Der Krypto-Markt steht unter Druck: Innerhalb von 24 Stunden hat die gesamte Marktkapitalisierung um 4,33 Prozent auf rund 2,16 Billionen US-Dollar nachgegeben. Bitcoin notiert wieder unter der 63.000-Dollar-Marke, fast alle großen Coins stehen tiefrot da. Bemerkenswert ist der Zeitpunkt: Der Rückgang fällt mit dem besiegelten Deal zwischen den USA und dem Iran zusammen – einer Nachricht, die Risiko-Assets eigentlich hätte stützen können. Allerdings wiegen aktuell andere Dinge schwerer. Die Stichworte: Energiekrise, Inflation, Zinsen.
Die wichtigsten Krypto-Assets im Überblick
| # | Asset | Kurs | 24h | 7d |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Bitcoin (BTC) | 62.466,86 $ | ▼ 5,40 % | ▼ 0,12 % |
| 2 | Ethereum (ETH) | 1.682,06 $ | ▼ 5,31 % | ▲ 2,66 % |
| 4 | $BNB ($BNB) | 575,62 $ | ▼ 5,24 % | ▼ 3,77 % |
| 6 | $XRP ($XRP) | 1,14 $ | ▼ 6,36 % | ▲ 3,13 % |
| 7 | Solana (SOL) | 68,60 $ | ▼ 7,63 % | ▲ 4,97 % |
| 8 | TRON (TRX) | 0,3182 $ | ▼ 1,11 % | ▲ 0,03 % |
| 9 | Hyperliquid ($HYPE) | 67,27 $ | ▼ 11,64 % | ▲ 19,45 % |
| 10 | Dogecoin (DOGE) | 0,08230 $ | ▼ 5,86 % | ▼ 2,80 % |
| 11 | UNUS SED $LEO ($LEO) | 9,57 $ | ▼ 1,35 % | ▲ 0,91 % |
Quelle: CoinMarketCap, Stand 18. Juni 2026.
Am stärksten erwischt es auf 24-Stunden-Sicht Hyperliquid ($HYPE) mit einem Minus von 11,64 Prozent – wobei der Token auf Wochensicht mit plus 19,45 Prozent weiterhin klar im Plus liegt und damit eher eine Gewinnmitnahme nach einer starken Rally zeigt. Auch Solana (–7,63 %) und $XRP (–6,36 %) verlieren überdurchschnittlich. Die Wochenbilanz fällt dagegen gemischter aus: Ether, $XRP und Solana stehen über sieben Tage noch im Plus, während Bitcoin, $BNB und Dogecoin auch auf Wochensicht abrutschen.
Warum der Iran-Deal nicht hilft
Geopolitische Entspannung gilt klassischerweise als positives Signal für riskante Anlageklassen. Doch genau jener Deal liefert indirekt das Argument für den Ausverkauf. Mit der Einigung zwischen Washington und Teheran sind zuletzt die Ölpreise gefallen – was die Lage eigentlich entspannen sollte. Die eigentliche Sorge der Märkte sitzt jedoch tiefer und betrifft die Inflation, die durch den vorangegangenen Iran-Konflikt befeuert worden war.
Der eigentliche Auslöser: die Fed unter Kevin Warsh
Den entscheidenden Impuls lieferte die US-Notenbank. Wie die Financial Times berichtet, hat der neue Fed-Chef Kevin Warsh in seiner ersten Sitzung als Vorsitzender einen betont harten Kurs gegen die Inflation angekündigt. Auf der Pressekonferenz nach der Sitzung am Mittwoch versprach Warsh, die Notenbank werde für Preisstabilität sorgen – und machte deutlich, dass die Inflation trotz fallender Ölpreise ein Risiko bleibe.
Die Fed beließ die Leitzinsen zwar zum vierten Mal in Folge unverändert, lieferte dazu aber überraschend restriktive Projektionen: Neun von 18 Offiziellen rechnen laut FT inzwischen mit höheren Zinsen bis Ende 2026 – ein deutlicher Stimmungsumschwung gegenüber März, als noch kein einziges Mitglied eine Zinserhöhung erwartet hatte. Warsh selbst, der die Projektionen vor seinem Amtsantritt kritisiert hatte, legte keine eigene Prognose vor, schloss einen Schritt nach oben in den kommenden Monaten aber nicht aus – möglicherweise bereits Ende Juli.
