Strategys Verkauf sorgt für Panik am Markt
Immer wenn der Bitcoin-Kurs unter Druck gerät, häufen sich die Sorgen, dass der größte $BTC-Firmenhalter Strategy kollabiert. Dieses Mal ist jedoch besonders, dass Strategy selbst einen großen Anteil zu dem aktuellen Crash beigetragen haben dürfte.
Das Unternehmen verkündete nämlich am Montag, zum ersten Mal seit Dezember 2022 Bitcoin verkauft zu haben. Dabei musste erstmals ein geringerer $BTC-Bestand gemeldet werden, weil – anders als damals – nicht direkt wieder mehr $BTC zurückgekauft wurden.
Dass diese Nachricht, obwohl es sich nur um 32 $BTC beziehungsweise 0,004 % des Unternehmensbestandes handelte, einen weiteren Abverkauf ausgelöst hat, zeigt sich an dem deutlichen Zusammenhang zwischen der Meldung und dem seither stark fallenden Kurs.
Maßnahme mit unerwünschter Wirkung
Letztlich geht es bei den Sorgen nicht um den Verkauf von 32 Bitcoin für 2,5 Millionen US-Dollar, sondern um die Möglichkeit, dass Strategy noch die üblichen 843.706 $BTC auf den Markt werfen könnte. Möglicherweise wird genau das gerade vom Markt eingepreist.
Als das Unternehmen die Option von Bitcoin-Verkäufen Anfang Mai ausdrücklich in den Raum stellte, betonte das Management mehrfach ausdrücklich, dass weiterhin natürlich mehr $BTC gekauft als verkauft werden sollen. Der Bitcoin-Kurs zeigte sich da noch unbeeindruckt.
Wichtig ist zudem, dass Strategy alles andere als zum Verkauf der $BTC gezwungen war. Es mussten lediglich rund 100 Millionen US-Dollar für die monatlich anfallende Dividende von STRC aufgetrieben werden. Doch zeitgleich sammelte Strategy 128,3 Millionen US-Dollar durch die Ausgabe von MSTR-Stammaktien ein. Mit den übrigen Mitteln wurde die Cash-Reserve auf 900 Millionen US-Dollar vergrößert.
Die 2,5 Millionen US-Dollar waren also nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, der dem Markt wohl lediglich signalisieren sollte, dass $BTC tatsächlich verkauft werden können. Die Rating-Agentur kritisierte an Strategy nämlich, dass das Unternehmen nicht zum Verkauf bereit sei, und verrechnete die $BTC auf der Bilanz nicht mit dem Eigenkapital.
Doch der Verkauf entfaltete augenscheinlich nicht die gewünschte Wirkung. Das Management ging wohl davon aus, dass den Haltern der Vorzugsaktien so mehr Zuversicht gegeben werden könnte, doch der Kurs des Flaggschiffprodukts STRC reagierte deutlich negativ, was die Panik weiter anfachte.
Wie groß ist die Strategy-Gefahr?
Von einer Zahlungsunfähigkeit ist Strategy aber weit entfernt. Die Cash-Reserve deckt nämlich 6,3 Monate an Dividendenzahlungen ab, während die ersten Wandelanleihen nicht vor dem Jahr 2028 getilgt werden müssen.
Die Bitcoin-Bilanz ist derweil über 50 Milliarden US-Dollar schwer und entspricht abzüglich der Schulden momentan über 25 Jahren an Dividenden.
Strategy könnte theoretisch also mehrere Monate die Ausschüttungen mit dem US-Dollar-Puffer bezahlen und darauf warten, dass sich die Marktbedingungen wieder verbessern beziehungsweise der Bitcoin-Kurs steigt.
Außerdem überlebte das Unternehmen bereits den Bitcoin-Bärenmarkt 2022, in dem es zeitweise sogar mehr Schulden als Assets hatte. Aktuell beträgt die Schuldenquote lediglich 11 %. Rechnet man hier den Wert der ausstehenden Vorzugsaktien hinzu, die faktisch betrachtet kein Fremdkapital sind, so kommt man auch nur auf circa 42 %.
