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Harmony setzt Blockchain nach Hack zurück – 109.000 Transaktionen verschwinden

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Das Blockchain-Netzwerk Harmony greift nach einem Exploit zu einer außergewöhnlichen Maßnahme: Unbefugt erzeugte neue ONE-Token sollen aus der Historie entfernt werden. Dafür wird das Netzwerk um mehrere Tage zurückgesetzt, wodurch mehr als 109.000 Nutzertransaktionen verschwinden. Auch Vorgänge, die nichts mit dem Angriff zu tun hatten, werden rückgängig gemacht.

Harmony teilte am Montag mit, dass die Validatoren zum Netzwerkstand vom 12. August um 1.25 Uhr deutscher Zeit zurückkehren. Von diesem Punkt an wird die Blockchain neu aufgebaut. Auf diese Weise will Harmony die Folgen des Exploits aus dem Netzwerk entfernen.

Harmony macht mehr als 109.000 Transaktionen rückgängig

Insgesamt werden 109.126 reguläre Transaktionen und 315 Staking-Transaktionen zurückgedreht. Der Eingriff betrifft damit deutlich mehr Nutzer als nur den Angreifer.

Harmony prüfte zunächst, ob ausschließlich die verdächtigen Transaktionen entfernt werden könnten. Nach Angaben des Netzwerks hätte ein solch gezieltes Vorgehen jedoch zu große technische Risiken mit sich gebracht.

Der Grund: Transaktionen auf einer Blockchain bauen aufeinander auf. Wird eine einzelne Transaktion nachträglich entfernt, kann das Auswirkungen auf alles haben, was danach geschehen ist, etwa bei Wallets und Smart Contracts.

Deshalb entscheidet sich Harmony für einen vollständigen Rollback. Die Validatoren kehren zu einem älteren Stand der Blockchain zurück und arbeiten von dort aus mit Ersatzdatenbanken weiter.

Für Nutzer bedeutet das: Transaktionen, die sie nach dem 12. August um 1.25 Uhr deutscher Zeit ausgeführt haben, müssen möglicherweise erneut vorgenommen werden. Auch vollständig gültige Zahlungen, Überweisungen und Staking-Aktivitäten können aus der neuen Transaktionshistorie verschwinden.

Gefälschte ONE-Token landen auf Kryptobörsen

Auslöser der Probleme war die unbefugte Erzeugung neuer ONE-Token. Die gefälschten Coins wurden anschließend an mehrere Kryptobörsen geschickt.

Harmony gibt an, inzwischen nahezu alle illegal erzeugten Token bis zu Wallet-Adressen oder externen Diensten nachverfolgt zu haben. Dabei arbeitet das Netzwerk mit Kryptobörsen, Blockchain-Bridges und der Polizei zusammen.

Eine Blockchain-Bridge ermöglicht es, Krypto-Assets zwischen verschiedenen Blockchain-Netzwerken zu verschieben. Indem Harmony auch diese Geldströme verfolgt, will das Netzwerk nachvollziehen, wohin die gefälschten ONE-Token gelangt sind.

Den vorliegenden Daten von CoinGecko zufolge kommt ONE derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 10,8 Millionen Dollar.

Warum der Rollback von Harmony so ungewöhnlich ist

Die Entscheidung ist heikel, weil eine Blockchain gerade darauf ausgelegt ist, eine Transaktionshistorie festzuschreiben, die sich nachträglich nur schwer verändern lässt. Sobald eine Transaktion endgültig bestätigt ist, gehen Nutzer in der Regel davon aus, dass sie nicht mehr verschwinden kann.

Ein Rollback bricht mit diesem Grundsatz. Harmony kann damit die Folgen des Exploits rückgängig machen, löscht zugleich aber mehrere Tage legitimer Aktivität aus der Blockchain.

Für Nutzer ist das mehr als ein technisches Problem. Jemand könnte etwa ONE versendet und angenommen haben, dass die Zahlung endgültig abgeschlossen ist. Nach dem Rollback kann diese Transaktion aus der neuen Version des Netzwerks verschwinden.

Harmony ist zudem nicht das einzige Projekt, das vor einer derart weitreichenden Entscheidung steht. Auch Ravencoin versucht nach einem Exploit, bereits bestätigte Blockchain-Aktivität rückgängig zu machen.

Bei Ravencoin wurde eine Schwachstelle im Konsensmechanismus ausgenutzt. Mining-Pools, die gemeinsam den Großteil der Rechenleistung stellen, haben daraufhin begonnen, eine alternative Version der Blockchain aufzubauen.

Falls diese Version letztlich vom Netzwerk übernommen wird, könnten auch dort zuvor bestätigte Transaktionen verschwinden. Den vorliegenden Kursdaten zufolge kommt Ravencoin derzeit auf eine Marktkapitalisierung von rund 46,3 Millionen Dollar.

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