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Bitcoin fällt unter 77.000 Dollar: Öl-Schock und US-Renditen setzen Kryptomarkt unter Druck

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Bitcoin ist am Donnerstag zeitweise unter die Marke von 77.000 Dollar gefallen. Auslöser war weniger eine kryptospezifische Nachricht als vielmehr eine erneute Verschärfung des makroökonomischen Umfelds. Überraschend hohe US-Produzentenpreise, Ölpreise von mehr als 100 Dollar und stark steigende Renditen am US-Anleihemarkt erhöhten den Druck auf Risikoanlagen. Gleichzeitig preisen die Märkte inzwischen mit hoher Wahrscheinlichkeit eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank im September ein.

Bitcoin verlor zeitweise rund zwei Prozent und folgte damit den ebenfalls schwächeren US-Aktienmärkten. Besonders bemerkenswert ist die Kombination mehrerer Belastungsfaktoren: Während der Inflationsdruck wieder zunimmt, steigen zugleich die langfristigen Finanzierungskosten in den USA deutlich. Selbst ausgeweitete Rückkäufe von Staatsanleihen durch das US-Finanzministerium konnten den Anstieg der Renditen bislang nicht stoppen.

US-Produzentenpreise überraschen nach oben

Neue Inflationsdaten verschärften am Donnerstag die Sorgen um die weitere Geldpolitik der Federal Reserve. Der US-Produzentenpreisindex stieg im August um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr und lag damit leicht über den Markterwartungen. Zusätzlich wurde auch der Wert für Juli nach oben revidiert.

Ein breiteres Kernmaß, bei dem Lebensmittel, Energie und Handelsdienstleistungen herausgerechnet werden, legte im August um 0,3 Prozent gegenüber dem Vormonat zu. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Anstieg 4,7 Prozent.

Damit bleibt der Inflationsdruck auf Unternehmensebene hoch. Gleichzeitig droht über die stark gestiegenen Energiepreise zusätzlicher Preisdruck. Für die Federal Reserve erschwert sich damit die Ausgangslage unmittelbar vor ihrer nächsten Zinsentscheidung.

Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung um 25 Basispunkte bei der Fed-Sitzung am 16. September sprang laut CME FedWatch im Tagesverlauf auf rund 70 bis 73 Prozent. Am Vortag hatte sie noch bei etwa 61 Prozent gelegen.

Am Freitag folgt mit dem US-Verbraucherpreisindex bereits der nächste wichtige Inflationsbericht. Es handelt sich um den letzten großen Inflationsindikator vor der kommenden Fed-Entscheidung.

Ölpreis steigt über 100 Dollar

Parallel zu den Inflationsdaten sorgte die Eskalation im Nahen Osten für einen neuen Schub bei den Energiepreisen. US-Rohöl der Sorte WTI stieg erstmals seit Mai wieder über 100 Dollar je Barrel.

Auch Brent legte deutlich zu und notierte zeitweise oberhalb von 107 Dollar. Damit erreichten die Ölpreise die höchsten Niveaus seit mehreren Monaten.

Für die Finanzmärkte ist der Ölpreisanstieg besonders problematisch, weil er den bestehenden Inflationsdruck zusätzlich verstärken könnte. Höhere Energiepreise verteuern Transport, Produktion und zahlreiche Vorprodukte und können sich damit schrittweise durch die gesamte Wirtschaft ziehen.

Für Risikoanlagen entsteht dadurch ein ungünstiges Umfeld: Steigende Inflation erhöht den Druck auf die Zentralbanken, die Geldpolitik länger restriktiv zu halten oder weiter zu verschärfen.

Renditen am US-Anleihemarkt steigen auf Mehrjahreshochs

Noch deutlicher zeigte sich der Stress am US-Staatsanleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zeitweise auf rund 4,96 Prozent und näherte sich damit erneut der psychologisch wichtigen Marke von fünf Prozent.

Noch extremer fiel die Bewegung am langen Ende der Zinskurve aus. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte mit rund 5,35 Prozent den höchsten Stand seit Juni 2007.

Der Anstieg erfasste praktisch die gesamte Zinskurve. Während kurzfristige Laufzeiten vor allem auf die steigenden Erwartungen einer weiteren Fed-Zinserhöhung reagieren, spielen bei langfristigen Anleihen zusätzlich Inflationsrisiken, hohe Staatsdefizite und ein wachsendes Angebot neuer Schuldtitel eine Rolle.

Hohe Renditen wirken sich weit über den Anleihemarkt hinaus aus. Sie erhöhen unter anderem die Finanzierungskosten für Unternehmen, verteuern Hypotheken und Kredite und setzen gleichzeitig die Bewertungen von Aktien und anderen Risikoanlagen unter Druck.

Treasury-Buybacks verpuffen bislang

Besonders auffällig ist, dass selbst verstärkte Rückkäufe durch das US-Finanzministerium die Renditen bislang nicht stabilisieren konnten.

Das Treasury hatte angekündigt, bis zu sechs Milliarden Dollar an länger laufenden Staatsanleihen zurückzukaufen. Laut MarketWatch wurden tatsächlich rund 5,2 Milliarden Dollar zurückgekauft. Einige Marktteilnehmer hatten offenbar mit einem größeren Eingriff gerechnet.

