Stripe kauft sich seit einem Jahr quer durch den Krypto-Sektor. Schon im Februar 2025 schloss der Konzern den Kauf von Bridge, dem größten Stablecoin-Infrastrukturanbieter der Welt, für 1,1 Milliarden US-Dollar ab. Im Juni 2025 folgte die Übernahme von Privy, einem Anbieter für eingebettete Krypto-Wallet-Infrastruktur mit über 110 Millionen verwalteten Konten.
Parallel dazu entwickelt Stripe gemeinsam mit Paradigm die Blockchain Tempo, ausgelegt auf mehr als 100.000 Transaktionen pro Sekunde, mit Visa, Deutsche Bank und Revolut als Partnern. Ende Juni 2026 trat Stripe schließlich dem Open-USD-Konsortium bei, einem neuen Stablecoin, den über 140 Firmen mittragen und der direkt gegen Tether und Circle positioniert ist. Kein Wunder, dass die Circle-Aktie direkt nach der Ankündigung um 15 Prozent einbrach. Nun könnte der nächste große Schritt folgen.
Was dem Krypto-Stack noch fehlt
Was Stripe mit Bridge, Privy, Tempo und Open USD aufgebaut hat, deckt vor allem den B2B-Bereich ab: Unternehmenstransaktionen, grenzüberschreitende Zahlungen, API-Infrastruktur für Entwickler und KI-Agenten. Aber der Konsument fehlt dabei.
Hier kommt PayPal ins Spiel, denn mit $PYUSD betreibt das Unternehmen einen eigenen Dollar-Stablecoin, der schon in 70 Märkten verfügbar ist und im ersten Quartal 2026 rund 8,2 Milliarden US-Dollar an grenzüberschreitenden Transaktionen abwickelte. Venmo wiederum bringt mehr als 60 Millionen aktive Nutzer im US-Markt mit. Im April 2026 spaltete PayPal sein Geschäft in drei Einheiten auf, darunter eine kombinierte Zahlungs- und Krypto-Abteilung. Wenn Stripes B2B-Stack auf PayPals Konsumentenbasis trifft, würde das die Kette vom Unternehmenskonto bis zur Verbraucher-Wallet vollständig machen.
Ein Angebot, das PayPal nicht ablehnen kann?
Laut Reuters haben Stripe und der Finanzinvestor Advent International PayPal nun ein gemeinsames Übernahmeangebot von 60,50 US-Dollar je Aktie unterbreitet. Somit wird PayPal mit mehr als 53 Milliarden US-Dollar bewertet, ein Aufschlag von rund 28 Prozent auf den Schlusskurs vom Dienstag. Rund 50 Milliarden US-Dollar an Bankfinanzierung sollen bereits zugesagt sein. Und: Stripe und Advent wollen das Unternehmen zu gleichen Teilen übernehmen, ohne es aufzuspalten.
Die Märkte reagierten sofort positiv. Die PayPal-Aktie stieg vorbörslich an der Nasdaq um mehr als 15 Prozent, die PayPal-Perpetual-Futures auf MEXC legten um knapp 17 Prozent zu.
Was das für Circle bedeuten könnte
Für Circle ist das Übernahmeangebot eine weitere Belastung. Die Aktie hat im vergangenen Monat bereits mehr als 40 Prozent verloren, ausgelöst durch den Beitritt von Stripe, Visa und BlackRock zum Open-USD-Konsortium Ende Juni. USDC hält zwar 67 Prozent des Stablecoin-Transaktionsvolumens und verarbeitete im Juni rund 1,21 Billionen US-Dollar, wohingegen $PYUSD im gleichen Zeitraum auf nur 2,42 Milliarden US-Dollar kam. Geht Stripes Übernahmeangebot aber durch, dann stehen Circle gleich drei direkte Konkurrenzprodukte gegenüber: Open USD, $PYUSD und Venmo.
Das Interesse ist aus Perspektive von PayPal auch Ausdruck einer schwierigen Phase. Noch 2021 erreichte die Marktkapitalisierung knapp 360 Milliarden US-Dollar, seitdem brach der Kurs aber um mehr als 85 Prozent ein. Der erste Kontakt zwischen Stripe und PayPal datiert laut Reuters auf April 2026 – eine Antwort von PayPal steht bislang aus. Weder PayPal noch Stripe noch Advent äußerten sich offiziell zu dem Bericht. Kartellrechtlich dürfte ein Zusammenschluss zweier Zahlungsgiganten in mehreren Märkten Fragen aufwerfen.