Ethereum könnte nach dem geplanten Glamsterdam-Upgrade deutlich mehr Transaktionen direkt auf Layer 1 verarbeiten. Das würde eine Debatte neu öffnen, die lange von Rollups dominiert wurde: Wie viel Kapazität soll eigentlich auf der Hauptkette liegen?
Mehr Platz auf Layer 1
Der Ethereum-Analyst Hasu verweist darauf, dass das Gaslimit nach Glamsterdam stark steigen könnte. Statt derzeit rund 60 Millionen Gas pro Block läge die Zielgröße dann bei etwa 200 Millionen. Das entspräche einer Erhöhung der L1-Ausführungskapazität um mehr als das Dreifache.
Nach seiner Einschätzung könnte diese Kapazität kurz darauf noch einmal verdoppelt werden. Für Nutzer wäre die naheliegende Folge zunächst simpel: mehr Blockspace, weniger unmittelbarer Druck auf Gebühren.
Hasu argumentiert, dass Ethereum-Mainnet-Gebühren in den kommenden Jahren nahe null bleiben könnten, sofern die Nachfrage nicht in gleichem Maß explodiert. Genau dort liegt der wichtige Vorbehalt. Niedrige Gebühren sind nicht nur eine technische Frage, sondern hängen immer auch davon ab, wie stark Anwendungen, Stablecoin-Transfers, DeFi und institutionelle Nutzung tatsächlich wachsen.
Rollups bekommen mehr Konkurrenz von L1
Eine höhere L1-Kapazität verändert auch die Rolle von Layer-2-Netzwerken. Ethereum hatte sich in den vergangenen Jahren stark auf Rollups als Skalierungsweg gestützt. Günstiger Blockspace auf Mainnet könnte bestimmte einfache Transaktionen wieder attraktiver auf L1 machen.
Das bedeutet nicht automatisch einen Bruch mit der Rollup-Roadmap. Rollups bleiben wichtig für hohe Durchsätze, spezifische Anwendungen und eigene Ausführungsumgebungen. Aber das Verhältnis verschiebt sich etwas. Wenn Ethereum selbst deutlich günstiger wird, müssen Layer-2-Anbieter stärker über Geschwindigkeit, Nutzererlebnis, App-Ökosysteme und zusätzliche Funktionen überzeugen.
Für ETH-Investoren ist die Frage ebenfalls zweischneidig. Niedrige Gebühren sind gut für Nutzung, aber sie können die Gebührenerlöse und damit den Burn-Mechanismus dämpfen. Glamsterdam könnte Ethereum also technisch mehr Luft verschaffen, während die ökonomischen Folgen erst im Zusammenspiel mit echter Nachfrage sichtbar werden.