Bei einem aktuellen Bitcoin-Kurs von um die 63.000 US-Dollar ist Strategy also noch weit davon entfernt, ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten zu bekommen. Dafür müsste der Bitcoin-Kurs von hier aus noch einmal um mehr als 80 % fallen und sich mehrere Jahre nicht erholen.
Dann hätte Strategy nämlich wieder mehr Schulden als Assets, was dazu führen könnte, dass die ausstehenden Wandelanleihen nicht getilgt und entsprechend Insolvenz angemeldet werden muss. Die Dividenden der Vorzugsaktien könnten hingegen ausgesetzt werden, ohne eine direkte Pleite auszulösen.
STRC-Kursrutsch verunsichert die Märkte
Das alles ändert aber nichts daran, dass der Kurs der Vorzugsaktie STRC derzeit deutlich unter der angepeilten 100-US-Dollar-Marke notiert und dieser Umstand die Marktteilnehmer nervös macht. Vereinzelt werden sogar Parallelen zum Kollaps des algorithmischen Stablecoins UST von Terra Luna gezogen.
Strategy hat nämlich mehrfach kommuniziert, alles in der Macht Stehende zu tun, um STRC bei 100 US-Dollar stabil zu halten. Dies kann durch eine monatliche Anpassung der Dividende geschehen.
Seit dem IPO im Sommer 2025 bei einer Dividendenrendite von 9 % gab es mehrere Erhöhungen, sodass inzwischen 11,5 % aufs Jahr gerechnet bezahlt werden. Der andere Stabilisierungsmechanismus ist, dass erst über einem Kurs von 100 US-Dollar neue STRC-Aktien am Markt emittiert werden.
Die Tatsache, dass STRC heute vorbörslich teilweise nur noch bei um die 94 US-Dollar notierte, interpretieren viele letztlich als Vertrauensverlust in das gesamte Konstrukt.
Die Realität ist aber, dass sich STRC schon mehrfach weiter von der 100-US-Dollar-Marke entfernt hat, als der Bitcoin-Kurs unter Druck geraten war. So handelte die Vorzugsaktie im November im Tief nur noch bei 90,52 US-Dollar. Im Februar fiel STRC auch noch auf 93,10 US-Dollar, doch vier Handelstage später wurde bereits das Zielniveau wieder erreicht.
Das heißt: Ein größerer „Depeg“ von STRC ist alles andere als etwas Neuartiges. Außerdem signalisiert es lediglich, dass Käufer aktuell eine höhere Dividendenrendite für angemessen erachten. Mit einer Dividendenerhöhung könnte das entsprechend zum nächsten Monatswechsel ausgeglichen werden.
Grundsätzlich steigt aber natürlich das STRC-Risiko, je weniger die indirekte Absicherung durch die $BTC-Bestände des Unternehmens wert ist, während immer weitere Dividendenerhöhungen keine gute Signalwirkung hätten.
STRC ist letztlich jedoch kein algorithmischer Stablecoin, der einzig und allein auf Vertrauen der Halter in das Konstrukt basiert.
Für das Wertpapier ist die Zahlungsfähigkeit von Strategy ausschlaggebend, die eine Funktion des Bitcoin-Kurses ist. STRC würde demnach nur auf null fallen, wenn Strategy pleitegeht oder die Dividenden für immer ausgesetzt werden.
Nichtsdestotrotz können die teilweise irrationalen Sorgen dazu führen, dass sich STRC länger entkoppelt und entsprechend nicht mehr milliardenschwere $BTC-Käufe durch die Emission möglich werden – sofern auch Dividendenanpassungen nicht helfen.
Wichtig hierbei zu erwähnen ist, dass STRC zu 80 % von emotional tendenziell anfälligeren Kleinanlegern gehalten wird und in den vergangenen Monaten so viele neue Wertpapiere emittiert wurden, dass diese auch erst einmal nachhaltig vom Markt absorbiert werden müssen.
Unter dem Strich handeln sowohl Bitcoin als auch die MSTR-Aktie und STRC noch ein gutes Stück über dem Tief aus Februar dieses Jahres, obwohl die Stimmung gerade um ein Vielfaches negativer zu sein scheint.
