Bitcoin konsolidiert nach seinem höchsten Kurs seit Januar. Gleichzeitig fließt wieder viel Kapital in US-Krypto-ETFs, während Glassnode eine zunehmende Stärke am Altcoin-Markt misst. Ob aus dem Ausbruch ein dauerhafter Aufwärtstrend wird, ist damit noch nicht entschieden.
Bitcoin hat nach dem kräftigen Anstieg zu Wochenbeginn zunächst an Tempo verloren. Am Montag erreichte der Kurs rund 87.350 Dollar und damit den höchsten Stand seit dem 29. Januar. Am Dienstag pendelte $BTC überwiegend um 86.000 Dollar. Für den Markt rückt nun die Frage in den Mittelpunkt, ob sich dieser Bereich nach dem Ausbruch als Unterstützung behauptet.
Das Umfeld hatte sich zwischenzeitlich entspannt: Der Preis für US-Rohöl der Sorte WTI fiel am Dienstag kurzzeitig auf 89,16 Dollar je Barrel, bevor er wieder in Richtung 92 Dollar stieg. Saudi-Arabien hat nach Angaben von Reuters seine East-West-Pipeline wieder in Betrieb genommen. Bis sie ihre volle Kapazität erreicht, könnten allerdings sechs bis acht Wochen vergehen. Auch mögliche Verhandlungen über ein Ende des Kriegs zwischen den USA und Iran bleiben für den Ölmarkt relevant. US-Präsident Donald Trump stellte bei der UN-Generalversammlung eine Einigung in Aussicht, deutete aber an, dass diese erst nach den Zwischenwahlen im November zustande kommen könnte.
Bitcoin-ETFs ziehen in zwei Tagen 1,7 Milliarden Dollar an
Der jüngste Kursanstieg wird von starken Zuflüssen in US-Spot-Bitcoin-ETFs begleitet. Am Montag nahmen die Fonds netto 999 Millionen Dollar auf, am Dienstag weitere 714,7 Millionen Dollar. Zusammen sind das rund 1,71 Milliarden Dollar innerhalb von zwei Handelstagen. Allein am Dienstag entfielen 350,3 Millionen Dollar auf BlackRocks IBIT und 257,4 Millionen Dollar auf Fidelitys FBTC, wie Farside Investors ausweist.
Auch Ether-Fonds profitierten von der höheren Nachfrage: Auf Zuflüsse von 270 Millionen Dollar am Montag folgten am Dienstag weitere 162,2 Millionen Dollar. Die Erholung beschränkt sich damit nicht auf Bitcoin.
Für ETF-Anleger ist das aktuelle Bitcoin-Kursniveau besonders interessant. Bloomberg-Analyst James Seyffart bezifferte ihre geschätzten durchschnittlichen Anschaffungskosten auf 81.722 Dollar je Bitcoin. Mit einem Kurs um 86.000 Dollar liegt $BTC darüber. Der Durchschnitt sagt allerdings nichts darüber aus, ob einzelne Anleger bereits im Gewinn sind.
Glassnode sieht breitere Stärke bei Altcoins
Parallel zur Bitcoin-Rally hat Glassnodes Altcoin Cycle Signal auf „Altcoin Season“ gedreht. Der für Montag genannte gleitende Sieben-Tage-Wert lag bei 81,25 auf einer Skala bis 100. Der Indikator vergleicht die relative Entwicklung eines Korbs aus 250 großen Altcoins ohne Stablecoins mit Bitcoin. Das Signal spricht für eine breitere Marktbewegung, bedeutet aber nicht, dass jeder Altcoin Bitcoin übertrifft.
Die gemeinsame Marktkapitalisierung der Altcoins erreichte am Dienstag laut den vorliegenden Marktdaten rund 1,19 Billionen Dollar, den höchsten Stand seit Ende Januar. Seit dem 19. August entspricht das einem Zuwachs von etwa 33 Prozent. Bitcoins Anteil am gesamten Kryptomarkt lag zugleich bei rund 59,7 Prozent und bewegte sich damit weiterhin in der Spanne der vergangenen Wochen.
Onchain-Daten liefern ein weiteres positives Signal
Auch bei Bitcoin selbst beobachtet Glassnode eine Veränderung: Das Verhältnis von Marktwert zu realisiertem Wert, kurz MVRV, ist wieder über seinen gleitenden 365-Tage-Durchschnitt gestiegen. Glassnode verweist darauf, dass eine solche Kreuzung auch 2019 und 2023 zu Beginn größerer Aufwärtsphasen auftrat. Der MVRV-Wert wird in den vorliegenden Daten mit 1,62 angegeben, nach 1,19 Mitte August.
Der historische Vergleich ist ein Hinweis auf verbessertes Momentum, aber keine Bestätigung eines neuen Bullenmarkts. Die wenigen früheren Signale reichen nicht aus, um den weiteren Kursverlauf abzuleiten. Entscheidend bleibt kurzfristig, ob Bitcoin den Bereich um 86.000 Dollar halten kann und ob die Nachfrage über ETFs sowie im breiteren Kryptomarkt anhält.
Abseits der aktuellen Kursbewegung skizziert BlackRock in einer neuen Studie zur „Machine-Native Economy“ einen möglichen längerfristigen Nachfragetreiber: KI-Agenten könnten für automatische Zahlungen und den Handel mit Rechenkapazität programmierbare Infrastruktur benötigen. Der Vermögensverwalter sieht dabei insbesondere Potenzial für Stablecoins. Diese These beschreibt eine mögliche Anwendung digitaler Assets; aus ihr lässt sich keine unmittelbare Wirkung auf den Bitcoin-Kurs ableiten.
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