Eine neue Allianz aus europäischen und südkoreanischen Banken will grenzüberschreitende Devisengeschäfte mit Stablecoins in Echtzeit abwickeln. Mit dabei: Chainlink als technologisches Rückgrat des Projekts.
Worum geht es?
Chainlink hat sich mit einer Gruppe von Banken zusammengetan, die zusammen für mehr als 10 Billionen US-Dollar an verwaltetem Vermögen stehen. Ziel der Initiative mit dem Namen Project Pangea ist es, Devisengeschäfte zwischen Europa und Südkorea innerhalb der nächsten zwölf Monate nahezu in Echtzeit abzuwickeln – gestützt auf regulierte, an den Euro und den südkoreanischen Won gekoppelte Stablecoins.
An Bord sind neben Chainlink:
- Qivalis – ein Konsortium von 37 europäischen Banken rund um einen Euro-Stablecoin
- UniKA (Unified Korea Alliance) – ein südkoreanisches Bankenbündnis mit einem Lenkungsausschuss aus fünf Instituten (Shinhan Bank, JB Bank, Kbank, FairSquareLab und OBDIA) sowie über zehn weiteren koreanischen Geschäftsbanken
- FairSquareLab – ein Infrastrukturanbieter im koreanischen Krypto-Ökosystem, der die technische Abwicklungsschicht beisteuert
Vom T+2- zum T+0-Settlement
Im klassischen Devisenhandel dauert die endgültige Abwicklung einer Transaktion häufig zwei Geschäftstage (T+2). Project Pangea will diesen Prozess auf nahezu sofortige Abwicklung (T+0) verkürzen. Dafür sollen Euro- und Won-Stablecoins über sogenannte atomare Payment-versus-Payment-Transaktionen (PvP) getauscht werden: Beide Seiten eines Devisengeschäfts werden gleichzeitig abgewickelt – oder gar nicht. Das soll das Gegenpartei- und Abwicklungsrisiko deutlich reduzieren.
Niki Ariyasinghe, bei Chainlink für die Region Asien-Pazifik und Naher Osten verantwortlich, machte in einem Interview deutlich, dass es sich nicht um ein reines Testprojekt handelt. Laut seinen Worten sind alle Beteiligten mit dem klaren Ziel angetreten, innerhalb eines regulatorisch konformen Rahmens binnen zwölf Monaten echte Transaktionen live zu schalten.
Ein Handelskorridor mit 150 Milliarden Dollar Volumen
Im Fokus steht zunächst der Handelskorridor zwischen Europa und Südkorea – einer der 15 grössten weltweit, mit einem jährlichen Warenaustausch von über 150 Milliarden US-Dollar. Das Timing ist kein Zufall: Branchendaten zeigen, dass rund 60 Prozent aller globalen Stablecoin-Zahlungen bereits heute in Asien stattfinden. Ariyasinghe sieht darin ein klares Signal für echte Nachfrage, gerade in Märkten, in denen die traditionelle Finanzinfrastruktur mit dem Bedarf nicht Schritt halten kann.
Keine neue Blockchain-Insel, sondern eine Brücke zu Swift
Project Pangea verzichtet bewusst darauf, Banken zu einer Aufgabe ihrer bestehenden IT-Systeme zu zwingen. Stattdessen funktioniert die Lösung wie ein Übersetzer: Banken lösen Transaktionen weiterhin über Swift und den ISO-20022-Standard aus, wie sie es seit Jahrzehnten gewohnt sind. Chainlink übersetzt diese Anweisungen anschliessend in atomare Swaps auf einer eigens dafür geschaffenen, neutralen Blockchain – dem Pangea L1 Network von FairSquareLab.
Technisch stützt sich das Projekt auf mehrere Chainlink-Bausteine:
- Cross-Chain Interoperability Protocol (CCIP): überträgt Euro-Stablecoins sicher von ihrer Heimat-Chain auf die Abwicklungs-Chain für Won-Stablecoins und verhindert so eine Fragmentierung der Liquidität.
- Data Streams: liefert in Echtzeit Devisenmarktdaten an die Preisbildungs-Engine, damit Onchain-Kurse stets mit den globalen Märkten synchron bleiben.
- Chainlink Runtime Environment (CRE): bildet die Orchestrierungsschicht zwischen Swift-Nachrichten und Blockchain – die eigentliche Brücke zwischen alter und neuer Finanzwelt.
Auf der Pangea L1 Network sorgt das Protokoll zudem dafür, dass aktualisierte Marktdaten innerhalb jedes Blocks immer zuerst verarbeitet werden, bevor irgendeine andere Transaktion ausgeführt wird. Damit soll sichergestellt sein, dass jeder Devisentausch stets zum aktuellen Marktkurs abgewickelt wird.
Kein Angriff auf Ripple
Angesichts von Ripples langjährigem Engagement im institutionellen Cross-Border-Geschäft liegt der Vergleich nahe. Chainlink selbst sieht sich aber nicht als Konkurrent, sondern als Technologiepartner, der bestehende Infrastruktur ergänzt statt ersetzt. Es gehe weniger darum, ein komplett neues, einheitliches Netzwerk aus dem Boden zu stampfen, sondern die Technologie gezielt dort anzuwenden, wo echter Mehrwert entsteht – und das Netzwerk organisch wachsen zu lassen.
Warum das relevant ist
Wenn Project Pangea hält, was es verspricht, könnten gleich mehrere Probleme des klassischen Devisenhandels gelindert werden:
- Weniger gebundenes Kapital: Geld, das tagelang „in der Schwebe“ hängt, steht Unternehmen schneller wieder zur Verfügung.
- Geringeres Abwicklungsrisiko: Durch atomare PvP-Swaps entfällt das Risiko, dass eine Seite zahlt, die andere aber nicht liefert.
- Niedrigere Liquiditätskosten: Schnellere Abwicklung bedeutet weniger Kapital, das Banken für Pufferzwecke vorhalten müssen.
Für die Schweizer und europäische Krypto- und Fintech-Szene ist das Projekt ein weiteres Indiz dafür, dass Stablecoins zunehmend den Sprung von der Nische in die institutionelle Finanzinfrastruktur schaffen – mit regulierter Tokenisierung als Brücke zwischen traditionellem Bankwesen und Onchain-Abwicklung.
Quellen:
- PRNewswire: Chainlink and Multinational Banking Consortia Launch Project Pangea To Develop T+0 Settlement Framework for International FX Markets
- Chainlink: chain.link
- Reddit: Chainlink und multinationale Bankenkonsortien starten Projekt Pangea zur Entwicklung einer neuartigen Lösung, die internationale Devisenmärkte neu definiert.
bitcoinnews.ch