Negativspirale durch Strategy
Sollte das schwierige Marktumfeld länger anhalten, könnte dennoch eine Art Negativspirale einsetzen. Denn solange STRC nicht wieder bei 100 US-Dollar handelt, dürfte Strategy als wohl relevantester Käufer wegfallen. Gleichzeitig ist die Stammaktie nämlich ebenfalls niedrig bewertet, was es dem Unternehmen unmöglich macht, MSTR-Aktien auszugeben, um Bitcoin zu kaufen, ohne die Ratio „$BTC je Aktie“ zu verschlechtern.
Demnach ist es durchaus möglich, dass Strategy entgegen des Plans zum Nettoverkäufer wird – und zwar dadurch, dass keine $BTC mehr gekauft werden können und gleichzeitig die Dividenden durch das Anzapfen der $BTC-Reserve finanziert werden.
Hinzu kommt, dass Strategy selbst schon die Option angesprochen hat, Bitcoin zu verkaufen, um die eigene Aktie bei einer niedrigen Bewertung zurückzukaufen. Beispielsweise die „Bitcoin Treasury Company“ ProCap Financial macht genau das bereits im aktuell schwierigen Marktumfeld.
Und sollte das alles den Bitcoin-Kurs immer weiter unter Druck bringen, so wäre rein theoretisch möglich, dass Strategy eher früher als später dann doch die Mittel ausgehen.
Nicht der einzige Grund für den Crash?
Letztlich ist Strategy aber natürlich nicht der einzige Akteur im Bitcoin-Markt und wohl von weniger Relevanz für den Kurs, als es gerade erscheinen mag – auch wenn der psychologische Effekt natürlich nicht wegzudiskutieren ist.
Der Bitcoin-Kurs begann letztlich schon zu schwächeln, bevor Strategy den kleinen Verkauf tätigte.
Seit dem Zwischenhoch vom 6. Mai von über 82.000 US-Dollar, korrigierte Bitcoin bereits um mehr als 10 %, bis es zu der Verkaufsmeldung von Strategy kam.
Die US-amerikanischen Bitcoin-Spot-ETFs verzeichneten seit dem 15. Mai an jedem der inzwischen 13 Handelstage Abflüsse. Insgesamt wurden den Anlageprodukten so rund 4,4 Milliarden US-Dollar abgezogen.
Einer der zentralen Gründe für die $BTC-Schwäche dürfte auch der KI-Boom an der Wall Street sein. Dieser scheint nämlich sämtliches Kapital anzuziehen. Hinzu kommt, dass mehrere große Börsengänge anstehen, für die sich Anleger offenbar schon Geld zurücklegen.
Neben dem voraussichtlichen IPO von SpaceX zu einer Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar stehen auch Börsengänge der führenden KI-Firmen Anthropic und OpenAI bevor.
So titelte CNBC am gestrigen Dienstag beispielsweise: „Bitcoin erreicht den tiefsten Stand seit Februar, da Kryptowährungen mit hochkarätigen Börsengängen um Liquidität konkurrieren“
Auch Strategy-Gründer Michael Saylor teilt die Einschätzung, dass der Abverkauf dem KI-Hype und weniger fundamentalen Problemen von $BTC geschuldet sei:
Die Kapitalmärkte finanzieren den Ausbau der KI in historischem Ausmaß: rund 400 Milliarden US-Dollar in sechs Monaten. Seit dem 14. Mai verzeichnen Bitcoin-ETFs Abflüsse in Höhe von rund 4 Milliarden US-Dollar, was den Kurs von $BTC unter Druck setzt. Dies ist eine Kapitalumschichtung, keine Beeinträchtigung von Bitcoin. Volatilität schafft Chancen.
Michael Saylor
Capital markets are funding the AI buildout at historic scale: ~$400B over 6 months. Bitcoin ETFs have seen ~$4B of outflows since May 14, pressuring $BTC. This is a capital rotation, not a Bitcoin impairment. Volatility creates opportunity.
— Michael Saylor (@saylor) June 4, 2026
Gezielte Panikmache?
