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Deutsche Bundesbank nutzt Ethereum als Verifikationsschicht in neuem Projekt

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Die Deutsche Bundesbank wird eine Blockchain-Infrastruktur mit beschränktem Teilnehmerkreis und abgestuften Zugriffsrechten aufbauen, die unter anderem auf Ethereum als Verifikationsschicht setzt. Dies gab Matter Labs vor wenigen Stunden öffentlich bekannt.

Der Code einer zentralen Prividium-Komponente wurde erstmals als Open Source veröffentlicht, und die Bundesbank ist der erste große Testpartner.

Die Bundesbank testet Prividium

Matter Labs veröffentlicht dafür seine sogenannte Permissioning Engine als Open Source. Diese Komponente entscheidet, wer an einer Prividium-Chain teilnehmen darf und welche Rechte ein Teilnehmer erhält.

Die Rollen sind hierbei klar definiert: Die Bundesbank ist die zentrale Betreiberin der Infrastruktur. Sie entscheidet damit in erster Instanz, wer Zugang zur privaten Blockchain erhält und welche Aktionen zugelassene Teilnehmer ausführen dürfen.

Denkbar wäre beispielsweise, dass eine Geschäftsbank Transaktionen ausführen darf, während ein Prüfer lediglich bestimmte Informationen einsehen kann. Welche Institutionen tatsächlich am aktuellen Bundesbank-Test teilnehmen, wurde nicht veröffentlicht.

Prividium stellt die technische Umgebung für diese Prozesse bereit. Wird innerhalb der Chain beispielsweise ein Token übertragen oder ein Smart Contract ausgeführt, geschieht das zunächst in der von der Bundesbank kontrollierten Infrastruktur.

Die dazugehörigen Smart-Contract- und Token-Daten verbleiben nach Angaben von Matter Labs dort. Anders als bei einer normalen Transaktion auf einer öffentlichen Blockchain müssen die vollständigen Finanzdaten damit nicht öffentlich einsehbar sein.

Die Permissioning Engine übernimmt dabei gewissermaßen die Zugangskontrolle. Matter Labs liefert die Software, die Bundesbank betreibt sie jedoch selbst und kann den veröffentlichten Code prüfen oder verändern.

Die folgende Tabelle zeigt mögliche Use Cases des Pilotprojektes auf (nach der Tabelle geht der Artikel weiter).

Möglichkeit Beispiel bei der Bundesbank
Private Blockchain betreiben Bundesbank betreibt Nodes, Sequencer, Prover und Datenbank selbst
Teilnehmer kontrollieren Nur Bundesbank, ausgewählte Geschäftsbanken oder andere Institutionen dürfen teilnehmen
Token herausgeben z. B. Test-Token für Zentralbankgeld, Wertpapiere oder Sicherheiten
Smart Contracts einsetzen Zahlungen oder Wertpapierabwicklung automatisch ausführen
Rechte vergeben Bank A darf handeln, Prüfer darf nur lesen, Administrator darf Systeme verändern
Daten geheim halten Transaktionsdetails bleiben innerhalb der Bundesbank-Infrastruktur
Daten selektiv offenlegen Bestimmte Informationen können etwa Prüfern oder Aufsichtsbehörden gezeigt werden
Blockchain-Beweise verwenden Kryptografische Beweise können auf Ethereum verankert werden, ohne die privaten Transaktionsdaten offenzulegen

Darüber hinaus erklären wir ein konkretes Beispiel aus der Praxis. Die Bundesbank möchte testen, wie eine tokenisierte Abwicklung zwischen Banken funktionieren könnte.

Die Bundesbank könnte Bank A und Bank B Zugang zu ihrer Prividium-Chain geben. Bank A besitzt beispielsweise 10 Mio. € tokenisiertes Zentralbankgeld, und Bank B hält tokenisierte Bundesanleihen. Ein Smart Contract könnte dann gleichzeitig:

10 Mio. € von A → B

und

Bundesanleihe von B → A

übertragen.

Das Interessante daran wäre: Zahlung und Wertpapier könnten atomar abgewickelt werden. Entweder finden beide Transfers statt oder keiner. Dadurch ließe sich beispielsweise ein Delivery-versus-Payment-System technisch abbilden.

Sensible Informationen könnten nur von Institutionen eingesehen werden, die von der Deutschen Bundesbank ausdrücklich eine Genehmigung dafür erhalten haben.

Bank A kaufte gerade Bundesanleihen für 10 Mio. € von Bank B.

Solche Informationen könnten innerhalb der kontrollierten Infrastruktur verbleiben. Die Prividium-Dokumentation nennt Trading, Settlement und Asset Issuance ausdrücklich als institutionelle Einsatzgebiete.

