BancaStato lanciert regulierten Krypto-Handel für Privatkunden. Kunden der Tessiner Kantonalbank können Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Solana neu direkt im E-Banking kaufen, halten und verkaufen, ermöglicht durch eine API-Integration von Sygnum in das Avaloq-Kernbankensystem.
Die BancaStato, offiziell Banca dello Stato del Cantone Ticino, ist die Kantonalbank des Kantons Tessin. Als öffentlich-rechtliche Institution mit voller Staatsgarantie bietet sie klassische Bankdienstleistungen für Privat- und Firmenkunden im Südkanton. Ursprünglich 1915 gegründet, steht das Institut mit Sitz in Bellinzona heute zu 100 Prozent im Besitz des Kantons Tessin. Für die Krypto-Infrastruktur kooperiert die Bank mit Sygnum, der seit 2019 FINMA-lizenzierten Krypto-Bank, die als technischer Partner auftritt. Handelbar sind zunächst Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Solana per Market Order nach Menge oder USD-Wert. Die Anbindung erfolgt direkt über eine API in das Avaloq-Kernbankensystem sowie die digitalen Bankkanäle, ohne separates Order Management System. Damit zählt BancaStato zu den über 25 Banken auf Sygnums B2B-Plattform.
Sygnum integriert Krypto-Handel direkt ins Avaloq-Kernbankensystem
Technisch markiert die Anbindung einen Sprung im Reifegrad regulierter Krypto-Angebote. Sygnums API verbindet sich direkt mit dem Avaloq-Kernbankensystem und den digitalen Bankkanälen, also Web- und Mobile-Banking. Ein separates Order Management System, wie es viele frühere Bankintegrationen benötigten, entfällt dabei. Kundinnen und Kunden lösen ihre Aufträge somit im gewohnten E-Banking aus, während Sygnum die Ausführung im Hintergrund abwickelt. Reguliert bedeutet dabei, dass Handel und Verwahrung unter Schweizer Finanzmarktaufsicht stattfinden. Für die Bank ergibt sich gleichzeitig weniger technischer Aufwand und eine engere Verzahnung mit dem bestehenden Kontoangebot.
Zum Start stehen vier Kryptowährungen zur Auswahl: Bitcoin, Ethereum, Litecoin und Solana. Market Orders sind ausserdem wahlweise nach Menge oder nach USD-Wert möglich, was den Kaufprozess an den Alltag im E-Banking angleicht. Der Verkauf läuft ebenso über den gewohnten E-Banking-Weg wie der Kauf. Die Kundenvermögen liegen derweil in Sygnums institutioneller Multi-Layer-Custody-Lösung. Sygnum verwahrt sie off-balance-sheet und in voller regulatorischer Compliance. Folglich bleiben die Bestände vom übrigen Bankvermögen getrennt und im Insolvenzfall grundsätzlich geschützt.
Avaloq liefert Front-to-Back-Software für über 170 Finanzinstitute weltweit und gehört als Tochter zur NEC Corporation. Auf dessen SaaS-Umgebung ist BancaStato nach Angaben von Sygnum die erste Bank, die den Krypto-Kauf per API direkt im E-Banking anbietet. Curzio De Gottardi leitet bei BancaStato die Products and Services Division und ist Vizepräsident der Geschäftsleitung. Er ordnet die Verbindung von traditionellen Anlagen, Investmentlösungen und digitalen Vermögenswerten als Stärkung des Gruppenangebots ein. Fritz Jost, Chief B2B Officer bei Sygnum, wertet den Schritt seinerseits als Signal für die Skalierbarkeit regulierter Digital-Asset-Infrastruktur.
