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Krypto-Winter: Mehr als 50% des Bitcoin-Angebots im Verlust

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Erstmals seit dem letzten Bärenmarkt liegt das Bitcoin-Angebot im Verlust bei über 50% der umlaufenden Coins. Über 10 Millionen $BTC wurden zuletzt zu Kursen oberhalb des aktuellen Marktniveaus bewegt bzw. gekauft.

K33 Research ist ein norwegisches Krypto-Forschungshaus, das On-Chain-Daten und Marktstruktur auswertet. Dessen „Supply in Loss"-Metrik misst, welcher Anteil des umlaufenden Angebots zuletzt zu einem höheren Preis transferiert wurde als dem aktuellen Marktpreis. Zuvor fiel Bitcoin von einem Jahreshoch um rund 82'000 USD auf rund 60'000 USD, ein Rückgang von etwa 28% innerhalb eines Monats. Nun notiert der Kurs bei rund 61'000 USD. Noch vier Wochen zuvor lag der Anteil des Angebots im Verlust bei rund 30%, womit der Wert um rund 20 Prozentpunkte zulegte. Die 50%-Schwelle wurde in jedem bisherigen Bärenmarkt allerdings nur in der Nähe grosser Tiefs erreicht.

Bitcoin-Angebot im Verlust: Was die 50%-Schwelle in früheren Zyklen bedeutete

Die 50%-Marke gilt als Näherungswert für Bärenmarkt-Tiefs, weil sie nach K33s Lesart faktisch eine Obergrenze besitzt. Ein erheblicher Teil der ältesten Coins bewegt sich nämlich nicht, sei es durch Verlust der Schlüssel oder durch langfristige Halter ohne Verkaufsabsicht. Solche Bestände fallen folglich nie in den „im Verlust"-Bereich. Der maximal erreichbare Wert liegt daher historisch bei rund 50% bis 56% und wurde in jedem Zyklus nur in der Nähe grosser Tiefs erreicht.

„Ein grosser Teil alter Coins bewegt sich schlicht nicht, entweder weil sie verloren gegangen sind oder weil ihre Besitzer nie vorhaben, sie zu verkaufen, sie fallen deshalb nie in den ‚im Verlust'-Bereich. Das hat in allen früheren Bärenmärkten eine natürliche Obergrenze für das in Verlust handelnde Angebot von rund 50% bis 56% gesetzt." - Vetle Lunde, Head of Research, K33

In den Bärenmärkten 2011, 2018 und 2022 bildete Bitcoin jeweils innerhalb von 31 Tagen nach dem ersten Überschreiten der 50%-Marke ein Tief. Nach K33s Report folgte zuvor jedoch ein finaler Abverkauf von etwa 15% bis 26% unter dem Niveau, das beim Überschreiten der Schwelle galt. Diese letzte Abwärtsbewegung erschöpft den Verkaufsdruck der noch profitablen Halter, deren Bestände bei tieferen Kursen ebenfalls in den Verlust rutschen. Die Zwölf-Monats-Renditen fielen danach historisch deutlich aus und lagen zwischen 69% und 359%. Damit markierte die Schwelle in diesen Zyklen jeweils eine späte Phase des Abschwungs.

Bitcoin-Kurs ($BTC/USD) und Phasen, in denen mehr als 50% des Angebots mit Verlust gehandelt wurden / Quelle: K33

Ein Naturgesetz ist das Muster allerdings nicht. Im Zyklus 2014 brauchte Bitcoin hingegen 101 Tage bis zum Tief und verlor nach dem Überschreiten der Schwelle weitere 46%. Diese Ausnahme zeigt, dass die Konvergenz der Signale kein garantiertes Timing liefert.

Rekord-Abflüsse aus Bitcoin-ETPs beschleunigen den Abverkauf

Die institutionellen Kapitalabflüsse fielen zuletzt aussergewöhnlich hoch aus. Innerhalb von vier Wochen verliessen 85'643 $BTC die börsengehandelten Bitcoin-Produkte - der grösste je erfasste Vier-Wochen-Abfluss. Im Schnitt entsprach das zwischen dem 7. Mai und dem 8. Juni 2026 rund 4'108 $BTC pro Tag. Allein in der jüngsten Woche flossen zudem 22'840 $BTC ab. Bereits Ende Mai hatte ein Rutsch unter 73'000 USD eine erste Welle starker Liquidierungen ausgelöst.

