Der globale Zahlungsdienstleister Thunes hat gemeinsam mit Juniper Research den neuen „Cross-Border Payments Interoperability Index 2026“ veröffentlicht. Die Untersuchung analysiert die Leistungsfähigkeit internationaler Zahlungssysteme in 50 Ländern und basiert zusätzlich auf einer Befragung von mehr als 6.600 Personen in zehn wichtigen Märkten.
Ein zentrales Ergebnis der Studie: Stablecoins entwickeln sich zunehmend zu einer wichtigen Infrastrukturkomponente für internationale Geldtransfers.
Stablecoins als „Middle Layer“ im Zahlungsverkehr
Laut der Untersuchung bieten Stablecoins erhebliche Vorteile für grenzüberschreitende Zahlungen. Transaktionen können nahezu in Echtzeit abgewickelt werden und verursachen auf Blockchain-Ebene nur minimale Kosten.
Dennoch sieht die Studie derzeit noch erhebliche Hürden bei der Umwandlung von Stablecoins in lokale Währungen. Die fehlende Anbindung vieler Stablecoin-Wallets an Bankkonten, Mobile-Money-Systeme und traditionelle Zahlungsnetzwerke erschwert den breiten Einsatz.
Die Autoren kommen deshalb zum Schluss, dass Stablecoins kurzfristig nicht Banken oder klassische Zahlungsdienstleister ersetzen werden. Stattdessen etablieren sie sich zunehmend als unsichtbare Abwicklungsschicht im Hintergrund bestehender Finanzsysteme.
Nutzung vor allem in Schwellenländern
Besonders stark verbreitet sind Stablecoins laut Studie in Schwellenländern. Als Beispiel wird Nigeria genannt, wo 29 Prozent der Befragten bereits Stablecoins nutzen.
Interessant ist dabei der Verwendungszweck: Die Mehrheit verwendet Stablecoins primär als Wertspeicher und weniger für alltägliche Zahlungen. Internationale Überweisungen stellen hingegen bereits einen wichtigen Anwendungsfall dar.
Die Studie sieht darin einen Hinweis darauf, dass Stablecoins vor allem dort attraktiv werden, wo lokale Währungen unter hoher Inflation oder Wechselkursunsicherheit leiden.
Gig-Worker treiben Adoption voran
Eine weitere Erkenntnis betrifft die wachsende Bedeutung von Stablecoins für die globale Gig-Economy.
Freelancer und Plattformarbeiter nutzen grenzüberschreitende Zahlungen deutlich häufiger als klassische Arbeitnehmer. Gleichzeitig leiden sie überdurchschnittlich oft unter hohen Gebühren, langsamen Auszahlungen und mangelnder Transparenz.
Die Untersuchung zeigt, dass Gig-Worker fast dreimal häufiger Stablecoins verwenden als Nicht-Gig-Worker. Viele sehen darin eine Möglichkeit, internationale Zahlungen schneller, günstiger und transparenter abzuwickeln.
Mobile Wallets überholen Banken
Parallel dazu dokumentiert die Studie einen grundlegenden Wandel im Nutzerverhalten. Mobile Wallets und Zahlungs-Apps haben Banken mittlerweile als bevorzugte Oberfläche für internationale Geldtransfers überholt.
Banken bleiben zwar weiterhin zentrale Infrastrukturpartner im Hintergrund, doch die Kundenschnittstelle verlagert sich zunehmend auf digitale Wallet-Lösungen. Stablecoins könnten diesen Trend zusätzlich beschleunigen, da sie sich technisch gut in moderne Wallet-Ökosysteme integrieren lassen.
Fazit
Der „Cross-Border Payments Interoperability Index 2026“ zeichnet das Bild einer Zahlungsbranche im Wandel. Während traditionelle Bankensysteme weiterhin die Basis des internationalen Zahlungsverkehrs bilden, gewinnen Stablecoins zunehmend an Bedeutung als effiziente Abwicklungsschicht zwischen verschiedenen Finanznetzwerken.
Für die Kryptoindustrie ist dies ein wichtiges Signal: Die Zukunft von Stablecoins könnte weniger in der direkten Konkurrenz zu Banken liegen als vielmehr in ihrer Rolle als verbindende Infrastruktur zwischen bestehenden Zahlungswelten. Genau diese Entwicklung sehen die Autoren der Studie bereits heute im internationalen Zahlungsverkehr.
bitcoinnews.ch