Anthropic plant den größten Börsengang aller Zeiten. Laut Berichten stellen Investmentbanker:innen dem Claude-Entwickler eine Erstnotiz mit bis zu 2 Billionen Dollar in Aussicht, was das Unternehmen noch vor SpaceX zum wertvollsten je an die Börse gebrachten Unternehmen machen würde. Einen Vorgeschmack darauf, ob diese Zahl trägt, liefern derzeit die Krypto-Börsen. Dort wird längst auf Anthropic gehandelt, und zwar zu Preisen, die genau in diese Region zeigen.
Je Token fast 2.000 Dollar
Auf Binance läuft der ANTHROPICUSDT Pre-IPO Perpetual Contract zuletzt bei 1.934,25 Dollar. Die Börse rechnet dabei mit einer geschätzten Gesamtzahl von einer Milliarde Anthropic-Anteilen, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass die tatsächliche Zahl abweichen kann. Hochgerechnet ergibt das eine implizite Bewertung von rund 1,93 Billionen Dollar.
Auf der dezentralen Börse Hyperliquid, wo Entropy den ANTH-Perp betreibt, liegt der Kurs bei 1.934,50 Dollar, also praktisch auf dem Cent gleich.
Zum Vergleich: Die letzte Finanzierungsrunde, eine Series H über 65 Milliarden Dollar, brachte Anthropic eine Bewertung von 965 Milliarden Dollar. Der Krypto-Markt zahlt also exakt das Doppelte.
Anthropic vor SpaceX und OpenAI
Ein drittes Bild zeichnet die Plattform PreStocks, die tokenisierte Anteile auf Solana ausgibt und dabei nach eigenen Angaben mit SPV-Exposure hinterlegt ist. Dort kostet ein Anthropic-Token rund 871 Dollar, die Plattform selbst weist daraus eine implizite Bewertung von etwa 1,41 Billionen Dollar aus, weil sie mit deutlich mehr als einer Milliarde ausstehender Anteile rechnet. Die Stückpreise der einzelnen Handelsplätze sind daher nicht direkt vergleichbar, die daraus abgeleiteten Bewertungen schon.
Interessant ist die Rangordnung, die sich dort ergibt. Anthropic liegt mit 1,41 Billionen Dollar an der Spitze, vor SpaceX mit rund 1,36 Billionen und OpenAI mit etwa 1,14 Billionen Dollar. Dahinter folgen mit großem Abstand der Rüstungskonzern Anduril mit 133 Milliarden, Elon Musks xAI mit 247 Milliarden, Neuralink mit knapp 52 Milliarden sowie die beiden Prognosemärkte Kalshi mit 33 Milliarden und Polymarket mit 13,6 Milliarden Dollar.
Anthropic wäre mit einer solchen Bewertung auf einen Schlag unter den wertvollsten Unternehmen der Welt, ein Vielfaches dessen, was europäische Tech-Schwergewichte wie SAP oder ASML auf die Waage bringen.
Das sind keine Aktien
Wer diese Instrumente kauft, kauft keine Anthropic-Anteile. Das Unternehmen gibt keine Aktien an die Öffentlichkeit aus und untersagt die Weitergabe an Zweckgesellschaften. In einer Aussendung stellte Anthropic kürzlich klar, dass solche Übertragungen unwirksam sind und dass Dritte, die Anteile über Forwards oder tokenisierte Wertpapiere anbieten, entweder Betrug betreiben oder ein Produkt ohne Wert verkaufen. PreStocks selbst schreibt in seinen Bedingungen, dass die Token keinerlei Eigentums-, Stimm-, Dividenden- oder Informationsrechte vermitteln und in den USA nicht angeboten werden.
Gehandelt werden stattdessen Derivate, also Finanzinstrumente, deren Wert sich von einem Basiswert ableitet, ohne dass man diesen besitzt. Abgerechnet wird in bar.
Perpetual Futures als Instrument der Spekulanten
Die konkrete Form auf Binance und Hyperliquid nennt sich Perpetual Future, kurz Perp. Ein klassischer Future hat einen Verfallstag, ein Perp läuft unbegrenzt weiter. Damit sich sein Preis nicht vom Basiswert löst, greift die sogenannte Funding Rate: Liegt der Kurs zu hoch, zahlen die Käufer:innen in regelmäßigen Abständen eine Gebühr an die Verkäufer:innen, und umgekehrt. Bei börsennotierten Unternehmen hält dieser Mechanismus den Perp nahe am Aktienkurs. Bei Anthropic gibt es keinen Aktienkurs, an dem er sich orientieren könnte. Der Preis koppelt sich damit an nichts als die Erwartungshaltung der Handelsteilnehmer:innen selbst.
Auf dem regulierten Sekundärmarkt, wo Plattformen wie Hiive und Forge tatsächliche Mitarbeiter:innen-Anteile mit Zustimmung des Unternehmens vermitteln, lagen die impliziten Bewertungen zuletzt zwischen 830 Milliarden und 1,2 Billionen Dollar. Die Spanne zum Krypto-Preis von 1,93 Billionen ist damit ein guter Indikator dafür, wie viel Fantasie im aktuellen KI-Markt steckt.