Das US-Justizministerium (DoJ) hat gemeinsam mit internationalen Strafverfolgungsbehörden sowie großen Technologie- und Kryptounternehmen eine umfangreiche Operation gegen Krypto-Betrug und Online-Fraud durchgeführt. Während der Aktion, die den Namen Disruption Week trug, wurden Millionen von Konten deaktiviert und Millionen von Dollar in Kryptowährungen eingefroren, die mit internationalen kriminellen Netzwerken in Verbindung stehen sollen.
Die Operation begann am 18. Mai 2026 und richtete sich gegen Betrugsnetzwerke in Südostasien, die für sogenannte Krypto-Investmentbetrügereien verantwortlich gemacht werden. Laut DoJ wurden mehr als 3,8 Millionen Dollar an Kryptowährungen eingefroren, die von amerikanischen Opfern stammen sollen.
„Cyberbetrug und Kryptowährungsbetrug verursachen großen Schaden bei durchschnittlichen Amerikanern, zerstören Ersparnisse und nutzen einige unserer verletzlichsten Bürger aus“, so die Staatsanwältin Jeanine Ferris Pirro vom District of Columbia.
Über 1,4 Millionen Social-Media-Konten offline genommen
An der Operation beteiligten sich unter anderem Apple, Coinbase, Google, Meta, Microsoft, SpaceX/Starlink, TRM Labs und Silent Push. Auch Strafverfolgungsbehörden aus den USA, Thailand, Australien, Kanada, Neuseeland und dem Vereinigten Königreich waren beteiligt.
Die gemeinsame Aktion führte zur Deaktivierung von über 1,4 Millionen Konten, Seiten und Gruppen auf Facebook und Instagram. Zudem wurden mehr als 20.000 Microsoft-Konten geschlossen und tausende Starlink-Geräte blockiert, die laut Ermittlern für Betrug eingesetzt wurden.
Ebenfalls wurden Server, Hosting-Dienste und andere digitale Infrastrukturen offline genommen, die von internationalen Betrugsnetzwerken verwendet wurden.
Krypto-Betrug über gefälschte Investmentplattformen
Die Aktion ist Teil der Scam Center Strike Force, einer Initiative der US-Regierung zur Bekämpfung internationaler Betrugsorganisationen.
Viele dieser Netzwerke nutzen eine Methode, die als „Pig Butchering“ bekannt ist. Dabei bauen Betrüger zunächst eine persönliche Beziehung zu ihren Opfern über soziale Medien, Dating-Apps oder Chatplattformen auf. Anschließend überzeugen sie diese, Geld über betrügerische Handels- oder Investmentplattformen zu investieren, die häufig Kryptowährungen verwenden.
Opfer sehen manchmal zunächst fiktive Gewinne auf ihrem Konto erscheinen, was sie dazu ermutigt, mehr Geld zu investieren. Letztendlich stellt sich heraus, dass die Plattform gefälscht ist und das eingezahlte Geld auf Konten verschwindet, die unter der Kontrolle der Betrüger stehen.
Verluste durch Kryptobetrug steigen auf 7,2 Milliarden Dollar
Laut dem Justizministerium gehört Krypto-Investmentbetrug mittlerweile zu den am schnellsten wachsenden Formen der Finanzkriminalität in den USA.
Der gemeldete Schaden stieg von 3,96 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 5,8 Milliarden Dollar im Jahr 2024. Im Jahr 2025 belief sich der Verlust auf mehr als 7,2 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anstieg von rund 24 Prozent pro Jahr.
Die US-Behörden warnen, dass Kriminelle zunehmend Kryptowährungen nutzen, um gestohlenes Geld zu verschieben und zu waschen, was die Strafverfolgung erschwert.
Betrugszentren in Kambodscha, Laos und Myanmar
Laut DoJ werden viele der Betrugspraktiken von groß angelegten Betrugskomplexen in Kambodscha, Laos und Myanmar, nahe der thailändischen Grenze, aus betrieben.
Kriminelle Organisationen sollen Arbeitnehmer in die Region locken, indem sie gut bezahlte Jobs im Technologiesektor versprechen. Einmal angekommen, werden ihre Identitätsdokumente oft eingezogen, und sie werden gezwungen, an Online-Betrug mitzuarbeiten.
Das Ministerium gibt an, dass die Arbeitnehmer in diesen Komplexen regelmäßig unter Druck gesetzt und in einigen Fällen mit Gewalt bedroht werden, wenn sie sich weigern, an den Aktivitäten teilzunehmen.
Festnahmen in Thailand und Millionen Dollar in Krypto eingefroren
Die Operation führte auch zu Festnahmen. Die Königliche Thailändische Polizei nahm sieben Verdächtige fest, die an den Betrugspraktiken beteiligt gewesen sein sollen. Darüber hinaus wurden mehrere neue Ermittlungen eingeleitet.
Im vergangenen Monat führten US-amerikanische und chinesische Behörden bereits eine gemeinsame Operation durch, bei der mindestens 276 Verdächtige verhaftet und neun Betrugszentren geschlossen wurden, die es auf US-amerikanische Opfer abgesehen hatten.
Meta gab bekannt, dass die Polizei inzwischen 63 Personen verhaftet hat, die mit diesen Betrugszentren in Verbindung stehen sollen. Coinbase meldete, dass es mehr als 3 Millionen Dollar in Kryptowährungen eingefroren hat, die mit kriminellen Netzwerken verbunden sein sollen.
Internationale Zusammenarbeit entscheidend im Kampf gegen Kryptobetrug
Laut Generalleutnant Jirabhop Bhuridej von der Königlichen Thailändischen Polizei ist internationale Zusammenarbeit entscheidend, um grenzüberschreitenden Betrug wirksam zu bekämpfen.
„Transnationaler Online-Betrug kann nicht von einer einzigen Behörde oder einem Land allein gelöst werden. Daher sind starke Zusammenarbeit und rechtzeitiger Informationsaustausch essenziell, um diese Netzwerke zu zerschlagen und die Öffentlichkeit zu schützen.“
Angesichts von Milliardenschäden durch Krypto-Betrug setzen Regierungen, Technologieunternehmen und Kryptoplattformen weltweit verstärkt auf gemeinsame Aktionen gegen internationale Betrugsorganisationen.