Die Schweizerische Bankiervereinigung (Swiss Banking) hat den Bankenbarometer 2026 veröffentlicht, ihre jährliche Bilanz über den Zustand des Schweizer Finanzplatzes. Zusammen mit dem ebenfalls neuen Swiss Banking Outlook 2026 zeichnet der Bericht ein Bild, das auf den ersten Blick wenig mit Bitcoin zu tun hat. Wer aber verstehen will, warum das Zinsumfeld in der Schweiz seit Jahren bei null verharrt und warum Banken trotzdem Rekordgewinne einfahren, findet hier die Antworten. Und genau dieses Umfeld ist die Bühne, auf der sich Bitcoin als Alternative behaupten muss.
Ein Rekordjahr trotz zäher Wirtschaft
2025 war für die Schweizer Banken finanziell ein Spitzenjahr. Der gesamte Geschäftserfolg aller Banken im Land stieg um 5,8 Prozent auf 73,8 Milliarden Franken, der höchste je gemessene Wert. Der Jahresgewinn legte sogar um 16,3 Prozent zu und erreichte 20,6 Milliarden Franken. Auch die verwalteten Vermögen kletterten auf ein Allzeithoch: 9729 Milliarden Franken lagen Ende 2025 in Schweizer Bankdepots, im ersten Halbjahr 2026 wurde mit 10 119,5 Milliarden Franken erstmals die Marke von 10 Billionen überschritten.
Bemerkenswert ist, woher dieses Wachstum kommt. Nicht das klassische Zinsgeschäft trieb die Gewinne, sondern das Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft, also Gebühren aus Vermögensverwaltung, Handel und Beratung. Das deutet auf eine reges Handelsaktivität an den Finanzmärkten hin und zeigt, dass sich die grossen Schweizer Banken zunehmend als Vermögensverwalter statt als klassische Kreditgeber positionieren.
Die reale Wirtschaft der Schweiz wuchs 2025 dagegen nur um 1,5 Prozent, unter dem langjährigen Durchschnitt. Für 2026 rechnen die vom Swiss Banking Outlook befragten Chefökonomen sogar nur mit 1,0 Prozent Wachstum, bevor sich die Konjunktur 2027 auf 1,4 Prozent beschleunigen soll. Der Finanzsektor boomt also spürbar stärker als die übrige Wirtschaft.
Warum die Nullzinsen bleiben
Die Schweizerische Nationalbank hält ihren Leitzins weiterhin bei null Prozent. Die Inflation lag 2025 im Schnitt bei mickrigen 0,2 Prozent, für 2026 und 2027 rechnet die SNB mit je 0,5 Prozent. Damit bleibt die Schweiz eines der wenigen Länder mit einem Nullzinsumfeld, während die EZB ihre Zinsen im Juni 2026 erhöht hat und die US-Notenbank Fed ihr Zielband bei 3,5 bis 3,75 Prozent hält.
Für Sparerinnen und Sparer bedeutet das: Geld auf dem Konto bringt praktisch keinen Ertrag, und die Kaufkraft von Bargeld und Kontoguthaben bleibt real bestenfalls stabil. Für die Banken selbst ist die Lage zwiespältig. Tiefe Zinsen erleichtern zwar Kredite und stützen die Konjunktur, drücken aber gleichzeitig die Zinsmarge, also den Gewinn aus der Differenz zwischen Kredit- und Einlagenzinsen. Genau deshalb mussten die Banken ihr Geld zuletzt vor allem im Gebühren- statt im Zinsgeschäft verdienen.
Wer sich mit Bitcoin beschäftigt, kennt dieses Argument gut: Ein Vermögenswert mit fest programmiertem, begrenztem Angebot verhält sich fundamental anders als eine Währung, deren Zins von einer Zentralbank auf null gesetzt wird. Der Bankenbarometer liefert damit unfreiwillig ein aktuelles Datenblatt für die Diskussion um Geldpolitik und Kaufkraft, die viele Bitcoin-Nutzer ohnehin täglich führen.
Hypotheken und Risiken: Wo es eng werden könnte
Der Bericht warnt auch vor Risiken für die Finanzstabilität. Die Verschuldung über Hypotheken bleibt in der Schweiz hoch, sie machen mit 39,6 Prozent den grössten Posten in den Bankbilanzen aus. Besonders bei Renditeliegenschaften, also vermieteten Immobilien, sehen die Autoren weiterhin Verwundbarkeiten. Zusätzlich wächst die Bedeutung von nichtbanklichen Finanzakteuren und privaten Kreditmärkten, also Geldflüssen ausserhalb des klassischen, regulierten Bankensystems. Das kann laut Bankenbarometer eine plötzliche Verschärfung der Finanzierungsbedingungen verstärken und auf die Banken übertragen.
Gleichzeitig gilt der Schweizer Bankensektor dank solider Kapital- und Liquiditätspuffer als grundsätzlich robust. Im Zentrum der politischen Debatte steht derzeit das bundesrätliche Massnahmenpaket «Bankenstabilität», eine regulatorische Antwort auf die Grossbanken-Krise der vergangenen Jahre. Die Bankiervereinigung mahnt hier zur Balance: Strengere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften sollen das System sicherer machen, ohne die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Banken zu gefährden.
Weniger Jobs bei den Grossbanken
Nicht alle Zahlen im Bankenbarometer sind positiv. Ende 2025 beschäftigten die Schweizer Banken im Inland 92 002 Personen in Vollzeitstellen, 2345 weniger als im Vorjahr. Der Stellenabbau geht praktisch vollständig auf das Konto der Grossbanken, während alle anderen Bankengruppen sogar zusätzliche Stellen schufen. In der ersten Jahreshälfte 2026 setzte sich der Rückgang mit minus 2,4 Prozent fort, diesmal stärker im Ausland als im Inland. Für den weiteren Jahresverlauf rechnet allerdings eine Mehrheit der befragten Banken mit stabilen oder sogar steigenden Personalbeständen.
Das Wichtigste in Kürze
Der Bankenbarometer 2026 zeigt ein Schweizer Bankensystem, das trotz schwacher Konjunktur, geopolitischer Unsicherheit und dauerhaften Nullzinsen Rekordgewinne und Rekordvermögen verwaltet. Möglich macht das vor allem das Gebühren- und Vermögensverwaltungsgeschäft, während das klassische Zinsgeschäft kaum noch etwas abwirft. Gleichzeitig bleiben Risiken bestehen, hohe Hypothekarschulden, ein wachsender Schattenbankensektor und ein Stellenabbau bei den Grossbanken.
Für Menschen, die sich mit Bitcoin beschäftigen, liefert der Bericht vor allem eines: eine amtliche Bestätigung, dass das tiefe Zinsumfeld in der Schweiz kein vorübergehendes Phänomen ist, sondern strukturell verankert bleibt. Wer nach Alternativen zum klassischen, verzinslosen Bankkonto sucht, wird dieses Umfeld genau im Auge behalten.
Quelle: Schweizerische Bankiervereinigung (Swiss Banking), Bankenbarometer 2026 und Swiss Banking Outlook 2026
bitcoinnews.ch