Während des Hypes rund um „Bitcoin Treasury Companies“ im Sommer 2025 sind mehrere neue Unternehmen entstanden. Darunter auch Nakamoto. David Bailey, ein ehemaliger Berater von US-Präsident Donald Trump sowie Mitgründer der Firma hinter Bitcoin Magazine und der größten Bitcoin-Konferenz, ist der CEO.
Nakamoto schloss sich mit dem börsennotierten Gesundheitsunternehmen KindlyMD zusammen und nutzte Investorengeld (500 Millionen US-Dollar Eigenkapital und 210 Millionen US-Dollar Schulden), um direkt zum Abschluss des Deals im August vergangenen Jahres 5.744 Bitcoin für 679 Millionen US-Dollar zu kaufen.
Insgesamt belief sich der Bestand zu der Zeit auf 5.765 $BTC, die zu einem Kurs von über 118.200 US-Dollar je Coin erworben wurden.
Das Hoch erreichte die NAKA-Aktie jedoch schon im Mai 2025, kurz nachdem die Pläne verkündet worden waren, aber der Merger mit KindlyMD noch nicht vollzogen war.
Im September 2025, als die initialen Kapitalgeber (PIPE-Investoren) ihre Anteile erstmals verkaufen konnten, handelte NAKA schließlich schon 96 % unter diesem Höchststand.
Seitdem ging es immer weiter bergab – doch nicht nur bei dem Aktienkurs, sondern auch bei der $BTC-Bilanz.
Update: KindlyMD adds 5,744 $BTC to the Nakamoto Bitcoin Treasury. pic.twitter.com/D92nZxGZnq
— Nakamoto (@nakamoto) August 19, 2025
Durch Beteiligungen an anderen börsennotierten Bitcoin-Haltern, darunter Metaplanet, sank der $BTC-Bestand Ende 2025 bereits auf 5.398 $BTC. Ein Teil der Metaplanet-Position wurde im ersten Quartal dieses Jahres zu einem deutlichen Verlust wieder verkauft.
Des Weiteren investierte Nakamoto Ende 2025 noch 56 Bitcoin in ein wandelbares Darlehen der schweizerischen „Bitcoin Treasury Company“ Future Holdings AG. Dieses Geld wurde jedoch in Cash zurückerhalten, weswegen es mit einem Verkauf der 56 $BTC gleichzusetzen ist.
Nakamoto verkauft und die Gefahr der Liquidierung
Ende März verkündete Nakamoto schließlich, 284 Bitcoin bei einem Kurs von etwas über 70.000 US-Dollar je $BTC verkauft zu haben. Die Erlöse, rund 20 Millionen US-Dollar, flossen in eine Art Cash-Reserve für operative Ausgaben sowie die Zinszahlungen des ausstehenden Kredits.
Nakamoto nahm initial nämlich 210 Millionen US-Dollar durch die Ausgabe von Wandelanleihen ein. Wenige Monate später wurden die Anleihen durch einen normalen, $BTC-besicherten Kredit mit 8 % Zinsen bei der Krypto-Börse Kraken ersetzt.
4.405 der übrigen 5.064 $BTC waren zum 31. März als Kollateral für den 210-Millionen-US-Dollar-Kredit hinterlegt. Als der Bitcoin-Kurs in der vergangenen Woche zeitweise unter 60.000 US-Dollar fiel, wurde bereits darüber spekuliert, dass Nakamoto nun liquidiert werden könnte.
Die 4.405 $BTC waren zu der Zeit zwar noch 260 Millionen US-Dollar wert, doch normalerweise liegt die Liquidierungsschwelle einige Prozent über dem tatsächlichen Niveau, ab dem der Kredit nicht mehr vollumfänglich abgedeckt ist. Die genauen Konditionen des Kredits sind öffentlich nicht bekannt, aber Gerüchten zufolge sollten Zwangsverkäufe bereits bei um die 60.000 US-Dollar einsetzen.
Tatsächlich war dann auch am Tag des Crashs unter 60.000 US-Dollar zu beobachten, dass 600 $BTC von den Kollateral-Adressen wegtransferiert wurden. Infolgedessen schien sich die Theorie der Liquidierung zu erhärten.
Neuer Bitcoin-Verkauf zur Schuldentilgung
Am heutigen Donnerstag gab es schließlich die Bestätigung, dass Nakamoto weitere 600 Bitcoin verkauft hat und die Bilanz infolgedessen von 5.064 auf 4.467 $BTC gesunken ist. Ob es sich dabei um einen Zwangsverkauf gehandelt hat, geht aus der Pressemitteilung jedoch nicht hervor.
Ebenso unklar ist, zu welchem Kurs genau verkauft wurde. Es heißt nämlich lediglich, dass durch den Verkauf der 600 $BTC sowie von Bitcoin-Derivaten insgesamt 48 Millionen US-Dollar erlöst wurden.
