Rekordjagd mit Warnsignal
Der S&P 500 schloss am 12. August auf einem neuen Allzeithoch. Rückenwind lieferten schwache Konjunkturdaten: Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juli um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat und um 3,4 Prozent auf Jahresbasis, die Kerninflation lag bei 2,5 Prozent jährlich. Zusammen mit einem schwachen Jobsbericht sanken die Markterwartungen auf eine Fed-Zinserhöhung im September auf rund 40 Prozent. Lee kommentierte gegenüber CNBC: „Ich denke, die Rally ist sehr gesund und verläuft gemäß unserer Erwartung, dass wir bis Ende des Monats 7.900 bis 8.000 erreichen könnten.“
Die fundamentale Grundlage liefert die Gewinndynamik. Lee zufolge sind die Schätzungen für das Jahr 2027 von rund 395 US-Dollar zu Beginn der Berichtssaison auf etwa 410 US-Dollar gestiegen. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 20 auf Basis von 425 US-Dollar würde auf rund 9.000 Punkte deuten. Genau diese Stärke bereitet ihm jedoch Sorgen: „Das Erreichen von 8.000 Ende August wird uns in eine Phase führen, in der Aktien enttäuschen könnten, auch wenn die fundamentalen Daten gut bleiben.“
Vier Risikofaktoren im Blick
Lee benennt vier konkrete Gefahrenquellen. An erster Stelle steht die Margin-Verschuldung. Daten der Finanzaufsichtsbehörde FINRA zeigen, dass die Margin-Schulden im Juni mit 1,53 Billionen US-Dollar einen Rekordstand erreichten, ein Plus von 7,9 Prozent gegenüber dem Vormonat und 51,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Als zweites Risiko gilt die Unsicherheit rund um den neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und dessen Inflationsrahmen, den der Anleihemarkt noch nicht vollständig eingepreist hat. Drittens nennt Lee die bevorstehenden Midterm-Wahlen im November. Viertens verweist er auf das gestaffelte Ablaufen von Sperrfristen bei SpaceX-Insiderbeständen, das kontinuierlich Aktien auf den Markt bringt. Lee bezeichnet diese vier Faktoren ausdrücklich als Fallen, nicht als Verkaufssignale.
Stephanie Guild von Robinhood teilt Lees Vorsicht teilweise: Einfache Kreditbedingungen würden sich während einer Rally wieder aufbauen und so den nächsten scharfen Rücksetzer vorbereiten, auch wenn die Fundamentaldaten stabil blieben. Courtney Garcia von Payne Capital sieht das anders: Gewinne rechtfertigten die aktuellen Kursniveaus, Sorgen über KI-Investitionsausgaben hätten sich mit den Quartalsergebnissen weitgehend aufgelöst.
Bitcoin als Vorläufer
Während Aktien Rekorde feiern, notiert Bitcoin bei rund 63.062 US-Dollar und liegt damit deutlich unter seinem eigenen Höchststand. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf etwa 1,27 Billionen US-Dollar. Der Hebel-Abbau, den Lee für den Aktienmarkt noch erwartet, hat den Kryptomarkt nach seiner eigenen Einschätzung bereits durchlaufen. Lee hatte zuvor argumentiert, Krypto habe eine verborgene Baisse durchlebt, die kaum jemand als solche benannt habe, und Short-Positionen hätten zwischenzeitlich typische Bodenmarken erreicht.
Lees Gesamtthese: Zweifel als Treibstoff
Lee sieht institutionelle Zurückhaltung und hohe Cash-Bestände an der Seitenlinie als Argument für die Fortsetzung des Bullenmarkts. „Ich glaube, es gibt Menschen, die das Ende des Bullenmarkts im Blick behalten, und ich denke, das ist es, was ihn gesund hält“, sagte er. Lee ist zudem Vorsitzender von BitMine Immersion Technologies, einem Unternehmen, das Ethereum als zentrales Treasury-Asset hält, und zählt Ethereum zu den Führungskandidaten der nächsten Aufwärtsbewegung. Die entscheidende Frage für Krypto bleibt: Fällt ein bereits stark korrigiertes Asset bei einem Aktienrücksetzer weiter mit, oder gelingt endlich die Entkopplung?
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