Die Reaktion an den Anleihemärkten war prompt: Die Rendite der zweijährigen US-Staatsanleihen stieg laut FT um bis zu 0,17 Prozentpunkte auf 4,22 Prozent – den höchsten Stand seit 16 Monaten. Die Märkte preisen damit eine mögliche Zinserhöhung ein.
Für den Krypto-Markt hat dieser Schwenk eine doppelte Wirkung: Laut CoinDesk hat die Erholung der vergangenen Tage an Schwung verloren, nachdem die Fed die Hoffnung auf baldige Zinssenkungen begraben hatte – und die Spot-ETFs auf Bitcoin sind zuletzt wieder in den Bereich der Nettoabflüsse gedreht. Damit fehlt dem Markt genau jener nachfrageseitige Treiber, der die Kurse in den Wochen zuvor noch gestützt hatte.
Viel Geld wandert in KI-Aktien
Auffällig ist, wohin das Kapital stattdessen fließt. Während Bitcoin unter die Marke von 63.000 Dollar rutschte und zuletzt um die 62.900 Dollar notierte, weitete sich laut CoinDesk die Kluft zwischen Krypto und KI-Aktien weiter aus. Investoren greifen weiter beherzt bei allem zu, was nach KI-Infrastruktur aussieht.
Besonders deutlich zeigt sich das bei den KI-nahen Mining- und Rechenzentrumswerten: Cipher Digital (CIFR) legte rund 10 Prozent zu und markierte ein neues Allzeithoch, WhiteFiber (WYFI) sprang um 15 Prozent, TerraWulf (WULF) und Galaxy Digital gewannen je etwa 4 Prozent, IREN rund 3 Prozent. Auch Halbleiter- und Speicherwerte setzten ihren Lauf fort: Der DRAM-ETF stieg um rund 10 Prozent, der VanEck Semiconductor ETF (SMH) um 5 Prozent, Micron (MU) um 7 Prozent und Sandisk um 11 Prozent. Die Botschaft des Marktes ist eindeutig – der Risikoappetit ist nicht verschwunden, er hat sich nur verlagert.
Selloff bei den Krypto-Vorzugsaktien
Druck herrscht auch abseits der reinen Coins. Strategys hochverzinste Vorzugsaktie STRC fiel am Donnerstagvormittag auf ein Rekordtief von 85,32 Dollar, erholte sich anschließend leicht auf 86,20 Dollar und lag damit weiter rund 3,15 Prozent im Minus. Eine zuletzt verbreitete Erklärung lautete, Anleger schichteten aus STRC in das ähnlich konstruierte Papier SATA von Strive um – wegen dessen täglicher Dividendenzahlung und höherer Rendite. Diese Erzählung trägt am Donnerstag jedoch nicht mehr: SATA verlor mit ebenfalls 3,15 Prozent gleich stark und notierte mit 96,85 Dollar deutlich unter pari. Der Verkaufsdruck trifft die Vorzugspapiere also breitflächig – nicht nur einzelne Titel.
Für Krypto-Assets ist diese Aussicht Gift. Höhere Zinsen verteuern Liquidität und machen risikolose Anlagen wie Staatsanleihen relativ attraktiver – Kapital fließt tendenziell aus spekulativen Anlageklassen wie Bitcoin und Altcoins ab. Anders als ein klassischer „Risk-on“-Auslöser wie der Iran-Deal wirkt das Inflations- und Zinsrisiko damit unmittelbar belastend.
Kurzfristig dürfte die Richtung des Krypto-Marktes deshalb weniger von der Geopolitik als von den nächsten Inflationsdaten und der Tonlage der Fed abhängen. Sollte sich die Erwartung einer Zinserhöhung im Juli oder Oktober verfestigen, droht weiterer Abgabedruck. Bestätigt sich dagegen, dass der jüngste Inflationsschub vor allem ein vorübergehender Effekt des Iran-Konflikts war, könnte sich die Stimmung ebenso schnell wieder drehen.