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Mythos: Bitcoin und Kryptowährungen dienen vor allem der Kriminalität

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Viele Kritiker halten Bitcoin bis heute für ein Zahlungsmittel, das vor allem Kriminellen dient. Der Chainalysis Crypto Crime Report 2026 zeichnet jedoch ein anderes Bild. Das illegale Krypto-Transaktionsvolumen erreichte 2025 zwar einen Rekordwert: 154 Mrd. USD. Am gesamten On-Chain-Volumen bleibt der Anteil aber unter 1%.

Chainalysis ist ein Blockchain-Analytics-Unternehmen, das Wallet-Adressen auf öffentlichen Ledgers identifizierten Akteuren und Kategorien wie Sanktionsumgehung, Betrug, Diebstahl oder Geldwäsche zuordnet. Der jährliche Bericht dient Regulatoren und Strafverfolgern als Referenzwert für das Ausmass krimineller Aktivität im Krypto-Sektor. Mit TRM Labs veröffentlicht ein Wettbewerber parallel eigene Schätzungen nach abweichender Methodik. Ursprünglich reicht der Mythos der Kriminellen-Währung in die Frühphase um den Darknet-Marktplatz Silk Road zwischen 2011 und 2013 zurück. Trotz gegenteiliger Daten prägt dieses Bild die öffentliche Debatte bis heute. TRM Labs beziffert das illegale Volumen für 2025 unabhängig auf 158 Mrd. USD oder 1.2% des Gesamtvolumens, also dieselbe Grössenordnung. Die Vorjahreszahlen revidierte Chainalysis zudem mehrfach nach oben, den 2024er-Wert etwa von 40.9 auf 57.2 Mrd. USD.

154 Milliarden Dollar Rekordwert bleibt Randphänomen

Die absolute Rekordsumme und der Anteil von unter 1% widersprechen sich nicht. Beide Aussagen sind gleichzeitig wahr. Das illegale Volumen wächst zwar in Dollar, das legitime On-Chain-Volumen wächst jedoch schneller. Somit sinkt der prozentuale Anteil über die Jahre, während die Absolutbeträge steigen.

Zwei unabhängige Anbieter stützen dieselbe Grössenordnung. Chainalysis kommt für 2025 auf 154 Mrd. USD, TRM Labs ebenfalls auf 158 Mrd. USD. Beide messen ein Wachstum von rund 145% bis 162% gegenüber dem Vorjahr. Der Anteil am attribuierten Transaktionsvolumen liegt bei Chainalysis weiterhin unter 1% und bei TRM Labs bei 1.2%. Die Nenner und Methoden unterscheiden sich, das Ergebnis deckt sich dennoch in der Grössenordnung.

Die Schätzungen sind grundsätzlich Untergrenzen. Neben dem 2024er-Wert korrigierte Chainalysis auch den 2023er-Wert nach oben, auf 46.1 Mrd. USD oder 0.61% des Gesamtvolumens. Die Analysten identifizieren laufend neue illegale Adressen, weshalb die publizierten Werte nach oben tendieren. Für institutionelle Beobachter bleibt der Befund daher stabil. Krypto ist proportional ein Randphänomen der globalen Kriminalität.

Sanktionierte Akteure treiben Volumen auf 104 Milliarden Dollar

Der Anstieg auf 154 Mrd. USD stammt nicht aus gewöhnlicher Kriminalität oder Retail-Betrug. Vielmehr erhielten sanktionierte Akteure 2025 rund 104 Mrd. USD, ein Zuwachs von 694% gegenüber dem Vorjahr. Folglich ist die staatlich verknüpfte Sanktionsumgehung der mit Abstand grösste Treiber des Gesamtanstiegs.

Den grössten Einzelbeitrag liefert Russland. Der rubelgedeckte Stablecoin A7A5 ging im Februar 2025 an den Start und wickelte in weniger als zehn Monaten 93.3 Mrd. USD ab. Ein einziges Vehikel bündelt somit einen erheblichen Teil des sanktionsbezogenen Volumens.

Der iranische Krypto-Sektor kam 2025 ebenfalls auf ein beachtliches Gesamtvolumen von 7.78 Mrd. USD. Adressen mit Verbindung zur Revolutionsgarde IRGC bewegten allein über 3 Mrd. USD. Im vierten Quartal 2025 entfielen auf sie zudem über 50% des Wertes aller erfassten iranischen Entitäten. Die Verlagerung hin zu staatlichen Akteuren verändert die Bedrohungslage, sie bestätigt jedoch nicht das Bild vom anonymen Einzeltäter.

Stablecoins verdrängen Bitcoin als Kriminellen-Asset

Der Befund trifft den Kern des alten Mythos. Stablecoins machten 2025 inzwischen rund 84% des gesamten illegalen Transaktionsvolumens aus. Bitcoin, lange als Kriminellen-Währung etikettiert, spielt dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle.

Die Verschiebung folgt praktischen Erwägungen, nicht dem Wunsch nach Anonymität. Stablecoins eignen sich für schnelle grenzüberschreitende Zahlungen und halten überdies einen stabilen Wert. Ausgerechnet dieses bevorzugte Asset ist allerdings am leichtesten beschlagnahmbar. Emittenten wie Tether und Circle können Guthaben einfrieren, während Bitcoin-Transaktionen nach ihrer Bestätigung unveränderlich bleiben.

Wie industriell diese Aktivität organisiert ist, zeigen die chinesischsprachigen Geldwäsche-Netzwerke. Diese sogenannten CMLNs verarbeiteten 2025 rund 16.1 Mrd. USD über etwa 1'799 aktive Wallets. Das entspricht folglich rund 44 Mio. USD pro Tag und etwa 20% der weltweit identifizierten Geldwäsche-Aktivität. Anonymität bietet Bitcoin hingegen ohnehin nicht, da jede Transaktion auf dem öffentlichen Ledger sichtbar bleibt.

Öffentliches Ledger macht Krypto-Assets für Ermittler verfolgbar

Die Rückverfolgbarkeit kehrt die Kriminalitäts-Erzählung um. Jede Krypto-Transaktion bleibt dauerhaft auf einem öffentlichen Ledger erfasst, und jede Wallet-Adresse hinterlässt eine nachvollziehbare Spur. Bargeld bietet Ermittlern diesen Vorteil hingegen nicht.

Deshalb nutzt die Strafverfolgung diesen Umstand zunehmend. US-Behörden zogen 2025 über 15 Mrd. USD an Betrugserlösen ein, den grössten Teil davon in einem einzigen Fall. Die Zivilverfallserklärung des US-Justizministeriums vom Oktober 2025 richtet sich gegen rund 127'271 Bitcoin im Wert von damals etwa 15 Mrd. USD, verbunden mit der Prince Group um Chen Zhi. Es ist die grösste Vermögenseinziehung in der Geschichte des Ministeriums.

Der Ansatz ist nicht neu. Denn bereits der Bitfinex-Hack von 2016 entwendete 119'756 Bitcoin, damals rund 72 Mio. USD wert. Dank Blockchain-Forensik klärten Ermittler den Fall 2022 auf. Danach stellten sie im Verfahren gegen Lichtenstein und Morgan rund 10 Mrd. USD an Vermögenswerten sicher. Der Massstab relativiert die Zahlen schliesslich zusätzlich. Die UNODC schätzt das jährlich über traditionelle Finanzkanäle gewaschene Geld auf 800 Mrd. bis 2 Bio. USD. Das gesamte illegale Krypto-Volumen von 154 Mrd. USD bleibt dagegen ein Bruchteil dessen, was das etablierte Finanzsystem jährlich durchläuft.

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