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Bitcoin überholt Gold? Was an der Millionen-Dollar-These von Binance-Gründer CZ dran ist

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Bitcoin könnte Gold bereits im nächsten Bullrun beim Marktwert überholen. Diese Einschätzung von Binance-Gründer Changpeng Zhao, besser bekannt als CZ, sorgt für Aufmerksamkeit. Je nachdem, welcher Teil des Goldmarktes als Vergleich dient, ergeben sich daraus rechnerische Bitcoin-Preise von knapp 700.000 Dollar bis zu mehr als 1,5 Millionen Dollar. Doch zwischen einer plausiblen Wertspeicher-These und einem belastbaren Kursziel liegt ein erheblicher Unterschied.

Ausgangspunkt ist ein Gespräch auf der Bitcoin Asia, über das BeInCrypto am 7. September 2026 berichtete. Demnach sieht CZ in der möglichen Etablierung von Bitcoin als staatlichem Reservevermögen einen entscheidenden Treiber. Gold profitiere bislang von eingespielten Strukturen für Verwahrung, Bewertung und Reservemanagement. Bitcoin müsse diesen institutionellen Rückstand erst aufholen. Bericht von BeInCrypto

Der Gedanke ist nachvollziehbar. Allerdings verbindet die Debatte drei unterschiedliche Erwartungen: Bitcoin gewinnt als Vermögenswert an Bedeutung, sein Marktwert übersteigt irgendwann den von Gold, und dieser Wechsel erfolgt bereits im nächsten Marktzyklus. Während sich für die erste Entwicklung gute Argumente finden lassen, steigen die Anforderungen an die Begründung mit jeder weiteren Aussage deutlich.

Gold ist nicht gleich Gold

Schon die Frage, was Bitcoin eigentlich überholen soll, verändert die Größenordnung erheblich. Der World Gold Council beziffert den Wert des gesamten oberirdischen Goldbestands zum Jahresende 2025 auf rund 31 Billionen Dollar. Darin stecken neben Anlagebeständen auch Schmuck und weitere Verwendungen.

Enger gefasst ergibt sich für das physische Anlagegold eine Größenordnung von rund 14 Billionen Dollar: etwa neun Billionen Dollar in privaten Anlagebeständen und fünf Billionen Dollar bei Zentralbanken und anderen offiziellen Institutionen. Zusätzlich aufgeführte Goldderivate sind kein weiterer physischer Goldbestand und werden hier deshalb nicht hinzugerechnet. Marktübersicht des World Gold Council

Beide Vergleiche können sinnvoll sein, beantworten aber unterschiedliche Fragen. Wer Bitcoin als Konkurrenz zu einer Geldanlage betrachtet, kann sich auf Anlagegold konzentrieren. Daraus folgt jedoch kein Gleichstand mit dem gesamten Goldbestand. Zudem dient auch Goldschmuck vielerorts der Vermögensaufbewahrung. Eine eindeutige Trennung zwischen Konsum und Wertspeicher ist daher schwierig.

Welcher Bitcoin-Preis wäre für die Goldparität nötig?

Für die Nachrechnung lässt sich die im Ausgangsbericht verwendete Menge von 20,08 Millionen Bitcoin ansetzen. Der jeweilige Goldwert geteilt durch diese Menge ergibt den Bitcoin-Preis bei einem rechnerischen Gleichstand.

Vergleichsbasis Angenommener Marktwert Rechnerischer Preis je Bitcoin
Physisches Anlagegold 14 Billionen Dollar rund 697.000 Dollar
Gesamter oberirdischer Goldbestand 31 Billionen Dollar rund 1,54 Millionen Dollar

Diese Berechnung kombiniert die Goldbewertungen zum Jahresende 2025 mit der im September-Bericht angesetzten Bitcoin-Menge. Sie dient der Einordnung der These und bildet keinen zeitgleichen aktuellen Marktvergleich ab.

Gegenüber dem im Bericht angenommenen Bitcoin-Marktwert von rund 1,6 Billionen Dollar wäre für den Gleichstand mit dem gesamten Goldbestand nahezu eine Verzwanzigfachung nötig. Vor allem aber beschreibt die Rechnung nur eine Bedingung: Sie zeigt, welcher Preis bei einer bestimmten Bewertung herauskäme. Warum Käufer diese Bewertung akzeptieren sollten und wann sie erreicht werden könnte, erklärt sie nicht.

