Bitcoin (BTC) und Ethereum (ETH) sind derzeit nicht durch Quantencomputer gefährdet. Das könnte sich künftig jedoch ändern. Europäische Finanzaufsichtsbehörden warnen, dass leistungsfähige Quantencomputer irgendwann Teile der kryptografischen Absicherung von Blockchain-Netzwerken überwinden könnten.
Dieser Zeitpunkt dürfte noch in weiter Ferne liegen. Dennoch arbeiten Entwickler von Bitcoin und Ethereum bereits an Lösungen. Denn die Anpassung großer, dezentraler Netzwerke kann Jahre dauern.
Google rechnet mit deutlich weniger nötigen Qubits
Die Warnung stammt von drei großen europäischen Finanzaufsichtsbehörden: EBA, EIOPA und ESMA. Sie fordern die Finanzbranche auf, sich auf leistungsfähigere Quantencomputer vorzubereiten.
Jüngste Forschung von Google Quantum AI macht das Thema zusätzlich relevant. Google hat berechnet, dass möglicherweise rund zwanzigmal weniger physische Qubits nötig sind, um weit verbreitete kryptografische Schutzmechanismen zu knacken, als bislang angenommen.
Qubits sind die Bausteine eines Quantencomputers. Je mehr nutzbare Qubits ein System hat, desto komplexere Berechnungen kann es ausführen.
Für Bitcoin-Anleger liegt das mögliche Risiko vor allem beim Private Key. Dabei handelt es sich um den geheimen digitalen Schlüssel, mit dem jemand seine Bitcoin-Bestände ausgeben kann. Mit heutigen Computern ist es praktisch unmöglich, diesen Schlüssel aus einem öffentlichen Schlüssel abzuleiten.
Ein künftiger Quantencomputer könnte dazu möglicherweise in der Lage sein. Gelingt es einem Angreifer, auf diese Weise an den Private Key einer Person zu kommen, könnte er theoretisch Transaktionen signieren und die dazugehörigen Bitcoin ausgeben.
Wichtig ist: Quantencomputer mit einer solchen Leistungsfähigkeit gibt es derzeit nicht. Bitcoin kann auf diese Weise im Moment also nicht geknackt werden.
Bitcoin-Entwickler arbeiten an möglichen Schutzmaßnahmen
Innerhalb der Bitcoin-Community wird dennoch bereits an einer möglichen Verteidigung gearbeitet.
Bitcoin-Entwickler Jameson Lopp und fünf weitere Entwickler haben einen Vorschlag vorgelegt, um anfällige digitale Signaturen perspektivisch auslaufen zu lassen. Bitcoin-Besitzer müssten ihre Coins dann innerhalb einer bestimmten Frist in ein neues System übertragen, das besser gegen Quantencomputer geschützt ist.
Der tiefgreifendste Schritt käme danach. Fünf Jahre nach einer möglichen Einführung ließen sich Bitcoin, die nicht umgestellt wurden, nicht mehr über die alte Methode ausgeben.
Damit wollen die Entwickler verhindern, dass alte, anfällige Bitcoin-Bestände später erbeutet werden, sobald Quantencomputer leistungsfähig genug sind.
Bislang handelt es sich nur um einen Vorschlag. Er wurde nicht beschlossen und ändert daher nichts an der aktuellen Funktionsweise von Bitcoin.
Ethereum will bis 2030 vorbereitet sein
Auch Ethereum bleibt nicht untätig. Die Ethereum Foundation verfolgt das Ziel, das Netzwerk spätestens bis Dezember 2029 gegen Angriffe mit Quantencomputern abzusichern.
Dafür müssen verschiedene Teile von Ethereum angepasst werden, darunter die Absicherung von Transaktionen und Teile der technischen Infrastruktur, auf der das Netzwerk läuft.
Für Krypto-Anleger gibt es daher keinen unmittelbaren Grund zur Panik. Die eigentliche Herausforderung liegt in der Zeit, die nötig ist, um Bitcoin, Ethereum und andere große Blockchains anzupassen. Deshalb soll die Umstellung stehen, bevor Quantencomputer tatsächlich stark genug werden, um die heutige Absicherung zu durchbrechen.
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