„BancaStato wird als erste Bank auf Avaloqs SaaS-Umgebung ihren Kunden ermöglichen, Krypto per API mit Sygnum direkt aus dem E-Banking zu kaufen, zu halten und zu verkaufen – ein bedeutender Schritt für die Reife und Skalierbarkeit regulierter Digital-Asset-Infrastruktur." - Fritz Jost, Chief B2B Officer, Sygnum
BancaStato wird sechste Kantonalbank mit reguliertem Kryptoangebot
BancaStato ist die sechste bekannte Schweizer Kantonalbank mit reguliertem Krypto-Handel für die breite Privatkundschaft. Den Anfang machte zuvor 2023 die Zuger Kantonalbank als erste ihrer Art. Im März 2025 erweiterte das Zuger Institut sein Angebot mit Sygnum um Cardano und Avalanche. Inzwischen deckt es Bitcoin, Ethereum, Solana, XRP, Polygon, Litecoin und Uniswap ab.
Weitere Institute folgten in kurzer Folge. Die Luzerner Kantonalbank startete im März 2024 mit Bitcoin, Ethereum und dem Stablecoin USDC, ebenfalls mit Sygnum-Beteiligung. Später baute das Institut das Sortiment auf sieben Kryptowährungen aus, darunter Chainlink, Polygon und Aave. Im Herbst 2024 folgte die Zürcher Kantonalbank, zunächst mit Bitcoin und Ethereum. Bis 2026 kamen die St. Galler und die Thurgauer Kantonalbank hinzu, letztere mit einem für die gesamte Kundschaft offenen Angebot ohne Anlageberatung.
Auffällig ist die Rolle Sygnums als Infrastrukturpartner. Drei der sechs Kantonalbanken stützen sich auf den Anbieter: die Zuger, die Luzerner und nun BancaStato. Hingegen kommen bei den übrigen Instituten andere Anbieter zum Zug. So wählte die St. Galler Kantonalbank die AMINA Bank, vormals SEBA. Die Zürcher Kantonalbank baut auf die Crypto Finance AG, deren Lösung auch die Thurgauer Kantonalbank übernahm. AMINA und Sygnum halten beide seit 2019 eine FINMA-Banklizenz. Für BancaStato bedeutet der Schritt daher weniger einen Alleingang als den Anschluss an einen etablierten Standard im Schweizer Retail-Banking. Letztlich entwickelt sich ein reguliertes Krypto-Angebot vom Differenzierungsmerkmal zum Branchenstandard.
Sygnum baut sein Bankennetzwerk auf über 25 Institute aus
Mit BancaStato zählt Sygnums B2B-Plattform inzwischen über 25 Banken und Finanzinstitute. Zu diesem Netzwerk gehören unter anderem die Zuger Kantonalbank, PostFinance, SocGen FORGE, Bordier & Cie, Incore Bank, Bergos, PKB, Bison Bank und das VZ VermögensZentrum. Die Bandbreite reicht damit von Kantonalbanken über den Staatskonzern PostFinance bis zu Privatbanken und unabhängigen Vermögensverwaltern. Wo Krypto-Dienste früher häufig als abgekoppelte Insellösung liefen, wird der Handel bei BancaStato hingegen zur festen Komponente des Kernbankensystems. Für viele dieser Institute übernimmt Sygnum Handel und Verwahrung im Hintergrund. Insgesamt erreichen die Partnerbanken nach Sygnums Angaben über ein Drittel der Schweizer Bevölkerung mit Zugang zu digitalen Vermögenswerten.
Diese Expansion ruht auf einer breiten Lizenzbasis. Sygnum hält seit 2019 eine Schweizer Banklizenz der FINMA und gehörte damit zu den ersten Blockchain-Finanzdienstleistern mit einer solchen Zulassung. Ende Juni 2026 erhielt Sygnum Europe zudem eine CASP-Lizenz unter der EU-Verordnung MiCAR von der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht. Die MiCAR-Zulassung öffnet Sygnum gleichzeitig den EU-Binnenmarkt unter einem einheitlichen Regelwerk. Ferner kommen CMS- und Major-Payment-Institution-Lizenzen in Singapur sowie Zulassungen in Abu Dhabi und Luxemburg hinzu. Dieser regulatorische Rahmen erlaubt es Partnerbanken schliesslich, Krypto-Dienste ohne eigene Krypto-Lizenz anzubieten.