Vorstellbar ist zudem, dass sich große aktive Marktteilnehmer die Panik rund um Bitcoin zunutze machen, um von fallenden Kursen zu profitieren. Der Vorwurf der Marktmanipulation wird zwar oftmals zu schnell erhoben, doch dieses Mal gibt es einen interessanten Zufall:
Am Dienstag vergangener Woche gab es einen ungewöhnlich großen IBIT-Block-Trade in einem Volumen von knapp 1,3 Milliarden US-Dollar.
Dieser Abverkauf des größten Bitcoin-Spot-ETFs begünstigte einen raschen Preiseinbruch von 78.000 auf unter 77.000 US-Dollar.
Bestätigt … Heute Morgen um 10:30 Uhr wurde ein Handel mit 29 Millionen Anteilen (1,3 Mrd. $) von $IBIT abgewickelt. Diese Übersicht zeigt alle heutigen IBIT-Geschäfte nach Umfang, und man sieht, dass eines davon sich von den anderen unterscheidet.
Bloomberg-ETF-Experte Eric Balchunas am 26.05.26
Spannend daran ist, dass dem SEC-Filing von Montag dieser Woche zu entnehmen war, dass Strategy die 32 Bitcoin zu 77.135 US-Dollar verkauft hatte und der Kurs nach dem besagten IBIT-Trade nie wieder über 77.000 US-Dollar stieg.
Entsprechend könnte spekuliert werden, dass ein großer Marktteilnehmer Insiderinformationen hatte – womöglich durch direkten Draht zu dem Dienstleister, der Strategys Verkauf abwickelte.
Und da das Narrativ eines Verkaufs von Strategy kraftvoll genug ist, Panik zu schüren, wäre vorstellbar, dass beispielsweise Hedgefonds die Situation durch Shorts beziehungsweise weitere Verkäufe ausnutzen, um den Markt einmal kräftig durchzuschütteln.
Dabei könnten sie durch ihre Leerverkäufe Geld verdienen oder einfach günstiger wieder einkaufen wollen.
Für diese Theorie gibt es bislang jedoch keine Beweise, sondern lediglich die Koinzidenz des großen IBIT-Trades und des potenziell kurz davor abgewickelten Bitcoin-Verkaufs von Strategy.
Confirmed.. 29 million share trade ($1.3b) of $IBIT executed at 1030am this morning. This screen shows all the IBIT trades today by size and you can see one of these is not like the others. Price unchanged today so mkt absorbed it well. https://t.co/Otew0DWa3F pic.twitter.com/jZcoKez74K
— Eric Balchunas (@EricBalchunas) May 26, 2026
Nur ein vorübergehender Schmerz?
Der Bitcoin-Markt ist trotz des großen Volumens immer noch anfällig für Panik. Der aktuelle Crash ist dabei weder auf fundamentale Probleme bei Bitcoin noch auf wirklich rationale Sorgen vor einem Kollaps von Strategy zurückzuführen.
Nichtsdestotrotz besteht natürlich die Gefahr einer noch stärkeren Abwärtsspirale durch Liquidationen und potenziell weitere Verkäufe von Strategy – sofern sich die Marktbedingungen für das Unternehmen nicht bald schon wieder verbessern sollten und Michael Saylor zunehmend von der Wall Street herausgefordert wird.
Doch selbst wenn Strategy kollabieren sollte, wovon wir noch weit entfernt sein dürften, bedeutet das nicht zwangsläufig das Ende von Bitcoin. Der Kurs dürfte davon zwar weiter nach unten gerissen werden, doch Bitcoin hat bereits mehrere große Schocks überstanden – Stichwort FTX und Mt.Gox.
Bislang hat sich bei Bitcoin gezeigt, dass insbesondere in den Phasen, in denen viele kapitulieren und auf den ersten Blick besorgniserregende Schreckensszenarien an die Wand gemalt werden, außerordentlich gute Einstiegschancen entstehen.
So ist ein Bitcoin heute beispielsweise noch rund viermal so viel wert wie zur Zeit der Panik rund um den Kollaps der Krypto-Börse FTX.
Ob es dieses Mal wieder so sein wird beziehungsweise ob das Schlimmste schon überstanden ist, kann letztlich aber nur die Zukunft zeigen. Wichtig ist und bleibt, dass sich an den Eigenschaften von Bitcoin nichts geändert hat.