Tether unterschlägt $USDT? Kunden klagen nach 42-Millionen-Verlust
Entwendet der Stablecoin-Betreiber Tether zu Unrecht die $USDT seiner Kunden? Eine neue Klage in den USA wirft dem Unternehmen genau das vor. Bei den Klägern handelt es sich um zwei thailändische Geschäftsleute, die auf diesem Wege 42,4 Millionen $USDT verloren haben sollen.
Die Kläger, Nutthawat Rukthammachalern und Natthawat Kasamvilas, reichten ihre Klage am Montag ein. Der Vorfall selbst soll jedoch bereits im Oktober 2025 erfolgt sein. So heißt es in der Klageschrift:
“Am 30. Oktober 2025 spielten die Beklagten ihre Macht gegen die Kläger aus – Fremde, mit denen die Beklagten weder einen Vertrag noch irgendeine andere Beziehung unterhielten – und sperrten auf informelle Aufforderung eines Vertreters der US-Regierung hin mehrere zehn Millionen Dollar an $USDT der Kläger, die sich in deren Blockchain-Adressen befanden”
Tether habe demnach eine willkürliche Forderung der US-Behörden durchgesetzt. Die rechtliche Grundlage für die Sperrung der Gelder habe es nie gegeben.
“Ein Beschlagnahmebefehl, eine gerichtliche Anordnung oder ein sonstiges rechtliches Verfahren jeglicher Art gegen die Beklagten” habe nie vorgelegen. Zudem habe Tether nicht versucht, den Sachverhalt durch die Kontaktierung der Geschädigten zu klären.
Monate nach dem Vorfall hätten die Behörden ihren Beschlagnahmungsbeschluss erwirkt. Zu diesem Zeitpunkt – am 19. Februar 2026 – hielt Tether das Vermögen jedoch bereits über mehrere Monate.
Neben der Freigabe der $USDT fordern die Kläger zudem eine Entschädigung für verloren gegangene Zinsen.
Tether-Sperre verdeutlicht altbekannten Kritikpunkt
Die Sperrung der Gelder durch Tether verdeutlicht einen altbekannten Kritikpunkt. Der Stablecoin-Betreiber ist für seine enge Zusammenarbeit mit den US-Behörden bekannt. Weil Erträge aus Cyberstraftaten schnell entwischen könnten, setzt Tether auf rasche Eingriffe.
Die Zeit, auf Gerichtsentscheidungen zu warten, ist dabei nicht gegeben. Ob dieses Vorgehen ethisch korrekt ist, wird innerhalb der Krypto-Szene bereits seit geraumer Zeit diskutiert.
Tethers ärgster Konkurrent Circle setzt auf eine eher vorsichtige Strategie. Dem Herausgeber des Stablecoins $USDC reichen Anfragen von Behörden nicht aus, um Gelder zu sperren. Stattdessen fordert man dafür Gerichtsurteile. Beide Unternehmen erhalten für ihre Vorgehensweisen Kritik.
Ob Tether im Fall von Nutthawat Rukthammachalern und Natthawat Kasamvilas zu Unrecht handelte, ist fraglich. Gerüchten zufolge sollen die beschlagnahmten Gelder aus einem systematischen, großangelegten Betrug stammen.
Demnach stammen die Millionen möglicherweise aus sogenannten Pig Butchering Scams – in Deutschland auch als Romance Scams oder Romantikbetrug bekannt. Dabei täuschen die Betrüger über das Internet eine Liebesbeziehung vor, in deren Rahmen sie Geld von ihren Opfern verlangen oder diese zu angeblichen Investments hinreißen, die sich dann als Betrug herausstellen.
Die beiden Thailänder dementieren diese Gerüchte, wie Anwältin Ariel Givner über X bekannt gab. Von der Beschlagnahmung sind insgesamt zehn verschiedene Blockchain-Adressen auf Ethereum betroffen.
CORRECTION: The Plaintiffs vigorously and categorically deny the government’s allegations.
Further, the Plaintiffs vigorously contest the basis for the seizure warrant and have informed the government that the warrant fails to establish probable cause and that the government has… https://t.co/W4bLfkIYRv
— Ariel Givner (@GivnerAriel) September 2, 2026
Bei $USDT und $USDC handelt es sich um nutzergenerierte Token des Standards ERC-20. Dieser erlaubt dem Herausgeber die Festlegung von Sonderrechten, welche etwa eine Sperrung von Geldern oder gänzlichen Blockchain-Adressen erlauben.
Die genannten Token können deshalb von Herausgebern wie Tether und Circle einfach aus der Ferne gesperrt werden. $USDT und $USDC sind in diesem Sinne nicht mit vollwertigen Kryptowährungen vergleichbar. Kryptos wie BTC oder ETH schließen derlei Funktionen prinzipiell aus.
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