Die Datenbasis: River-Bericht 2025
Willy Woo veröffentlichte am Montag Zahlen aus dem River-Branchenbericht 2025. Demnach gingen durch Self-Custody insgesamt 1,57 Millionen Bitcoin verloren, während auf Börsen 1,51 Millionen Bitcoin abhandenkamen. Die Differenz zwischen beiden Werten beträgt weniger als 60.000 Bitcoin. Auf den ersten Blick ein überraschendes Ergebnis, das die gängige Einschätzung zur Sicherheit der Eigenverwahrung relativiert.
CZ: Börsenhacks sind besser dokumentiert
Zhao argumentiert, dass der direkte Vergleich beider Zahlen irreführend ist. Hacks auf Börsen werden in der Regel groß in den Medien berichtet und sind damit gut dokumentiert. Verluste durch Self-Custody hingegen, etwa durch verlorene private Schlüssel, vergessene Passwörter oder zerstörte Hardware-Wallets, werden selten öffentlich bekannt. Laut Zhao dürfte die tatsächliche Zahl der Self-Custody-Verluste daher deutlich höher liegen als offiziell erfasst.
Zudem wies er darauf hin, dass ein Teil der börsenseitigen Verluste auf Plattformen entfällt, die nicht mehr existieren. BitMEX beispielsweise gab im Juli seine Schließung bekannt und beendete damit einen elfjährigen Betrieb. Gleichzeitig zeigen Branchendaten, dass die Zahl der Hackangriffe im ersten Halbjahr 2026 um rund 50 Prozent gestiegen ist, obwohl die insgesamt gestohlenen Summen zurückgingen.
Binance SAFU-Fonds als Argument
Ein weiteres Element in Zhaos Argumentation ist die Entschädigungspraxis von Binance. Die Börse habe Nutzer bei börsenseitigen Sicherheitsvorfällen in der Vergangenheit stets entschädigt. Zuletzt wurde der sogenannte Secure Asset Fund for Users (SAFU) auf eine Bitcoin-Reserve von einer Milliarde US-Dollar ausgebaut. Dieses Sicherheitsnetz existiert bei der Eigenverwahrung nicht. Wer seinen privaten Schlüssel verliert oder Opfer eines Wallet-Angriffs wird, hat in der Regel keine Möglichkeit, Verluste zurückzufordern.
Aktueller Vorfall: Coldcard-Schwachstelle
Die Debatte erhält durch einen aktuellen Vorfall zusätzliches Gewicht. Anfang August 2026 wurde eine Schwachstelle in der Coldcard-Hardware-Wallet bekannt, durch die Nutzer Bitcoin verloren. Ein Betroffener büßte dabei in kürzester Zeit 1,6 Millionen US-Dollar ein, obwohl er nach eigenen Angaben alle gängigen Sicherheitsschritte befolgt hatte. Auch zu diesem Vorfall äußerte sich Zhao und betonte, dass kein Wallet-Setup absoluten Schutz garantiere.
Kein pauschales Urteil
Zhao sprach keine generelle Empfehlung zugunsten von Börsen aus. Er stellte die Entscheidung zwischen Eigenverwahrung und zentralisierter Aufbewahrung als eine Frage der individuellen Risikobereitschaft und des passenden Produkts dar. Ob die von Woo präsentierten Daten einer vertieften Überprüfung standhalten, bleibt offen. Self-Custody-Verluste sind naturgemäß schwerer zu verifizieren als dokumentierte Börsenhacks. Bitcoin notierte zum Zeitpunkt der Berichterstattung bei rund 60.347 US-Dollar, ein Plus von etwa 1,2 Prozent innerhalb von 24 Stunden.