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Bitpanda, MiCAR und EU – Anspruch und Realität

source-logo  crypto-news-flash.com 30 Januar 2026 08:11, UTC
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  • Es begann mit großen Erwartungen, als Bitpanda 2022 seine deutsche Lizenz erhielt, und die Stimmung war euphorisch.
  • Während andere Kryptobörsen mit den Behörden stritten oder sich in Offshore‑Zonen zurückzogen, präsentierte sich Bitpanda als europäisch solides Vorzeigeprojekt. Zu Unrecht, wie man nach behördlichen Prüfungen heute vermuten darf.

2023 ordnete die BaFin die erste Sonderprüfung nach §44 Kreditwesengesetz (KWG) bei der Bitpanda Asset Management GmbH an. Solche Prüfungen sind nach einer Lizenzerteilung üblich, doch das Ergebnis fiel miserabel aus. Die Prüfer fanden 16 Mängel, fünf davon schwerwiegend.

Besonders betroffen waren Risikomanagement, IT‑Organisation, Auslagerungskontrollen und die interne Dokumentation – Bereiche, die für ein reguliertes Finanzinstitut essenziell sind. Intern hieß es danach, die IT sei „noch nicht ausreichend entwickelt, um vollständig geprüft zu werden“.

BaFin belässt es bei Feststellung von Bitpanda Verstößen

Ende 2024 schrieb die BaFin der Bitpanda-Geschäftsführung, dass zwar ein Großteil der Mängel behoben sei, die Organisation aber weiterhin nicht den Anforderungen des KWG entspreche. Es war keine Sanktion, aber eine klare Aufforderung, dass nachgebessert werden müsste.

Bitpanda wiederum betonte öffentlich, die Mängel würden bis Anfang 2025 vollständig behoben. Man verwies auf KPMG‑Prüfberichte und die eigene – allerdings selbst zugeschriebene – Rolle als eines der „am strengsten regulierten“ Unternehmen Europas.

Die BaFin bestätigte diese Selbsteinschätzung nicht und schwieg, erteilte aber die deutsche MiCA-Lizenz.

Erweiterte Mängelliste und die Zukunftsfrage

Im Januar 2026 gelangten interne BaFin‑Unterlagen an die Öffentlichkeit. Medienberichte machten die Mängelliste bekannt und rückten Bitpanda Deutschland in ein kritisches Licht.

Gleichzeitig expandierte das Unternehmen in neue Segmente wie klassische Aktien und ETFs, was die Frage aufwarf, wie das möglich sein konnte, angesichts von Mängeln in Kernbereichen, die nach zwei Jahren noch immer vorhanden waren.

Während die Österreichische Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) Bitpanda mit einer umfassenden MiCA‑Lizenz ausstattete, verhedderte sich der deutsche Unternehmensableger trotz eigener Bafin-Lizenz weiter im Regulierungsdschungel.

Inzwischen ist allerdings ein neuer, wenig schmeichelhafter Aspekt bekannt geworden, der nicht nur die Regulierungsbehörden in Deutschland sondern in der gesamten EU betrifft: Die MiCAR können vorerst gar nicht sinnvoll umgesetzt werden, weil wesentliche Durchführungsbestimmungen schlicht untauglich sind oder fehlen – CNF berichtete. Das EU-Vorzeigeprojekt könnte sich deswegen um mehr als ein Jahr verzögern.

Das wiederum wirft die Frage auf: Wer prüft eigentlich die Prüfer?

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