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Bitcoin unter 60.000 Dollar: Darum wächst der Druck – doch Analysten sehen weiter Chancen

source-logo  decentralist.de 25 Juni 2026 07:41, UTC
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Der Bitcoin-Kurs ist am Mittwoch erstmals seit Oktober 2024 wieder unter die Marke von 59.000 Dollar gefallen. Zeitweise rutschte die Kryptowährung bis auf rund 58.900 Dollar ab und markierte damit den tiefsten Stand seit rund 20 Monaten. Zwar gelang im weiteren Handelsverlauf die Rückkehr über die psychologisch wichtige Marke von 60.000 Dollar, doch das Marktumfeld hat sich in den vergangenen Tagen deutlich eingetrübt. Neben einem überraschend starken US-Dollar belasten vor allem steigende Zinserwartungen, anhaltende ETF-Abflüsse und eine schwache institutionelle Nachfrage den Markt.

Starker Dollar belastet Bitcoin und Gold gleichermaßen

Als einer der wichtigsten Belastungsfaktoren gilt derzeit die Entwicklung des US-Dollars. Der Dollar-Index (DXY), der die Stärke der US-Währung gegenüber einem Korb wichtiger Währungen misst, stieg zuletzt auf den höchsten Stand seit rund 13 Monaten. Hintergrund sind die zunehmenden Erwartungen, dass die US-Notenbank unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh einen restriktiveren geldpolitischen Kurs einschlagen könnte.

Der Markt rechnet inzwischen wieder verstärkt mit einer möglichen Zinserhöhung im weiteren Jahresverlauf. Höhere Zinsen erhöhen die Attraktivität klassischer Anleihen und anderer festverzinslicher Anlagen, während Vermögenswerte ohne laufende Erträge wie Gold oder Bitcoin unter Druck geraten. Entsprechend verloren beide Anlageklassen zuletzt deutlich an Wert. Gold fiel erstmals seit sieben Monaten wieder unter die Marke von 4.000 Dollar je Feinunze.

Zusätzlichen Gegenwind erhielt Bitcoin durch den kräftigen Rückgang der Ölpreise. Nach der vorübergehenden Wiederöffnung der Straße von Hormus infolge einer Vereinbarung zwischen den USA und dem Iran gingen die Inflationserwartungen zurück. Da viele Anleger Bitcoin als Absicherung gegen eine mögliche Geldentwertung betrachten, schwächt ein sinkender Inflationsdruck kurzfristig einen wichtigen Teil der Investmentthese.

Kapital fließt zunehmend in KI-Aktien

Während Kryptowährungen und Edelmetalle unter Abgabedruck stehen, verlagert sich ein wachsender Teil des Anlegerkapitals in den Technologiesektor. Besonders Unternehmen aus den Bereichen Künstliche Intelligenz und Halbleiter profitieren derzeit von der hohen Nachfrage.

So sorgte der Speicherchiphersteller Micron mit starken Quartalszahlen erneut für Aufsehen. Das Unternehmen bringt inzwischen eine Marktkapitalisierung von rund 1,16 Billionen Dollar auf die Waage, nachdem die Aktie innerhalb von sechs Monaten um rund 265 Prozent zugelegt hatte. Auch die südkoreanischen Chipkonzerne Samsung und SK Hynix stehen im Fokus vieler Investoren und repräsentieren mittlerweile einen erheblichen Anteil des südkoreanischen Aktienmarktes.

Diese Entwicklung entzieht dem Kryptomarkt zusätzliche Liquidität. Marktbeobachter sprechen von einer klaren Kapitalrotation weg von Kryptowährungen und Edelmetallen hin zu KI- und Halbleiterunternehmen.

ETF-Abflüsse und schwache institutionelle Nachfrage verschärfen die Lage

Neben dem schwierigen Makroumfeld leidet Bitcoin weiterhin unter einer nachlassenden institutionellen Nachfrage. Besonders deutlich zeigt sich dies bei den Spot-Bitcoin-ETFs in den USA.