Für die Bundesbank besonders interessant: programmierbares Zentralbankgeld wie der digitale Euro

Technisch könnte die Bundesbank damit auch Versuche durchführen, bei denen digitales Zentralbankgeld beziehungsweise Wholesale Central Bank Money als Token dargestellt wird.

Dann könnte beispielsweise ein Smart Contract festlegen:

Geschäftsbank → Wertpapierkauf → Zahlung in Zentralbankgeld → automatische Abwicklung

anstatt mehrere Datenbanken, Clearingstellen und Abstimmungsschritte miteinander synchronisieren zu müssen. Das heißt allerdings nicht, dass die Bundesbank damit jetzt einen digitalen Euro auf ZKsync herausgibt.

Zunächst geht es darum, die technische Infrastruktur und mögliche Anwendungen unter kontrollierten Bedingungen zu testen.

Dabei stellt sich eine zentrale Frage: Wenn die Transaktionen innerhalb der privaten Bundesbank-Infrastruktur bleiben, wofür wird Ethereum überhaupt benötigt?

Bundesbank führt die Transaktionen aus, Ethereum dient als Verifikationsschicht

Matter Labs stellt mit Prividium die technische Grundlage bereit. Dazu gehören die private Blockchain, das Berechtigungssystem sowie die Komponenten, die Transaktionen verarbeiten und anschließend kryptografisch absichern.

Betrieben wird diese Infrastruktur jedoch von der Bundesbank selbst.

Eine Transaktion zwischen zwei zugelassenen Banken würde deshalb zunächst innerhalb der Prividium-Chain der Bundesbank verarbeitet. Dort wird beispielsweise festgehalten, dass Bank A einen bestimmten Token an Bank B übertragen hat. Auch die neuen Kontostände und Besitzverhältnisse werden dort berechnet.

Diese Informationen müssen nicht vollständig auf Ethereum veröffentlicht werden.

Stattdessen wird nach der Verarbeitung eine Art kryptografische Zusammenfassung des neuen Zustands erzeugt. Dieser sogenannte State Root lässt sich vereinfacht als digitaler Fingerabdruck des gesamten Zustands der Blockchain zu diesem Zeitpunkt verstehen.

Zusätzlich kann ein Zero-Knowledge-Proof erstellt werden. Dieser Beweis bestätigt mathematisch, dass die Transaktionen korrekt verarbeitet wurden und der neue Zustand nach den Regeln der Chain entstanden ist.

Genau hier kommt Ethereum ins Spiel.

Ethereum muss dafür nicht erfahren, dass beispielsweise Bank A Bundesanleihen im Wert von 10 Millionen Euro von Bank B gekauft hat. Die öffentliche Blockchain erhält lediglich den kryptografischen Nachweis und kann überprüfen, ob dieser gültig ist.

Die Aufgaben sind damit klar getrennt:

Prividium bei der Bundesbank verarbeitet die eigentlichen Transaktionen und hält die vertraulichen Daten. Ethereum dient im Hintergrund als Verifikationsschicht, über die das Ergebnis kryptografisch überprüft und abgesichert werden kann.

Damit kann eine Institution die Vorteile einer privaten Finanzinfrastruktur mit einer öffentlichen Blockchain als zusätzlicher Verifikationsschicht verbinden, ohne sensible Bankdaten offenlegen zu müssen.

Alex Gluchowski, seines Zeichens CEO von Matter Labs, führt dazu aus:

“Finanzinstitute sollten sich nicht zwischen der Einführung neuer Infrastruktur und der Kontrolle darüber entscheiden müssen. Mit der Veröffentlichung der Prividium-Permissioning-Engine als Open Source kann ein Institut eine permissioned Blockchain auf Basis öffentlich zugänglichen Codes in der eigenen Umgebung betreiben.

Der Code kann geprüft und angepasst werden, zugleich lässt sich die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern reduzieren – während die Abwicklung auf einer gemeinsamen, glaubwürdig neutralen Infrastruktur erfolgt.

Die Deutsche Bundesbank ist die erste Institution, die die Plattform auf diese Weise einsetzt. Wir freuen uns, gemeinsam mit ihr an der Ausgestaltung und Erprobung der Plattform zu arbeiten.”

Today we announce that Prividium's core, the permissioning engine that governs roles and access, is now open source.

Run a permissioned chain from public code, in your own environment.

The Bundesbank, Germany’s national central bank, is the first to deploy it self-hosted 🇩🇪 pic.twitter.com/Z420p3GS8W

— ZKsync (@zksync) September 8, 2026

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