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Tether: Brüssel schärft Regulierungspläne

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Ein Regelwerk, das erst seit wenigen Tagen vollständig in Kraft ist, steht schon wieder zur Disposition. Die Europäische Union bereitet eine Überarbeitung ihrer Krypto-Verordnung MiCA vor — mit Tether als einem der zentralen Adressaten. Grund ist die wachsende Sorge europäischer Regulierer vor einer Flut dollarbasierter Stablecoins auf dem heimischen Markt.

MiCA bekommt eine Lücke zu schließen

Die Verordnung MiCA trat am 1. Juli vollständig in Kraft, regelt aber bislang nicht explizit, wie Emittenten außerhalb der EU zu behandeln sind, wenn ihre Token in Europa im Umlauf sind. Genau diese Lücke will die EU-Kommission nun schließen. Diplomaten sprechen von einer Neuauflage, die kaum zu vermeiden sei — der Druck komme vor allem von der Europäischen Zentralbank.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnt seit Monaten, dollarbasierte Stablecoins könnten Bankeinlagen abziehen und die geldpolitische Souveränität des Euroraums untergraben. Die Notenbank hat bereits im März eine eigene Zahlungsstrategie mit den Projekten Pontes und Appia vorgestellt, um DLT-basierte Transaktionen in Zentralbankgeld abzuwickeln.

Befeuert wird die Debatte durch die US-Politik. Mit dem GENIUS Act hat Washington im vergangenen Jahr einen föderalen Rahmen für dollarbesicherte Stablecoins geschaffen, den Präsident Trump aktiv als Mittel zur Ausweitung der globalen Dollar-Reichweite bewirbt. Rund 97 Prozent aller Stablecoins weltweit hängen am Dollar. Das Gesamtvolumen der Branche wuchs 2025 um mehr als 50 Prozent und erreichte bis April rund 317 Milliarden Dollar.

Erste Auswirkungen der neuen Regeln sind bereits sichtbar: Die Handelsplattform Revolut hat $USDT von Tether aus ihrem Angebot genommen, während lizenzierte Emittenten wie Circle davon profitieren.

Tether selbst bleibt strukturell unverändert

Am Geschäftsmodell von Tether ändert das vorerst nichts. Der 2015 gestartete $USDT ist weiterhin an den Dollar gekoppelt und behauptet sich als drittgrößte Kryptowährung überhaupt. Emittent Tether Limited mit Sitz in Hongkong und einem zweiten Standort in Santa Monica gibt den Coin über die Ethereum-Blockchain sowie das hauseigene Omni-Protokoll aus, geführt von CEO Jean Louis van der Velde und CFO Giancarlo Devasini. Für neue Reserven muss das Unternehmen seinen Dollar- beziehungsweise Euro-Bestand entsprechend aufstocken — nur so bleibt die Bindung an den Realwert stabil.

Die EU-Kommission sammelt bis zum 30. September Rückmeldungen von Marktteilnehmern, bevor sie über eine formelle Öffnung der MiCA-Verordnung entscheidet. Konkrete Revisionen sind frühestens für 2027 zu erwarten. Bis dahin dürfte der Standortstreit zwischen dollarbasierten Stablecoins und europäischen Alternativen weiter an Schärfe gewinnen.

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