-Ländern, in denen das Unternehmen über Genehmigungen verfügt. Dabei werde unter anderem geprüft, ob Binance seinen Betrieb über Juli hinaus fortsetzen darf, etwa um einen geordneten Rückzug zu gewährleisten. Außerdem spricht das Unternehmen mit weiteren Mitgliedstaaten über die Möglichkeit, dort eine vollständige MiCA-Zulassung zu erhalten.
Gespräche mit Aufsichtsbehörden laufen
Binance selbst erklärte dazu auf Anfrage, man stehe weiterhin zu seinen europäischen Nutzern und werde „künftig in Übereinstimmung mit den geltenden Gesetzen agieren“.
Auch in einem Blogbeitrag gibt sich Binance hoffnungsvoll, die Lizenz doch noch zu erhalten. Weitere Informationen will die Kryptobörse vor dem Stichtag am 30. Juni 2026 bereitstellen.
„Unsere Priorität ist es, Beeinträchtigungen für Nutzer so gering wie möglich zu halten“, heißt es in dem Statement. Allerdings warnt Binance auch vor den Folgen, sollte die Lizenz verspätet oder gar nicht erteilt werden. Das könnte Liquidität und Wettbewerb im europäischen Krypto-Markt beeinträchtigen sowie Investitionen und Arbeitsplätze außerhalb der EU verlagern.
Binance hatte in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit den Regulatoren. So prüfen französische Ermittler seit 2024 Geldwäsche-Vorwürfe, die Binance zurückweist.
In den USA einigte sich das Unternehmen 2023 auf einen Vergleich über mehr als 4 Milliarden US-Dollar wegen Verstößen gegen Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften. Gründer Changpeng Zhao saß sogar vier Monate im Gefängnis, wurde später aber vom damaligen Präsidenten Donald Trump begnadigt.
Zumindest eine Zwischenlösung für Binance könnte vom Krypto-Dienstleister BitGo kommen, der selbst seit Mai 2025 über eine Lizenz verfügt, um als Dienstleister für andere Assets zu verwahren oder Kryptowährungen in andere Coins oder Fiatwährungen zu tauschen. Dienstleistungen wie Trading oder Portfolio-Management bietet BitGo aber nicht.
CEO Mike Belshe schrieb in einem Post auf X: „Falls Sie noch auf die Genehmigung warten oder lieber eine lizenzierte Infrastruktur nutzen möchten, anstatt diese selbst aufzubauen, können wir Ihnen dabei helfen, sicher und unter Einhaltung aller Vorschriften weiterzuarbeiten.“