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Token-Rückkäufe boomen – doch der Kurseffekt bleibt unsicher

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Digital-Asset-Gruppen haben im laufenden Jahr laut Daten von Allium Labs bereits 638 Millionen Dollar für Rückkäufe eigener Token ausgegeben – so viel wie nie zuvor. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 545 Millionen Dollar, im gesamten Jahr 2024 lediglich 366.000 Dollar. Die Rückkaufwelle trifft auf einen Kryptomarkt, der seit Monaten unter Druck steht, während Kapital zunehmend in KI-Aktien abwandert.

Rückkäufe als Reaktion auf den Kryptomarkt-Abschwung

Zwei Akteure dominieren das Bild: Die Perpetuals-Börse Hyperliquid und die Memecoin-Plattform pump.fun stehen zusammen für fast 90 Prozent aller Rückkäufe. Die Logik dahinter ist simpel: Wer Token vom Markt nimmt, reduziert das Angebot und signalisiert zugleich Vertrauen in das eigene Projekt, nach dem Vorbild klassischer Aktienrückkäufe, wie sie US- und UK-Unternehmen seit Jahrzehnten praktizieren.

The Hyperliquid trading dashboard featuring real-time market data and technical analysis tools.

Der Unterschied: Krypto-Token verleihen anders als Aktien in der Regel weder wirtschaftliche Ansprüche noch Stimmrechte. Rückkäufe waren deshalb lange selten, auch weil unter der früheren SEC-Führung von Gary Gensler viele Teams befürchteten, solche Programme könnten ihre Token in die Nähe von Wertpapieren rücken. Unter der Trump-Regierung hat sich die Haltung der US-Regulierer gegenüber Krypto entspannt, was Projektteams mehr Spielraum für Rückkaufprogramme verschafft hat.

Hyperliquid geht besonders aggressiv vor: Die Börse steckt 99 Prozent ihrer Handelsgebühren in den Rückkauf des eigenen $HYPE-Tokens und hat seit dem Start im Dezember 2024 bereits Token im Wert von 1,3 Milliarden Dollar zurückgekauft und vernichtet. Sky Protocol kaufte im Vergleich dazu Token für 26 Millionen Dollar zurück, während Lido regelmäßige Rückkäufe angekündigt hat, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind – darunter annualisierte Erlöse von 40 Millionen Dollar.

Token-Rückkäufe sind keine Aktienrückkäufe

Elton Shehdula, Head of Research bei Allium Labs, sieht in den Programmen vor allem einen Vertrauensbeweis, der über die Angebotsreduktion Kurse stützen kann. Zugleich bleibt er skeptisch, ob Rückkäufe die Preise dauerhaft anheben. Bei Sky Protocol begründet Mitgründer Rune Christensen die Käufe damit, dass die entscheidungsrelevanten Tokenhalter mit dem langfristigen Erfolg des Protokolls in Einklang gebracht werden sollen. Bei THORChain gehen 55 Prozent der Erlöse an stakende THORSwap-Halter, weitere 20 Prozent fließen in Rückkäufe – ein Modell, das Token stärker wie Dividendenpapiere behandelt.

Gemischte Kurswirkung

Ob die Strategie funktioniert, zeigt ein Blick auf die Kurstafel: $HYPE legte im Jahresvergleich um 70 Prozent zu und bewegt sich damit gegen den breiten Markttrend. Bitcoin notiert weiterhin rund 38 Prozent unter seinem Hoch, XRP und Solana liegen jeweils rund 60 Prozent im Minus. SKY stieg immerhin um 5 Prozent.

Photo by Rafael Minguet Delgado on Pexels

Andere Beispiele zeigen die Grenzen des Modells: Jupiter gab knapp 14 Millionen Dollar für Rückkäufe aus, der Token fiel dennoch um 55 Prozent. Chainlink halbierte sich trotz eigener Buybacks, der Lido-Token brach um 71 Prozent ein und notiert nahe Rekordtiefs. Helium stellte sein Rückkaufprogramm im Februar ein, weil der Markt die Maßnahme nach Einschätzung des Mitgründers Amir Haleem nicht honorierte. Amir Hajian, Researcher bei Keyrock, sieht darin ein Zeichen für einen Strukturwandel: Tokenhalter fragten heute stärker nach dem wirtschaftlichen Nutzen eines Projekts, statt allein auf Hype zu reagieren.

Was als Nächstes passiert

Lido knüpft seine geplanten regelmäßigen Rückkäufe an klare Bedingungen, allen voran das Erreichen von 40 Millionen Dollar annualisierter Erlöse. Der Ansatz soll den Tokenpreis stärker an den Erfolg des Protokolls koppeln. Ob sich dieses Muster bei anderen Projekten durchsetzt, bleibt offen. Die bisherige Bilanz zeigt jedenfalls, dass ein sinkendes Angebot allein keine verlässliche Kursgarantie ist. Anleger, die Rückkäufe als Kaufsignal werten, sollten daher auch die zugrunde liegenden Erlösmodelle prüfen.

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