- CryptoQuant-Analysten warnen vor schwachem Kaufdruck hinter der jüngsten Rally
- CLARITY Act scheitert im Senat und belastet Kryptowährungen spürbar
- Bitwise-CIO Hougan bleibt trotz Rückschlägen langfristig optimistisch
Bitcoin durchlebt einen turbulenten Herbstanfang: Nach einem kräftigen Anstieg in Richtung 80.000 US-Dollar sorgen ein gescheitertes US-Regulierungsgesetz und geopolitische Spannungen für Rückschläge. Zwar konnte sich die älteste Kryptowährung von dem Kursrutsch wieder deutlich erholen und die Marke von 80.000 US-Dollar zeitweise zurückerobern, Analysten sind sich jedoch uneinig, ob die jüngste Erholung nachhaltig ist oder weitere Rückschläge folgen könnten.
Warnzeichen hinter der Rally
Analysten, die auf der Plattform CryptoQuant publizieren, äußerten $BTC-Echo zufolge Anfang September Zweifel an der Stabilität des vorherigen Bitcoin-Anstiegs von rund 65.000 auf 80.000 US-Dollar. Hinter der Bewegung stecke überraschend wenig entschlossener Kaufdruck, die Buy/Take-Ratio habe am 07. September laut $BTC-Echo aggressive Verkäufer gezeigt. Ein weiterer Analyst des Dienstes bemängelte, der Ausbruch sei hauptsächlich durch gehebelten Futures-Handel getrieben worden, während echte Spotkäufe schwächer und später eingesetzt hätten, was die Bewegung anfällig für eine schnelle Gegenbewegung mache.
James Butterfill, Head of Research bei CoinShares, widersprach dieser Lesart via $BTC-Echo: Die Mehrheit der Käufer sei institutionell und komme über ETPs und OTC-Kanäle, nicht über Börsen-Orderbücher. In den drei Wochen zuvor seien netto rund 3,8 Milliarden US-Dollar in Bitcoin-Spot-ETFs geflossen, allein am 3. September rund 730 Millionen US-Dollar und damit so viel wie an keinem Tag seit Mitte Januar.
CLARITY Act gescheitert: Regulatorische Hängepartie geht weiter
Bereits in der Vorwoche vor der Senatsabstimmung zum CLARITY Act hatte sich die Stimmung am Kryptomarkt eingetrübt: Im Zuge neuerlicher Spannungen im Nahen Osten und der daraufhin anziehenden Ölpreise kürzte die Citigroup ihr Kursziel für die Ur-Kryptowährung auf 82.000 US-Dollar runter.
Im Zentrum der Unsicherheit stand vor allem der CLARITY Act, der die Zuständigkeiten von SEC und CFTC für Digital Assets klären sollte. Schon vor der Senatsabstimmung ging es für Bitcoin und kryptonahe Aktien abwärts, nach Bekanntgabe des Ergebnisses leuchteten diese dann tiefrot: Denn der Senat verfehlte die nötige 60-Stimmen-Mehrheit, das Gesetz bleibt vorerst blockiert. Ripple-Chef Brad Garlinghouse bezeichnete das Scheitern als einen "herzzerreißenden Rückschlag" für die Branche. Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP gerieten daraufhin auf breiter Front unter Druck.
Für Anleger bleibt damit ein zentraler Unsicherheitsfaktor bestehen: Eine kurzfristige regulatorische Entlastung fällt vorerst aus, solange keine überarbeitete Fassung des Gesetzes im Senat mehrheitsfähig ist.
Nach turbulenten Wochen: Analysten erwarten $BTC-Anstieg
21Shares-Chefanlagestratege Adrian Fritz hält an einem Basisszenario fest, wonach Bitcoin bis Ende 2026 auf 100.000 US-Dollar zurückkehren könnte, sofern die Zinsen sinken und der Iran-Konflikt endet - was nach der jüngsten Zinserhöhung und der zunehmenden Spannungen eher unwahrscheinlich scheint. LMAX-Marktstratege Joel Kruger nennt das Mai-Hoch bei rund 83.000 US-Dollar als nächste Station, ohne ein konkretes Rating abzugeben.
Bitwise-CIO Matt Hougan bekräftigte am Donnerstag sein langfristiges Kursziel von 1,3 Millionen US-Dollar bis 2035 und hält eine Rückkehr über 100.000 US-Dollar noch in diesem Jahr für realistisch. Ein Bitcoin-Anteil von null Prozent im Depot sei laut Hougan eine Fehlallokation. Solche langfristigen Einschätzungen ändern nichts daran, dass kurzfristig regulatorische und geldpolitische Faktoren den Ton angeben.
Im Fokus stehen nun die weiteren regulatorischen Schritte von SEC und CFTC sowie die Kommunikation der Fed zu ihrem weiteren Zinskurs. Ob sich der CLARITY Act in überarbeiteter Form doch noch durch den Senat bringen lässt, dürfte mitentscheiden, wie belastbar die nächste Erholungsbewegung bei Bitcoin ausfällt.
Bitcoin: Günstige Einstiegschance oder Risiko?
Eine eindeutige Antwort gibt die aktuelle Datenlage nicht her. Für einen Einstieg sprechen die soliden ETF-Zuflüsse und die langfristig optimistischen Kursziele institutioneller Beobachter wie Fritz und Hougan. Dagegen stehen die Zweifel von CryptoQuant-Analysten an der Tragfähigkeit der jüngsten Rally, ein nach dem Scheitern des CLARITY Acts weiterhin ungeklärter regulatorischer Rahmen sowie geopolitische Risiken, die kurzfristig für neue Ausschläge sorgen können. Auch die Marke von 81.000 bis 82.000 US-Dollar bleibt ein charttechnischer Prüfstein. Wer auf Sicht mehrerer Jahre investiert, könnte den Rücksetzer angesichts der langfristig bullishen Prognosen als Kaufgelegenheit werten. Wer kurzfristig handelt, sollte angesichts der ungeklärten Regulierung und der Abhängigkeit von der Zinspolitik eher vorsichtig bleiben. Wie so oft bei Bitcoin gilt: Die Antwort hängt stark vom eigenen Anlagehorizont und der persönlichen Risikobereitschaft ab.