de
Zurück zur Liste

Warum Krypto trotz wachsender Nutzung im Alltag kaum zum Bezahlen genutzt wird

source-logo  de.beincrypto.com 6 S
image

Eine neue Umfrage mit mehr als 5.700 Bitcoin-Haltern zeigt deutlich: Es gibt einen Unterschied zwischen dem, was viele glauben, und dem, wie sie sich bei Krypto wirklich verhalten. Fast 80 Prozent der Befragten möchten, dass Krypto stärker genutzt wird. Trotzdem geben 55 Prozent an, digitale Vermögenswerte selten oder nie für alltägliche Zahlungen zu nutzen.

Die wachsende Lücke zwischen Überzeugung und Nutzung zeigt: Das größte Problem in der Branche ist nicht mehr das Bewusstsein oder die Ideologie. Es liegt jetzt an etwas anderem.

Viele Krypto-Nutzer wollen mehr Akzeptanz, geben aber selten aus – das steckt dahinter

Die GoMining-Umfrage erhielt Antworten von Nutzerinnen und Nutzern aus verschiedenen Regionen. Der größte Anteil kam aus Europa mit 45,7 Prozent, gefolgt von Nordamerika mit 40,1 Prozent.

Unter den Befragten waren sowohl Menschen, die neu in die Krypto-Welt eingestiegen sind, als auch erfahrene Halter mit mehreren Jahren Erfahrung. Sie waren fast gleich stark vertreten.

Diese Verteilung zeigt, dass die Grenzen beim Ausgeben von Krypto nicht auf eine bestimmte Region oder Nutzergruppe beschränkt sind. Die Umfrage ergab: Krypto-Zahlungen sind immer noch eine Nische unter den Nutzerinnen und Nutzern.

Nur zwölf Prozent der Befragten nutzen Krypto für tägliche Zahlungen. Dieser Wert steigt leicht auf 14,5 Prozent bei wöchentlichen und 18,3 Prozent bei monatlichen Zahlungen. Trotzdem sagte die Mehrheit, dass sie Krypto selten oder nie ausgibt.

The Use of Crypto As a Payment Method
Die Nutzung von Krypto als Zahlungsmittel. Quelle: GoMining

Das Ausgabeverhalten zeigt, wo Krypto am besten als Bezahlmöglichkeit funktioniert. Digitale Güter machen mit 47 Prozent den größten Anteil aus, gefolgt von Gaming mit 37,7 Prozent und E-Commerce mit 35,7 Prozent.

Das zeigt, dass Nutzerinnen und Nutzer Krypto bereits aktiv in digitalen Bereichen verwenden, wo die Zahlung einfach unterstützt wird. Außerhalb dieser Bereiche sinkt die Nutzung deutlich.

Die Ergebnisse machen deutlich, dass vor allem die Infrastruktur den Alltag bremst. Zu geringe Akzeptanz durch Händlerinnen und Händler (49,6 Prozent), hohe Gebühren (44,7 Prozent) sowie Kursschwankungen (43,4 Prozent) sind laut Umfrage die Hauptgründe, Krypto nicht zum Bezahlen zu nutzen. Zudem gaben 36,2 Prozent Betrugsrisiken an.

Barriers to Using Bitcoin For Payments
Hindernisse beim Bezahlen mit Bitcoin. Quelle: GoMining

Mark Zalan, CEO von GoMining, sagte zu BeInCrypto, dass Krypto für viele zu kompliziert ist, wenn sie zum Beispiel Ketten auswählen, Gebühren managen, mit Kursschwankungen umgehen oder Fehler rückgängig machen müssen. So bleibt es für die meisten Menschen eher eine Neuheit.

„Für den Alltag ist ‚echter Nutzen‘ erst da, wenn Krypto im Hintergrund verschwindet. Wenn man es überall, wo man eh einkauft, nutzen kann, die Kosten klar und niedrig sind, die Zahlung schnell läuft und man wie gewohnt eine Quittung oder Hilfe bei Problemen bekommt. Damit man Krypto wirklich für Zahlungen nutzt, sollte es so einfach und zuverlässig wie das kontaktlose Bezahlen mit der Karte sein“, sagte er.

Der Geschäftsführer fügte hinzu, dass die Lücke weniger ein „Adoptionsproblem“, sondern eher ein „Alltagsproblem bei Produkten“ ist.

„Man kann Krypto grundsätzlich gut finden und trotzdem weiter Karten oder Banking-Apps nutzen, weil diese überall akzeptiert werden und bequem sind. Unsere Umfrage zeigt genau das: Es gibt Interesse, aber im Alltag nutzt es kaum jemand, weil Akzeptanz fehlt, die Kosten schwanken und die Kursbewegungen verunsichern“, sagte er.

Zalan stellte fest, dass viele Token nicht automatisch im Alltag genutzt werden, weil sie für normale Nutzerinnen und Nutzer oft keinen echten Mehrwert bieten.