Die Rückzahlung wurde durch den Verkauf von rund 600 Bitcoin und Bitcoin-Derivaten finanziert, wodurch ein Nettoerlös von rund 48 Millionen US-Dollar erzielt wurde.
Aus der Pressemitteilung
Mit 45 Millionen US-Dollar tilgte Nakamoto einen Teil des Kraken-Kredits. Zudem wurden die Kreditkonditionen teilweise neu verhandelt.
Die jüngsten Schwankungen auf den Bitcoin-Märkten unterstreichen, wie wichtig es ist, eine disziplinierte Bilanzführung beizubehalten. Durch diese Refinanzierung haben wir unsere Gesamtverschuldung reduziert, den Großteil unserer Laufzeiten bis ins Jahr 2027 verlängert und die allgemeine Flexibilität unserer Verschuldung verbessert.
Tyler Evans, Nakamoto-CIO
Nakamoto hat jetzt noch 165 Millionen US-Dollar an Schulden ausstehend. 60 Millionen davon werden am 4. Dezember fällig, während die Laufzeit der restlichen 105 Millionen US-Dollar bis zum 30. Juni 2027 verlängert wurde.
Außerdem wurde ein Aktienrückkaufprogramm für bis zu 25 Millionen US-Dollar eingerichtet. Das Unternehmen ist derzeit nämlich deutlich weniger wert als die Bitcoin-Bilanz abzüglich der Schulden. Da kann es sogar Sinn ergeben, Bitcoin zu verkaufen, um eigene Aktien zurückzukaufen.
Ein gescheiterter Strategy-Nachahmer
Im aktuellen Bitcoin-Bärenmarkt geraten logischerweise so ziemlich alle „Bitcoin Treasury Companies“ unter Druck. Nichtsdestotrotz kristallisiert sich hierbei heraus, wer solide aufgestellt ist und wer nicht.
So konnte der Platzhirsch Strategy, dessen Aktie rund 77 % unter dem Höchststand notiert, seit Jahresauftakt allein über 172.000 $BTC hinzukaufen und dabei die Ratio „$BTC je Aktie“ um 12,8 % steigern.
Nakamoto hingegen ist das perfekte Beispiel dafür, wie es nicht gemacht werden sollte. Seit dem initialen Kauf ist die $BTC-Reserve in großen Schritten geschrumpft.
Dabei hilft auch nicht, dass der jüngste Verkauf von Bailey als „Stärkung der Bilanz“ bezeichnet wird:
Heute haben wir die Bilanz von Nakamoto gestärkt, indem wir die Schulden um 45 Millionen Dollar reduziert, die Laufzeiten bis ins Jahr 2027 verlängert, die Finanzierungskosten gesenkt und einen Bestand von 4.468 $BTC beibehalten haben.
David Bailey, Nakamoto-CEO
Grund für die schwache Performance ist, dass Nakamoto nie einen wirklichen Plan gehabt zu haben scheint, wie im Sinne der Aktionäre weitere $BTC akkumuliert werden können.
Hinzu kommt, dass Nakamoto verhältnismäßig viele Schulden aufgenommen hat, um ziemlich nahe des Höchststands Bitcoin zu kaufen, was offenbar dazu führt, dass schon nach einem für Bitcoin typischen Kursrutsch um 50 % Zwangsverkäufe einsetzen.
Interessanterweise teilte Steven Lubka, „Vice President of Investor Relations“ bei Nakamoto, noch im Sommer vergangenen Jahres die Einschätzung, dass keine der „Bitcoin Treasury Companies“ über eine Schuldenstruktur verfüge, die dazu führen würde, dass bei einem Kursrückgang $BTC abgestoßen werden müssten. Genau das war aber jetzt bei Nakamoto offensichtlich der Fall.
Ironisch ist zudem, dass CEO David Bailey zu Beginn noch davon sprach, dass Nakamoto sich zum Ziel gesetzt hätte, 1 Million Bitcoin zu akkumulieren.
Unser langfristiges Ziel, eine Million Bitcoin anzusammeln, spiegelt unsere Überzeugung wider, dass Bitcoin die nächste Ära der globalen Finanzwelt prägen wird, und wir sind entschlossen, das vertrauenswürdigste und transparenteste Instrument zu schaffen, um diese Zukunft zu verwirklichen.
David Bailey, Nakamoto-CEO
Von diesem Ziel entfernt sich Nakamoto momentan immer weiter, wobei davon auszugehen ist, dass noch einige weitere $BTC veräußert werden müssen, um die verbleibenden Schulden zu tilgen. Die restlichen 4.467 $BTC sind derzeit um die 280 Millionen US-Dollar wert, während noch 165 Millionen US-Dollar an Schulden ausstehen, die spätestens im Sommer 2027 getilgt werden müssen.
Die NAKA-Aktie handelt derweil 99,6 % unter dem Allzeithoch und es mussten bereits mehrere Aktien zu einer zusammengelegt werden in einem „Reverse Split“, um als „Penny Stock“ nicht von der Nasdaq gedelistet zu werden.