Was für Bitcoin als globalen Wertspeicher spricht

Bitcoin besitzt Eigenschaften, die eine größere Rolle in der Vermögensaufbewahrung plausibel machen. Er lässt sich digital übertragen, fein aufteilen und selbst verwahren. Bei direktem Besitz besteht kein Rückzahlungsversprechen eines Emittenten, dessen Zahlungsfähigkeit den Wert absichern müsste.

Hinzu kommt die unter den bestehenden Netzwerkregeln auf 21 Millionen Einheiten begrenzte Gesamtmenge. Ein höherer Preis erlaubt Minern nicht, den langfristigen Ausgabeplan beliebig auszuweiten. Das unterscheidet Bitcoin von Rohstoffen, bei denen höhere Preise zusätzliche Förderung wirtschaftlich attraktiver machen können.

Wächst die Nachfrage nach Bitcoin dauerhaft, trifft sie damit auf ein begrenztes Gesamtangebot. Darin liegt der wirtschaftliche Kern der Wertspeicher-These. Gerade Anleger, die Vermögen außerhalb staatlicher Zahlungsversprechen halten möchten, können diese Eigenschaften attraktiv finden.

Knappheit allein garantiert allerdings keinen steigenden Preis. Entscheidend bleibt, ob Menschen und Institutionen Bitcoin dauerhaft besitzen wollen. Außerdem können bereits existierende Bestände jederzeit wieder auf den Markt gelangen. Ein begrenztes Gesamtangebot bedeutet keineswegs, dass bei steigenden Preisen keine zusätzlichen Verkäufer auftauchen.

Warum Gold mehr als einen Verwahrungsvorsprung hat

CZs Infrastrukturargument greift einen wichtigen Punkt auf. Für einen staatlichen Reservehalter reicht sichere Verwahrung jedoch nicht aus. Reserven müssen sich bei Bedarf mobilisieren lassen, etwa um eine Währung zu stabilisieren oder Zahlungsverpflichtungen in Fremdwährung zu bedienen.

Die Bank of England beschreibt ihre Goldverwahrung ausdrücklich auch als Zugang zur Liquidität des Londoner Goldmarktes. Der Tresor ist damit Teil eines etablierten Systems, über das Zentralbanken ihre Bestände handeln können. Goldverwahrung der Bank of England

Bitcoin muss Reservehalter deshalb von mehr überzeugen als seiner technischen Funktionsfähigkeit. Relevant sind ebenso die Akzeptanz bei anderen Marktteilnehmern und die Möglichkeit, große Positionen auch unter schwierigen Bedingungen zu handeln. Ein rund um die Uhr geöffneter Markt garantiert keinen stabilen Verkaufspreis.

Auch Gold unterliegt Kursschwankungen. Dennoch können sich die Anforderungen eines privaten Langfristanlegers erheblich von denen einer Zentralbank unterscheiden. Eine hohe mögliche Rendite macht einen Vermögenswert noch nicht automatisch zur besseren Reserve.

Staatlicher Bitcoin-Besitz ist noch kein Kaufprogramm

Besonders sorgfältig muss die vermeintlich bevorstehende Staatsnachfrage betrachtet werden. Eine politische Forderung nach einer Bitcoin-Reserve, der Besitz eingezogener Coins, ein Verkaufsverzicht und zusätzliche Marktkäufe haben unterschiedliche wirtschaftliche Wirkungen.

Wer vorhandene Bitcoin dauerhaft hält, kann künftigen Verkaufsdruck reduzieren. Wer zusätzlich kauft, schafft neue Nachfrage. Eine Ankündigung wiederum muss zunächst umgesetzt werden.

Das zeigt der US-Erlass vom 6. März 2025 zur strategischen Bitcoin-Reserve. Als Ausgangsbasis sah er bestimmte endgültig eingezogene Bitcoin-Bestände vor. Zugleich beauftragte er Finanz- und Handelsministerium, budgetneutrale Strategien für zusätzliche Erwerbe zu entwickeln. Der Erlass selbst belegt jedoch keine anschließend ausgeführten Zusatzkäufe. Erlass des Weißen Hauses

Ein greifbares Beispiel für institutionelles Lernen liefert die tschechische Zentralbank. Im November 2025 meldete sie den Kauf digitaler Vermögenswerte für ein Testportfolio von insgesamt einer Million Dollar. Das Portfolio umfasst Bitcoin und weitere digitale Anlageformen und soll praktische Erfahrungen ermöglichen. Es wurde ausdrücklich außerhalb der internationalen Reserven angelegt. Mitteilung der tschechischen Zentralbank

Solche Schritte zeigen Interesse und den Aufbau von Kompetenzen. Eine breite Ablösung von Gold belegen sie nicht. Denkbar wäre auch, dass Staaten ihre Goldbestände behalten und Bitcoin ergänzend aufnehmen. Selbst kleine Allokationen könnten für Bitcoin relevant werden, ohne dass dafür ein vollständiger Austausch der Reserveanlagen nötig wäre.