Bei den Spot-Bitcoin-ETFs verschärfte sich das Bild zusätzlich. Diese in den USA gelisteten Fonds bilden eine Teilmenge der breiteren ETP-Kategorie. Ab dem 20. Mai 2026 zogen Anleger netto über 40'000 $BTC in zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen aus diesen Fonds ab. Vom 30. Mai an folgten zehn aufeinanderfolgende Abflusstage mit Gesamtabflüssen von rund 2.97 Mrd. USD. Der monatliche Nettoabfluss von 2.43 Mrd. USD war ebenfalls der grösste des Jahres 2026. Somit zog sich institutionelles Kapital in einem Tempo zurück, das den Preisrückgang strukturell mitträgt.

Als möglichen Treiber nennt K33 eine Kapitalrotation in hochkonviktionäre Wachstumschancen, darunter den geplanten SpaceX-Börsengang, KI-Firmen und Mega-Cap-Tech-Aktien. Auffällig ist daneben ein Schritt von Strategy, vormals MicroStrategy. Das Unternehmen verkaufte 32 $BTC und vollzog damit seinen ersten Bitcoin-Verkauf seit 2022.

Technische Indikatoren erreichen Extremwerte des letzten Bärenmarkts

Der 200-Wochen-Durchschnitt gilt als verlässliches Tief-Kriterium, da kein grosser Bärenmarkt in Bitcoins Geschichte ohne eine Berührung dieser Linie endete. Die Kennzahl mittelt den Kurs über vier Jahre und dient damit als langfristige Unterstützungslinie. Sowohl 2015 als auch 2018 und 2022 fiel der Kurs jeweils auf oder unter diesen Vier-Jahres-Durchschnitt. Lunde verweist darauf, dass auch der aktuelle Zyklus keine Ausnahme bilde. Während des jüngsten Einbruchs unterschritt Bitcoin diesen Durchschnitt kurzzeitig, mit einem maximalen Drawdown von 4.29% relativ zum Vier-Jahres-Durchschnittspreis.

Bitcoin-Kurs ($BTC/USD) und gleitender 200-Wochen-Durchschnitt / Quelle: K33

Weitere Messgrössen zeigen ein ähnliches Bild. Der tägliche RSI fiel auf den tiefsten Stand seit November 2018, während der Fear & Greed Index auf einen Extremwert von 8 sackte und sich später leicht auf 10 erholte. Gleichzeitig sank das Open Interest der CME-Bitcoin-Futures auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief. Anfang Juni lösten fallende Kurse nach K33-Angaben zudem Long-Liquidierungen von rund 1.5 Mrd. USD aus, als der Kurs unter 62'000 USD und damit auf das tiefste Niveau seit Oktober 2024 rutschte.

Ein gegenläufiges Detail fällt dennoch auf. Das tägliche Spot-Marktvolumen überstieg erstmals seit Februar 2026 wieder die Marke von 5 Mrd. USD. Erhöhte Handelsaktivität tritt historisch häufig an potenziellen Wendepunkten auf.

K33 sieht begrenztes Abwärtspotenzial

Das Research-Haus hält an seinem Base Case fest, wonach 60'000 USD das Zyklus-Tief markiert oder zumindest eine attraktive langfristige Akkumulationszone darstellt. Der aktuelle Drawdown beträgt jedoch rund 53% über etwa acht Monate, während frühere grössere Rückgänge rund ein Jahr dauerten und 76% bis 85% auslöschten. Gemessen an diesen historischen Tiefen fällt der laufende Einbruch somit milder und kürzer aus. Lunde verweist letztlich darauf, dass das Setup ein begrenztes Abwärtspotenzial relativ zum möglichen Aufwärtspotenzial im kommenden Jahr nahelege, ohne dies als Garantie zu bezeichnen.

Demgegenüber steht eine deutlich vorsichtigere Stimme. Der Market-Maker Wintermute warnte davor, einen Boden auszurufen, solange keine Zeichen zurückkehrender Mittelzuflüsse erkennbar seien. Für diese Lesart bleibt der Befund zum Angebot im Verlust allein kein Kaufsignal, solange frisches Kapital nicht messbar zurückkehrt. Letztlich bleibt die Spannung zwischen konträr-bullischer Lesart und abwartender Haltung vorerst offen.

cvj.ch