Nützliche Anwendungen gibt es vor allem dort, wo Krypto klare Vorteile hat, wie beim grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr, schnellen Abwicklungen oder programmierbaren Zahlungen. Daher konzentriert sich die Branche immer stärker auf Zahlungswege und direkte Einbindungen, anstatt von Nutzern zu erwarten, dass sie viele verschiedene Assets selbst verwalten.

User erwarten mehr Anreize bei Bitcoin-Zahlungen

Die Umfrage untersuchte zudem, was Nutzerinnen und Nutzer überhaupt dazu bringt, Krypto statt klassische Zahlungsmittel zu wählen. Datenschutz und Sicherheit waren für 46,4 Prozent der wichtigste Grund, dicht gefolgt von Belohnungen und Rabatten mit 45,4 Prozent.

Bezogen auf Bitcoin-Zahlungen nannten Nutzerinnen und Nutzer vor allem niedrigere Gebühren als Wunsch (62,6 Prozent). Anreize wie Belohnungen oder Cashback folgten mit 55,2 Prozent, während mehr Möglichkeiten zum Bezahlen mit 51,4 Prozent genannt wurden.

Fast die Hälfte sagt, dass sie bei jeder Zahlung Zinsen oder Belohnungen erwartet. Das zeigt, wie wichtig Anreize mittlerweile für viele geworden sind.

Die Daten deuten auch auf eine größere Veränderung im Bild von Bitcoin hin. Viele bezeichnen sich zwar noch als langfristige Halter, doch das wachsende Interesse an Mining, Produkten mit Erträgen und tokenisiertem Hashrate zeigt: Viele bevorzugen Bitcoin, der aktiv Erträge bringt, statt einfach nur in der Wallet zu liegen.

Zahlungen sind in diesem Zusammenhang immer öfter eine Möglichkeit, ihre Bestände zu erhöhen. Zalan sagte, dass Anreize ein festes Element bei Zahlungen sind.

Er erklärte, dass auch klassische Bezahlsysteme auf Anreize setzen. Sie bieten Nutzerinnen und Nutzern Belohnungen, Issuern Vorteile und Händlerinnen und Händlern planbare Zahlungen.

„Zu glauben, Krypto-Zahlungen wachsen ohne ähnliche Anreize, die den Wechsel attraktiv machen, ist unrealistisch. Anreize zeigen, wo es noch hakt: Wäre die Nutzung schon günstiger, schneller und überall möglich, wären Anreize weniger wichtig. Im Moment gleichen Prämien die Wechselkosten aus und helfen, Gewohnheiten zu ändern, während das Krypto-Ökosystem die Lücke bei Akzeptanz, Rückzahlungen und einfachen Kaufabläufen schließt“, sagte der CEO.

Bitcoin als Zahlungsmittel und Wertaufbewahrung – geht beides?

Befragte gaben außerdem an, wofür sie Bitcoin in Zukunft nutzen würden. Ganz vorne liegen alltägliche Ausgaben mit 69,4 Prozent. Danach folgen Gaming und digitale Unterhaltung mit 47,3 Prozent sowie teure oder Luxusgüter mit 42,9 Prozent.

Aus Sicht der Nutzer ist Bitcoin nicht nur auf bestimmte Nischen beschränkt. Immer mehr Menschen sehen Bitcoin als echte Möglichkeit für das tägliche Bezahlen. Allerdings stellt sich dabei eine wichtige Frage: Wenn Bitcoin sich als alltägliches Zahlungsmittel durchsetzt, stärkt das dann die Rolle als Wertaufbewahrungsmittel oder schwächt es diese Vorstellung?

Zalan meint, dass ein breiterer Zahlungsnutzen letztlich Bitcoins Rolle als Wertaufbewahrungsmittel stärkt. Er sagte, der Status als Wertaufbewahrung ist am Ende ein Ergebnis von Gemeinschaft und Markt.

Dies entsteht durch Liquidität, zuverlässige Abwicklung und den Grad, zu dem ein Vermögenswert in die reale Finanzwelt eingebunden ist. Laut Zalan gilt:

„Je öfter Bitcoin genutzt werden kann (auch über Ebenen wie Lightning oder Karten), desto mehr verhält sich Bitcoin wie ein dauerhaftes Geldmittel mit stabiler Nachfrage und einer passenden Infrastruktur drumherum.”

Er betonte, dass die Sorge vor einer „Verwässerung“ oft das Ausgeben mit einem Verlust an Überzeugung verwechselt. In ausgereiften Finanzsystemen schließen sich Langzeithalten und tägliche Nutzung nicht aus, wenn die Infrastruktur reibungslos funktioniert.

Mit Blick auf das Jahr 2026 sieht Zalan ein realistisches Ergebnis: Bitcoin dient als Reserve und Anker für Abwicklungen, während benutzerfreundliche Zahlungsebenen das Bezahlen übernehmen. Dadurch können Nutzer bezahlen, ohne an Blöcke, Gebühren oder die Zeit denken zu müssen.

de.beincrypto.com