Gold bleibt ein bewegliches Ziel

Ein weiterer Schwachpunkt starrer Paritätsrechnungen: Auch der Goldwert verändert sich. Steigt die Bewertung des angenommenen Goldbestands von 31 Billionen Dollar um 25 Prozent, liegt sie bei 38,75 Billionen Dollar. Bei unveränderter Bitcoin-Menge würde sich die rechnerische Parität damit auf rund 1,93 Millionen Dollar je Bitcoin verschieben.

Das ist keine Prognose, sondern verdeutlicht die Abhängigkeit von den Ausgangsannahmen. Für eine Zukunftsrechnung müssten außerdem die bis dahin veränderten Bestände beider Vermögenswerte berücksichtigt werden.

Gerade Sorgen um Geldentwertung oder Staatsfinanzen könnten gleichzeitig Bitcoin und Gold stützen. Ein steigender Bitcoin-Preis in Dollar würde dann noch nicht beweisen, dass Bitcoin aufholt. Dafür ist das Bitcoin-Gold-Verhältnis aufschlussreicher: Der Bitcoin-Preis geteilt durch den Goldpreis je Feinunze zeigt, wie viele Feinunzen ein Bitcoin kaufen kann. Steigt dieses Verhältnis, gewinnt Bitcoin relativ an Wert.

Dieser Quotient bleibt allerdings ein Preisverhältnis. Um die gesamten Marktwerte zu vergleichen, müssen zusätzlich die jeweiligen Bestandsmengen einbezogen werden.

Warum der nächste Bullrun die gewagteste Annahme ist

Die erforderliche Neubewertung wäre enorm. Setzt man beispielhaft vier Jahre an, würde eine Verzehnfachung rund 78 Prozent jährliches Wachstum im geometrischen Durchschnitt voraussetzen. Für den Sprung von 1,6 auf 31 Billionen Dollar wären es rund 110 Prozent jährlich. Der Goldwert wäre dabei konstant gehalten; die vier Jahre sind ein Rechenbeispiel und keine präzise Frist von CZ.

Dafür müssten nicht genauso viele neue Dollar in Bitcoin fließen, wie die Marktkapitalisierung steigt. Diese ergibt sich aus Marktpreis mal umlaufender Menge und ist kein Maß für das insgesamt eingezahlte Kapital. Umgekehrt existiert auch kein verlässlicher Multiplikator, mit dem sich aus einem Dollar Zufluss ein bestimmter Bewertungszuwachs ableiten ließe. Entscheidend ist, zu welchen Preisen Käufer und Verkäufer tatsächlich handeln.

Belastbarer würde die These durch dokumentierte neue Staatskäufe in relevanter Größenordnung, formelle Allokationen über Testportfolios hinaus und eine breitere, dauerhafte Nachfrage. Hinzukommen müsste eine überzeugendere Bewährung als Reservevermögen in Stressphasen. Frühere Bitcoin-Rallyes ersetzen diese Begründung nicht.

Eine plausible Entwicklung mit einem spekulativen Zeitplan

Bitcoin kann langfristig einen größeren Platz in der globalen Vermögensaufbewahrung einnehmen. Seine digitale Übertragbarkeit, die Möglichkeit der Selbstverwahrung und das begrenzte Angebot liefern dafür nachvollziehbare Argumente. Institutionelle Lernprozesse könnten diese Entwicklung über Jahre verstärken.

Ein Überholen von Gold bleibt damit ein mögliches Bewertungsszenario. Aus dem Vergleich allein ergibt sich jedoch weder eine Eintrittswahrscheinlichkeit noch ein belastbarer Termin. Besonders der Sprung von staatlichem Interesse zu massiver neuer Nachfrage ist durch die genannten Beispiele nicht ausreichend begründet.

Die entscheidende Frage lautet deshalb, wie stark Bitcoin tatsächlich als dauerhaft gehaltenes Vermögen nachgefragt wird. Er kann dabei erheblich an Bedeutung gewinnen, auch wenn Gold größer bleibt. Und selbst ein vorübergehender Gleichstand der Marktwerte würde noch nicht beweisen, dass Bitcoin Gold als globale Reserve dauerhaft abgelöst hat.

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