- Coinbase-CEO Armstrong erwartet Krypto-Regulierungsklarheit so oder so
- Senat stimmt am 15. September über CLARITY Act per Cloture-Votum ab
- SEC und CFTC bereiten eigene Marktstruktur-Regeln als Rückfalloption vor
Coinbase-Chef Brian Armstrong sieht die US-Kryptobranche unabhängig vom Ausgang der Senatsabstimmung über den CLARITY Act auf dem Weg zu klareren Regeln. In einem Interview mit CNBC sagte Armstrong, Klarheit komme so oder so am 15. oder ein bis zwei Tage danach. Sollte das Gesetz scheitern, stünden bereits Aufsichtsregeln der SEC und die CFTC als Rückfalloption bereit.
Cloture-Votum mit hoher Hürde
Der Senat stimmt am 15. September über die Fortsetzung der Beratungen zum Digital Asset Market CLARITY Act ab. Für dieses sogenannte Cloture-Votum sind 60 Stimmen nötig, ein rein prozeduraler Schritt vor der eigentlichen Verabschiedung. Die Republikaner stellen 53 Sitze, mindestens sieben Demokraten müssten also zustimmen. Das Repräsentantenhaus hatte eine Vorgängerversion bereits im Juli 2025 verabschiedet, der Bankenausschuss des Senats brachte im Mai dieses Jahres eine eigene Fassung auf den Weg. Armstrong bezeichnete das Gesetz als "bereit für ein Ja" und verwies auf Unterstützung aus Strafverfolgungsbehörden, verschiedener Banken und der Kryptobranche.
SEC und CFTC als Rückfallebene
Offen ist noch die Ethik-Klausel zu Kryptobeständen von Amtsträgern: Das Weiße Haus hat nach Armstrongs Darstellung ein Angebot vorgelegt, Demokraten fordern zusätzliche Auflagen wie eine Veräußerungspflicht. Scheitert das Gesetz dennoch, kündigte CFTC bereits eigene Marktstruktur-Regeln an. Solche Behördenregeln lassen sich schneller erlassen als ein Gesetz, sind aber durch eine künftige Regierung leichter wieder aufhebbar als eine Kongressentscheidung.
Banken sind gespalten
Nicht die gesamte Finanzbranche steht geschlossen hinter dem Vorhaben. Goldman Sachs und die Bank of New York Mellon zählen laut Armstrong zu den Befürwortern, ebenso Fidelity. Kritik kommt dagegen von JPMorgan-Chef Jamie Dimon, der dem Gesetz einen regulatorischen Vorteil für Coinbase gegenüber klassischen Banken vorwirft. Armstrong wies das zurück und ordnete solche Einwände Häusern mit großem Zahlungsverkehrsgeschäft zu, die "ihr eigenes Buch verteidigen" würden.
Was das für Krypto-Anleger bedeutet
Für Krypto-Anleger verschiebt sich damit die eigentliche Frage: nicht mehr, ob überhaupt Regulierung kommt, sondern welche Qualität sie hat. Ein Gesetz bindet auch künftige Regierungen, Behördenregeln lassen sich per Verwaltungsakt wieder ändern. Armstrong verglich die mögliche Wirkung mit dem GENIUS Act zu Stablecoins, nach dessen Verabschiedung mehr als 150 Großunternehmen innerhalb von drei Monaten Stablecoins in ihre Angebote integrierten. Er bezeichnete eine Verabschiedung des CLARITY Act als eine Art regulatorischen Haken auf der Checkliste, der institutionellem Kapital sowie tokenisierten Aktien und Terminkontrakten den Weg in die USA ebnen könnte. Zur Einordnung: Armstrong ist als Coinbase-Chef eine unmittelbar interessierte Partei, die von mehr regulatorischer Sicherheit im eigenen Kerngeschäft direkt profitiert.
Der 15. September fällt zudem mit der Sitzung der US-Notenbank zusammen, die an diesem und dem folgenden Tag über die Zinsen entscheidet. Für Bitcoin und andere Kryptowerte treffen damit zwei potenzielle Kurstreiber auf ein enges Zeitfenster von 48 Stunden.
Als nächster konkreter Termin steht damit der 15. September mit dem Cloture-Votum im Kalender. Ob die nötigen 60 Stimmen zusammenkommen, dürfte sich noch am selben Tag oder kurz danach zeigen.