Mastercard hat die Übernahme des Londoner Zahlungsanbieters BVNK Anfang August abgeschlossen. Der im März 2026 angekündigte Kauf ist mit bis zu 1.8 Mrd. USD dotiert und bringt dem Kartennetzwerk eine eigene Abwicklungsschicht für Stablecoins.
BVNK betreibt Infrastruktur, über die Unternehmen Zahlungen in Stablecoins abwickeln. Der Anbieter verbindet Firmenkonten mit Blockchain-Netzwerken und führt Auszahlungen an Empfänger im Ausland aus. Ferner rechnet er zwischen Stablecoins und Fiatgeld um. Mitgründer Jesse Hemson-Struthers führt das 2021 in London gestartete Unternehmen bis heute als CEO. Angekündigt hatte Mastercard den Kauf im März 2026, wenige Tage nach dem Start eines eigenen Krypto-Partnerprogramms. Nach eigenen Angaben verarbeitet BVNK jährlich rund 30 Mrd. USD an Zahlungsvolumen, Stand Ende 2025. Ausserdem ist die Plattform in mehr als 130 Ländern und auf allen grossen Blockchain-Netzwerken aktiv. Zur Kundschaft zählen Zahlungsabwickler und Lohnplattformen wie Worldpay, Deel, Rapyd, Flywire und dLocal.
BVNKs Bewertung steigt auf bis zu 1.8 Milliarden USD
Ursprünglich kommunizierte Mastercard einen Basiskaufpreis von 1.5 Mrd. USD. Zudem sah die Struktur Earnout-Zahlungen von bis zu 300 Mio. USD vor. Solche Zusatzzahlungen fliessen nur, wenn das gekaufte Geschäft vorab definierte Ziele erreicht. Der Basispreis stand fest, der Rest hängt an der künftigen Entwicklung. Ob der volle Betrag anfällt, ist folglich offen. Welche Konditionen beim Abschluss tatsächlich flossen, hat der Konzern allerdings nicht offengelegt. Gegenüber dem jährlichen Zahlungsvolumen von rund 30 Mrd. USD entspricht der obere Transaktionswert etwa sechs Prozent.
Der Käufer zahlt damit einen deutlichen Aufschlag auf die letzte bekannte Bewertung. Bei seiner Series-B-Runde im Dezember 2024 kam BVNK Berichten zufolge auf rund 750 Mio. USD. Der obere Transaktionswert entspricht somit dem rund 2.4-Fachen dieser Marke. Dazwischen liegen keine zwei Jahre. Die Differenz erklärt sich letztlich über das Volumenwachstum. Bis 2025 legte das abgewickelte Zahlungsvolumen um rund das 2.3-Fache gegenüber dem Vorjahr zu. Eine aktualisierte Bewertung nannte der Konzern beim Vollzug jedoch nicht.
Zuvor soll auch Coinbase über eine Übernahme von BVNK verhandelt haben. Die Gespräche sollen das Unternehmen mit rund 2 Mrd. USD bewertet haben, führten jedoch zu keinem Abschluss. Der Konzern kauft mit BVNK ein laufendes Geschäft mit Lizenzen, Firmenkunden und Volumen, nicht ein Entwicklerteam.
Wofür Mastercard BVNKs Technologie einsetzen will
Mastercard nennt insgesamt vier Einsatzfelder für die zugekaufte Technologie. Dazu zählen B2B-Zahlungen, Auszahlungen an Empfänger im Ausland, Settlement und Treasury-Flows von Unternehmen. Treasury-Flows meinen die konzerninterne Steuerung von Liquidität über Ländergrenzen hinweg. Ebenso deckt die Plattform die Konvertierung zwischen Stablecoins und Fiatgeld ab. Genau diese Schnittstelle verbindet die Blockchain-Schienen mit dem klassischen Bankensystem. Ohne sie endet ein Stablecoin-Transfer somit vor dem Bankkonto des Empfängers. Für Firmenkunden entscheidet dieser letzte Schritt letztlich darüber, ob sich Stablecoins im Zahlungsverkehr rechnen.
Der Zukauf steht nicht allein. Im März 2026 startete Mastercard ein Krypto-Partnerprogramm mit über 85 kryptonativen Unternehmen. Das Programm deckt Überweisungen, Settlement und Auszahlungen ab. Später erweiterte der Konzern die Kartenabrechnung um regulierte Stablecoins, darunter USDC, PYUSD und RLUSD. Seit Juni 2026 können erste Kartenemittenten und abwickelnde Institute wahlweise in Fiat oder in Stablecoins abrechnen. Den Anfang machen die USA und Lateinamerika, der Ausbau läuft über 2026. Schliesslich ergänzt BVNK diese Kette um Firmenzahlungen ausserhalb des Kartengeschäfts. Kartenseite und Firmenzahlungsverkehr will der Konzern daher über dieselbe Infrastruktur bündeln.