Allein in dieser Woche verzeichneten die Fonds Nettoabflüsse von rund 182 Millionen Dollar. Damit steuern sie auf die siebte Woche in Folge mit Kapitalabzügen zu. Seit Jahresbeginn ist das verwaltete Vermögen der Spot-ETFs deutlich geschrumpft.

Da ETF-Anbieter bei Rückgaben der Anleger die entsprechenden Bitcoin-Bestände verkaufen müssen, entsteht zusätzlicher Verkaufsdruck auf den Markt.

Auch andere Indikatoren sprechen derzeit gegen eine schnelle Trendwende. So notiert der Coinbase Premium Index inzwischen seit 46 Tagen im negativen Bereich. Dieser Indikator misst die Kursdifferenz zwischen Bitcoin auf Coinbase und internationalen Börsen und gilt als Gradmesser für die Nachfrage institutioneller US-Investoren. Ein negativer Wert deutet darauf hin, dass amerikanische Großanleger aktuell kaum Kaufinteresse zeigen.

Strategy reduziert das Tempo seiner Bitcoin-Käufe

Belastend wirkt sich zudem die Entwicklung bei Strategy aus. Das Unternehmen von Michael Saylor gilt seit Jahren als einer der wichtigsten institutionellen Käufer von Bitcoin.

In der vergangenen Woche erwarb Strategy lediglich 520 Bitcoin – der niedrigste wöchentliche Zukauf seit rund 18 Monaten. Gleichzeitig verwendete das Unternehmen rund 300 Millionen Dollar aus einer Aktienplatzierung zur Stärkung seiner Liquiditätsreserven, anstatt weitere Bitcoin zu erwerben. Auch dies wurde am Markt als Zeichen einer vorsichtigeren Haltung interpretiert.

Analysten sehen Bitcoin trotz Korrektur nicht am Ende des Zyklus

Trotz der anhaltenden Schwäche bleibt ein Teil der Analysten langfristig optimistisch. Der Marktanalyst David Eng verweist darauf, dass Bitcoin weiterhin seinem historischen Vierjahreszyklus folgt. Nach seiner Analyse notiert die Kryptowährung derzeit rund 20 Prozent unter ihrer langfristigen Adoptionslinie, die aktuell bei etwa 76.400 Dollar verläuft.

Aus seiner Sicht sei Bitcoin deshalb nicht strukturell beschädigt, sondern lediglich deutlich unter seinem langfristigen Trend bewertet.

Auch der Analyst Rekt Capital hält den aktuellen Bärenmarkt noch nicht für abgeschlossen. Seiner Einschätzung nach befindet sich der laufende Abschwung erst zu rund 71 Prozent auf seinem Weg durch den historischen Zyklus. Sollte Bitcoin den Monat unter dem 50-Monats-Durchschnitt abschließen, könnte es zunächst zu einer technischen Erholung im Juli kommen, bevor im August eine weitere Abwärtsbewegung folgen würde.

Makroökonomie bleibt vorerst entscheidend

Kurzfristig dürfte die Entwicklung des Bitcoin-Kurses weiterhin maßgeblich von der Geldpolitik der US-Notenbank abhängen. Solange der Dollar stark bleibt, die Zinsen hoch bleiben und institutionelle Investoren Zurückhaltung zeigen, dürfte sich eine nachhaltige Erholung schwierig gestalten.

Gleichzeitig sprechen jedoch mehrere langfristige Faktoren weiterhin für Bitcoin. Die Geldmenge M2 in den USA wächst wieder, die langfristige Adoptionsstruktur bleibt intakt und die inzwischen deutlich breitere institutionelle Anlegerbasis könnte dafür sorgen, dass der aktuelle Bärenmarkt zwar langwieriger, aber deutlich weniger volatil verläuft als frühere Abschwungphasen. Ob die Unterstützung im Bereich von 59.000 bis 60.000 Dollar Bestand hat, dürfte daher in den kommenden Wochen zu einer der wichtigsten Fragen für den Kryptomarkt werden.

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