Warum Warren und Schiff eine Untersuchung fordern
Elizabeth Warren, ranghöchste Demokratin im Bankenausschuss des Senats, und Adam Schiff, Mitglied des Justizausschusses, wandten sich am 28. Juli in einem Brief an SEC-Chef Paul Atkins. Der Kern ihres Arguments ist technischer Natur: Truth API leitet Beiträge der zehn einflussreichsten Truth-Social-Konten zuerst an zahlende Kunden weiter, bevor die Öffentlichkeit sie sieht. Trump hält über einen von seinen Kindern verwalteten Trust rund 41 Prozent an Trump Media und profitiert damit direkt von jedem Abonnement.
Die Senatoren verwiesen auf Trumps Vergangenheit, in der er öffentlich Aktienticker nannte, darunter Citigroup, Intel und Palantir. Eine CNN-Auswertung ergab zudem, dass er Anteile von 21 Unternehmen kaufte, bevor er sie lobend erwähnte. Forscher stellten darüber hinaus fest, dass Handelsvolumina vor bestimmten Ankündigungen auffällig anstiegen. „Dies scheint ein ungeheuerlicher Missbrauch des Präsidentenamts zum persönlichen Vorteil zu sein, der normale Anleger und die Integrität unserer Märkte untergräbt, während Wall Street und andere wohlhabende Insider bereichert werden“, schrieben Warren und Schiff in ihrem Brief.
Zwei Präzedenzfälle zeigen, wie solche Fälle enden
Regulatoren haben bereits zwei vergleichbare Frühzugangsdienste abgewickelt. Im Juli 2013 setzte Thomson Reuters einen Deal aus, der ausgewählten Kunden Verbraucherstimmungsdaten der Universität Michigan zwei Sekunden früher lieferte. Die betroffenen Abonnenten zahlten bis zu 6.025 US-Dollar pro Monat. Im Februar 2014 beendete Berkshire Hathaways Tochtergesellschaft Business Wire direkte Datenfeeds an Hochfrequenzhändler. Beide Fälle endeten nach Druck des damaligen New Yorker Generalstaatsanwalts Eric Schneiderman damit, dass die Anbieter ihre Produkte freiwillig vom Markt nahmen, sobald Kunden das Risiko scheuten, namentlich genannt zu werden. Der Höchstpreis von Truth API liegt etwa 16-mal über dem Preis des Michigan-Dienstes.
Warum Regulation FD hier nicht greift
Die im Jahr 2000 eingeführte Regulation FD untersagt Unternehmen, wesentliche nichtöffentliche Informationen über sich selbst selektiv an Broker, Berater oder Fonds weiterzugeben. Truth API handelt jedoch mit politischen Signalen, nicht mit Unternehmensinformationen. Genau diese Lücke erklärt, warum die Senatoren stattdessen auf Insider-Handels- und Marktmanipulationsstatuten zurückgriffen.
Reaktionen und wirtschaftlicher Druck auf Trump Media
Trump Media weist die Vorwürfe entschieden zurück. „Die Senatoren müssen eine neue Theorie des Insider-Handels erfunden haben, die auf öffentlich verfügbaren Informationen basiert“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die SEC bestätigte den Eingang des Schreibens und lehnte einen Kommentar ab. SEC-Chef Atkins, der im April 2025 vereidigt wurde, gilt als Befürworter einer lockereren Regulierung. Trump Media gab an, bereits Kunden gewonnen zu haben, nannte jedoch keine Namen.
Der wirtschaftliche Druck auf das Unternehmen ist erheblich. Im ersten Quartal 2026 verbuchte Trump Media einen Quartalsverlust von 406 Millionen US-Dollar. Die Aktie DJT notiert bei rund 9,85 US-Dollar und damit etwa 80 Prozent unterhalb des Ausgabekurses vom März 2024. Branchenbeobachter sehen den Druck nun vor allem beim Thema Kundenliste: Sobald eine einzelne Bank öffentlich zugibt, den Dienst zu abonnieren, steigen rechtliches und politisches Risiko für alle Beteiligten erheblich an.