de
Zurück zur Liste

Aktie profitiert: Deutsche Bank baut Krypto-Geschäft aus - was Anleger über den neuen Service wissen müssen

source-logo  finanzen.net 16 September 2026 11:03, UTC
image
  • Wallets und private Schlüssel soll künftig die Bank verwalten
  • Bitcoin, Ether und ausgewählte Stablecoins zählen zum Startangebot
  • Sicherheitsarchitektur setzt auf Mehrpersonen-Freigaben und Cold Storage

Die Deutsche Bank hat am Mittwoch den Start einer Verwahrungslösung für digitale Vermögenswerte angekündigt, die sich an Unternehmen und institutionelle Kunden in Europa richtet. Der Marktstart soll noch in diesem Jahr erfolgen, vorbehaltlich des Abschlusses des regulatorischen Prozesses. Die Bank übernimmt dabei die Verwaltung von Wallets und privaten Schlüsseln, sodass Kunden keine eigene Verwahrinfrastruktur aufbauen müssen.

Was der neue Service leistet

Zum Start unterstützt die Deutsche Bank ausgewählte digitale Vermögenswerte, darunter Bitcoin und Ether sowie Stablecoins beziehungsweise E-Geld-Token wie USDC, EURC und EURAU. Die Bandbreite soll im Zeitverlauf erweitert werden, tokenisierte Finanzinstrumente sind Teil der Produkt-Roadmap. Die Sicherheitsarchitektur umfasst nach Angaben der Bank sichere Schlüsselerzeugung mit hardwarebasiertem Schutz, eine strikte Funktionstrennung, Mehrpersonen-Freigabeprozesse sowie getrennte Warm- und Cold-Storage-Umgebungen. Ein redundanter technischer Aufbau und kontrollierte Backup- und Wiederherstellungsvorkehrungen sollen zusätzlich Ausfallrisiken abfedern. Für einzelne technische Komponenten greift die Bank auf ausgewählte externe Technologie- und Infrastrukturanbieter zurück, ohne diese namentlich zu benennen.

Als anfängliche Zielgruppe nennt die Deutsche Bank Kunden der Unternehmensbank und der Investmentbank, darunter Vermögensverwalter, Hedgefonds, Verwahrstellen, Broker und staatliche Institutionen. Das Onboarding unterliegt eigenen Kriterien, Due-Diligence-Anforderungen und der Risikobereitschaft der Bank. Gerald Podobnik, Co-Head Corporate Bank der Deutschen Bank, erklärt den Anspruch in einer Mitteilung des Geldhauses, "die Stärken des heutigen Finanzsystems, insbesondere Vertrauen, Sicherheit und robuste regulatorische Kontrollmechanismen, in die Welt digitaler Vermögenswerte zu übertragen". Der Service solle sich entsprechend der Kundennachfrage, regulatorischer Anforderungen und der Risikobereitschaft der Bank weiterentwickeln, kündigt er zudem an.

Was bedeutet das für Kryptoanleger?

Für Kryptoanleger ist der Schritt vor allem mit Blick auf die zunehmende Einbindung digitaler Vermögenswerte in das traditionelle Finanzsystem relevant. Die Deutsche Bank richtet ihren neuen Verwahrservice zunächst an institutionelle und Firmenkunden und will unter anderem Bitcoin und Ether unterstützen. Damit erhalten professionelle Marktteilnehmer einen weiteren Zugang zu Verwahrinfrastruktur. Ob daraus tatsächlich eine höhere institutionelle Nachfrage nach Kryptowerten entsteht, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht absehen. Für Privatanleger ändert sich durch den geplanten Service zunächst nichts unmittelbar.

Lange Vorgeschichte bei Deutschlands Branchenprimus

Die Pläne reichen mehrere Jahre zurück: Bereits Ende 2020 hatte die Unternehmensbank der Deutschen Bank entsprechende Absichten angekündigt. Im Juni 2023 folgte ein Antrag für eine Verwahrlizenz für digitale Vermögenswerte bei der BaFin. Im selben Jahr beteiligte sich die Deutsche Bank an einer Finanzierungsrunde des Schweizer Infrastrukturanbieters Taurus. Die Series-B-Runde hatte ein Volumen von insgesamt 65 Millionen US-Dollar.

Mit dem Schritt reiht sich die Deutsche Bank neben europäische Wettbewerber ein, die bereits Dienstleistungen zur Verwahrung digitaler Vermögenswerte anbieten. Dazu zählt unter anderem Standard Chartered. Auch die Commerzbank erhielt 2023 eine Lizenz zur Verwahrung von Kryptowerten. Gemeinsam mit Crypto Finance startete sie 2024 ein entsprechendes Angebot für Firmenkunden.

Die Bank weist ausdrücklich auf wesentliche Risiken digitaler Vermögenswerte hin, darunter Preisvolatilität, Betrug, Cybervorfälle und Ausfälle von Marktteilnehmern. Kryptowerte seien zudem nicht durch ein mit Bankeinlagen vergleichbares Einlagensicherungssystem geschützt, betont die Deutsche Bank.

Deutsche Bank-Aktie mit moderatem Jahresplus

Am Kapitalmarkt zeigt sich die Deutsche Bank-Aktie am Mittwoch freundlich: Die Aktie des deutschen Branchenprimus legt auf XETRA zeitweise 0,67 Prozent auf 33,57 Euro zu. Seit dem Jahresstart liegt das Papier damit rund ein Prozent im Plus und hat damit verglichen zum Gesamtmarkt noch Nachholbedarf.

finanzen.net