Wie Strategy zwei verlorene Monate aufholte
Der Kurs von Strategy hatte Ende Juni bei 81,81 US-Dollar seinen Tiefpunkt erreicht. Vom Boden aus gerechnet entspricht der aktuelle Stand einem Anstieg von rund 35,9 Prozent. Der gesamte Juli verlief ohne einen einzigen Schlusskurs über 101,95 US-Dollar, weshalb der Donnerstagskurs den gesamten Sommer rechnerisch tilgt. Zwei politische Weichenstellungen lieferten den entscheidenden Anstoß. Das US-Finanzministerium verdoppelte das Volumen seiner langfristigen Anleihekäufe auf mindestens vier Milliarden US-Dollar je Operation ab dem 9. September. Einen Tag zuvor hatte die US-Börsenaufsicht SEC die sogenannte Regulation Crypto Assets vorgeschlagen, die Kryptounternehmen erlauben würde, bis zu 75 Millionen US-Dollar jährlich ohne vollständige Registrierungspflicht einzusammeln. Matt Mena, Krypto-Forschungsstratege bei 21Shares, bezeichnete den Schritt des Finanzministeriums als eine stille Form der quantitativen Lockerung, die den Dollar schwäche und knappe Vermögenswerte wie Bitcoin begünstige. Zusätzlich wurden bearishe Wetten in Höhe von rund 1,5 Milliarden US-Dollar eingedeckt, davon 700 Millionen US-Dollar innerhalb einer einzigen Minute.
Das Bitcoin-Portfolio bleibt im Minus
Der Kursaufschwung an den Märkten löst Strategys bilanzielles Problem nicht. Das Unternehmen hält 840.447 Bitcoin und zahlte dafür im Durchschnitt 75.385 US-Dollar pro Coin, insgesamt rund 63,36 Milliarden US-Dollar. Beim Kurs von 69.803 US-Dollar ist das Portfolio noch etwa 58,67 Milliarden US-Dollar wert. Das ergibt ein Buchverlust von rund 4,69 Milliarden US-Dollar. Bitcoin müsste noch etwa acht Prozent zulegen, damit das Treasury wieder die Gewinnschwelle erreicht.
Der Druck auf das Unternehmen zeigt sich auch im veränderten Verhalten. Erstmals in seiner Geschichte verkaufte Strategy in diesem Jahr Bitcoin, insgesamt 6.916 Coins zwischen dem 30. Juni und dem 10. August zu Preisen zwischen 59.256 und 64.262 US-Dollar. Gemessen am Durchschnittseinkaufspreis entstanden dabei reale Verluste von rund 92 Millionen US-Dollar. Im zweiten Quartal wies das Unternehmen einen Nettoverlust von 8,22 Milliarden US-Dollar aus. Neue Bitcoin-Käufe wurden pausiert, obwohl Strategy zuletzt 333,7 Millionen US-Dollar eingesammelt hatte, ohne einen einzigen Coin hinzuzukaufen.
Nicht alle Krypto-Aktien erholen sich gleichmäßig
Die Erholung im Kryptosektor war breit, aber ungleich verteilt. Coinbase übertraf jeden Schlusskurs aus dem Juni, liegt jedoch noch unter seinem Höchststand vom 21. Juli bei 175,85 US-Dollar. Circle kletterte wieder über das Niveau vom 18. Juni. Bitdeer stieg zwar um 8,57 Prozent, liegt aber weiterhin 41,7 Prozent unter dem Juni-Stand. Das Bild zeigt ein klares Muster. Kapital floss bevorzugt in Treasury-Unternehmen und Börsen, die sich direkt mit Bitcoin bewegen. Mining-Aktien blieben zurück. Zach Pandl, Forschungsleiter bei Grayscale, sieht in der aktuellen Lage einen günstigen Einstiegszeitpunkt für Investoren mit langfristigem Horizont.
Die entscheidende Zahl
Zwölf der 15 größten institutionellen Aktionäre von Strategy kauften im zweiten Quartal Anteile hinzu, während der Kurs noch fiel. Dennoch bleibt eine Zahl das Maß aller Dinge: Bitcoin muss 75.385 US-Dollar erreichen, damit Strategys Treasury wieder schwarze Zahlen schreibt und das Unternehmen neuerliche Käufe ohne bilanziellen Verlust tätigen kann.