Bitcoin hat einen Teil seiner jüngsten Gewinne abgegeben. Während die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf den höchsten Stand seit 2007 stieg, rutschte der Kurs zeitweise auf 83.200 Dollar. Zuflüsse in Bitcoin-ETFs und hohe Abflüsse von der Börse Binance zeigen jedoch, dass die Nachfrage nicht abgerissen ist.
Noch zu Wochenbeginn hatte Bitcoin die Marke von 87.000 Dollar überschritten. Am Donnerstag fiel der Kurs während des asiatischen Handels unter 84.000 Dollar und erreichte zeitweise 83.200 Dollar. Am Freitag notierte er wieder im Bereich von 84.000 Dollar. Der Rücksetzer fällt mit einer deutlichen Bewegung am US-Anleihemarkt zusammen: Die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen schloss am Mittwoch bei 5,11 Prozent und erreichte zwischenzeitlich 5,13 Prozent – den höchsten Stand seit 2007.
Hinter dem Renditeanstieg stehen unter anderem robuste US-Konjunkturdaten und höhere Ölpreise. Sie nähren die Erwartung, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik weiter straffen könnte. Höhere Renditen machen Staatsanleihen für Anleger attraktiver und verteuern zugleich die Finanzierung. Beides kann Anlagen wie Bitcoin belasten, besonders wenn Marktteilnehmer ihre Positionen mit geliehenem Geld aufgebaut haben.
Für die Fed-Sitzung am 28. Oktober preiste der Terminmarkt am Donnerstag laut CME FedWatch zeitweise eine Wahrscheinlichkeit von 75,3 Prozent für eine weitere Zinserhöhung ein. Neue Arbeitsmarktdaten und Äußerungen der Notenbank könnten diese Erwartung in den kommenden Wochen verändern. Marktanalyst James Stanley von FOREX.com verwies darauf, dass sich Bitcoin trotz steigender Renditen und eines starken Dollars bislang vergleichsweise gut gehalten habe. Sollte der Rücksetzer weitergehen, beobachtet er die Marke von 82.833 Dollar.
Bitcoin-ETFs verzeichnen weiter Zuflüsse
Am ETF-Markt ist von einem vollständigen Rückzug der Anleger bislang nichts zu sehen. Die US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Donnerstag laut SoSoValue Nettozuflüsse von rund 191 Millionen Dollar. Das liegt deutlich unter den knapp 999 Millionen Dollar vom Montag, zeigt aber weiterhin positive Mittelzuflüsse während des Kursrückgangs. Allein auf BlackRocks IBIT entfielen am Donnerstag nach den vorliegenden Daten rund 163 Millionen Dollar. Die Farside-Daten weisen für Montag einen Nettozufluss von rund 999 Millionen Dollar aus.
Zugleich meldet CryptoQuant-Analyst Darkfost eine auffällige Bewegung bei Binance: Innerhalb eines Tages flossen demnach netto mehr als 13.800 Bitcoin von der Börse ab – so viele wie seit 2023 nicht mehr. Über vier Tage seien die ausgewiesenen Bestände von rund 705.000 auf 685.000 Bitcoin gesunken.
Ein sinkender Börsenbestand kann das unmittelbar für Verkäufe verfügbare Angebot verringern. Aus den Transfers allein lässt sich allerdings nicht ablesen, ob die Bitcoin neu gekauft wurden oder wie lange ihre Besitzer sie halten wollen. Darkfost wertet die Abflüsse als mögliches Zeichen verstärkter Akkumulation.
Der Wochenschluss wird zum nächsten Test
Nach dem schnellen Anstieg und dem anschließenden Rücksetzer richtet sich der Blick nun auf den Wochenschluss. Analyst Benjamin Cowen sieht die Zone um 82.000 bis 82.500 Dollar als entscheidend an: Ein Schlusskurs darüber würde den jüngsten Ausbruch über das frühere Mai-Hoch stützen. Fällt Bitcoin wieder darunter, könnte sich die Bewegung über 87.000 Dollar als kurzlebiger Ausbruch erweisen.
Damit treffen derzeit zwei Kräfte aufeinander. Steigende Renditen und die Aussicht auf einen weiteren Fed-Zinsschritt erhöhen den Druck auf den Kurs. Gleichzeitig fließt weiterhin Geld in Bitcoin-ETFs, während die gemeldeten Binance-Bestände zurückgehen. Ob die Nachfrage ausreicht, um den jüngsten Ausbruch zu behaupten, dürfte sich zunächst am Wochenschluss zeigen.
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