Hinter der Strategie steht die Annahme mehrerer paralleler Geldformen. Chief Product Officer Jorn Lambert verweist auf eine Welt, in der Fiat, Stablecoins und tokenisierte Einlagen nebeneinander bestehen. Entscheidend sei folglich, wie gut die einzelnen Schienen, Netzwerke und Geldformen zusammenspielen. Das eigene Kartennetzwerk erreicht bereits über 200 Länder und 150 Währungen. BVNK ist hingegen in mehr als 130 Ländern aktiv, dafür aber auf allen grossen Blockchains. Beide Netze überschneiden sich nur teilweise.
BVNK behält Kundenbasis und Regulierungslizenzen
Für die bestehenden Firmenkunden ändert sich nach Angaben beider Seiten zunächst nichts. Der operative Betrieb läuft weiterhin unverändert. Dasselbe BVNK-Team betreut die Kunden ebenfalls nach dem Vollzug. Zu diesen Kunden zählen Worldpay, Rapyd, dLocal, Deel und Flywire. Diese Zusage adressiert gleichzeitig das Integrationsrisiko, das bei Übernahmen von Zahlungsinfrastruktur regelmässig zur Sprache kommt. BVNK selbst hatte das bereits bei der Ankündigung im März 2026 in Aussicht gestellt.
Ausserdem bringt der Anbieter eine regulatorische Grundlage in der EU mit. BVNK hält eine E-Geld-Institut-Lizenz in der EU und sicherte sich im Februar 2026 eine Zulassung nach MiCA. Eine solche Lizenz erlaubt es, Kundengelder zu halten und zudem elektronisches Geld auszugeben. MiCA wiederum regelt in der EU die Zulassung von Krypto-Dienstleistern und die Ausgabe von Stablecoins. Weiterhin bestehen Zertifizierungen nach SOC 2 Type II und ISO 27001. Beide Standards prüfen Informationssicherheit und interne Kontrollen. Mastercard übernimmt damit eine fertige europäische Lizenzbasis.
Auffällig ist der zeitliche Ablauf. Die MiCA-Zulassung sicherte sich BVNK erst im Februar 2026. Nur einen Monat später kündigte Mastercard die Übernahme an. Ein eigener Zulassungsprozess entfällt für den Käufer damit.
Zahlungsindustrie kauft sich in Stablecoin-Infrastruktur ein
Die Grössenordnung ist neu. Bisherige Zukäufe im Segment bewegten sich allerdings deutlich darunter. Ripple zahlte für Rail 200 Mio. USD, MoonPay für Helio 175 Mio. USD und Nuvei für Simplex 250 Mio. USD. Zusammengenommen erreichen diese drei Transaktionen nicht einmal 40 Prozent des BVNK-Preises. Selbst Stripes Kauf der Stablecoin-Firma Bridge lag im Februar 2025 vergleichsweise niedrig bei 1.1 Mrd. USD. Berichten zufolge ist die Übernahme von BVNK damit die bislang grösste Transaktion mit einem Stablecoin-Unternehmen.
Das Muster wiederholt sich bei der Konkurrenz. Visa entwickelt gleichzeitig eigene Stablecoin-Fähigkeiten. Dafür arbeitet der Kartenanbieter mit Bridge zusammen, das heute zu Stripe gehört. Die Kooperation läuft bereits in 18 Ländern, ausweiten will Visa sie auf über 100. Der Wettbewerb der beiden Kartennetzwerke erstreckt sich damit auf die Stablecoin-Abwicklung. Etablierte Netzwerke und Fintechs kaufen die Technologie inzwischen ein, statt sie über Partnerschaften anzumieten. Neben Stripe verfolgen ebenso PayPal und Circle diesen Weg. Eine Partnerschaft lässt sich kündigen, eine Lizenz und eine eigene Abwicklungsinfrastruktur nicht.
Insgesamt verschiebt sich die Wertschöpfung im Stablecoin-Zahlungsverkehr. Ursprünglich bauten spezialisierte Anbieter die Schienen, heute kaufen die grossen Netzwerkbetreiber sie auf. Mastercard bezahlt den Zugang zu dieser Schicht deshalb über den Kaufpreis statt über Eigenentwicklung. Für kleinere Anbieter im Segment setzt die Transaktion eine neue Preismarke.