Trotz der Intervention setzte sich der Ausverkauf am Anleihemarkt fort.

„The bond market is quite literally fighting the US Treasury“, kommentierte The Kobeissi Letter die Entwicklung.

Zusätzlichen Druck erzeugte eine Auktion 30-jähriger US-Staatsanleihen im Volumen von 22 Milliarden Dollar. Zwar fanden sich Käufer, allerdings erst bei einer Rendite von 5,308 Prozent. Anschließend stiegen die Marktrenditen weiter.

Damit geraten die Bemühungen von US-Finanzminister Scott Bessent zunehmend unter Beobachtung. Bessent hatte zuletzt selbstbewusst erklärt, Händler könnten gegen ihn wetten, wenn sie wollten, und hinzugefügt: „I am the house now.“

Tim Horan, Investmentchef für Anleihen bei Chilton Trust, hielt dagegen, die aktuelle Marktreaktion zeige, dass letztlich der Markt und nicht das Treasury „the house“ sei.

Globale Kapitalkosten steigen

Der aktuelle Anstieg der Renditen beschränkt sich zudem nicht auf die USA. Auch an anderen Staatsanleihemärkten kam es zu Verkaufsdruck.

„We are seeing the price of money go up globally“, fasste Horan die Entwicklung zusammen.

Das trifft die Finanzmärkte in einer Phase, in der sowohl Staaten als auch Unternehmen einen enormen Kapitalbedarf haben. Große Volkswirtschaften müssen hohe Defizite finanzieren, während insbesondere Technologieunternehmen gleichzeitig Milliarden in Rechenzentren, Chips und weitere KI-Infrastruktur investieren.

Steigende Renditen erhöhen damit die Kapitalkosten auf breiter Front.

Gerade der KI-Investitionsboom könnte dadurch empfindlicher auf weitere Renditeanstiege reagieren. Je höher die Finanzierungskosten ausfallen, desto höher müssen langfristig auch die Erträge der enormen Investitionen sein, um deren Bewertungen zu rechtfertigen.

Risiko eines ungeordneten Anleihe-Ausverkaufs

Ed Al-Hussainy, Portfoliomanager bei Columbia Threadneedle, warnt unterdessen davor, dass sich die Bewegungen am Anleihemarkt weiter verselbstständigen könnten.

Sollte die Federal Reserve bei ihrer kommenden Sitzung trotz steigender Inflation nicht reagieren, könnten langfristige Treasury-Renditen seiner Einschätzung nach zunehmend ihre Verankerung verlieren und sich ungeordneter entwickeln.

Eine akute Finanzstabilitätskrise sei bislang zwar nicht zu erkennen. Die Geschwindigkeit der jüngsten Renditebewegungen dürfte von Fed und Treasury jedoch genau beobachtet werden.

Ein ungeordneter Anleihe-Ausverkauf könnte im Extremfall über Liquiditätsprobleme, höhere Margin-Anforderungen und Verluste bei stark gehebelten Marktteilnehmern auch auf andere Bereiche des Finanzsystems übergreifen.

Auch US-Aktien geraten unter Druck

Die verschärften Finanzierungsbedingungen belasteten auch den Aktienmarkt.

Der Dow Jones verlor am Donnerstag rund 0,6 Prozent, der S&P 500 ebenfalls etwa 0,6 Prozent. Der Nasdaq Composite gab rund 0,7 Prozent nach.

Damit verzeichneten die großen US-Indizes bereits den vierten Verlusttag in Folge.

Auch in Europa wird die Geldpolitik restriktiver. Die Europäische Zentralbank erhöhte am Donnerstag ihre Leitzinsen um weitere 25 Basispunkte. Es war bereits die zweite Zinserhöhung der EZB in diesem Jahr.

Warum Bitcoin besonders empfindlich reagiert

Für Bitcoin kommen derzeit mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig zusammen.

Steigende US-Staatsanleiherenditen erhöhen zunächst die Opportunitätskosten für Risikoanlagen. Gleichzeitig verschlechtern sich durch höhere Marktzinsen die globalen Liquiditätsbedingungen.

Hinzu kommt die gestiegene Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung durch die Federal Reserve. Eine restriktivere Geldpolitik würde die Finanzierungsbedingungen zusätzlich verschärfen.

Der Ölpreisschock verstärkt wiederum die Inflationsproblematik und sorgt gleichzeitig für eine klassische Risk-off-Bewegung an den Märkten.

Dass Bitcoin in diesem Umfeld gemeinsam mit Aktien fällt, zeigt einmal mehr, dass die Kryptowährung kurzfristig stark auf Veränderungen der globalen Liquiditäts- und Zinsbedingungen reagiert.

Der Rückgang unter 77.000 Dollar lässt sich daher weniger durch Entwicklungen innerhalb des Kryptosektors erklären als durch eine ungewöhnlich starke Kombination aus steigenden Ölpreisen, hartnäckiger Inflation und einem sich verschärfenden Ausverkauf am globalen Anleihemarkt.

Für die kurzfristige Marktrichtung dürften nun vor allem zwei Faktoren entscheidend sein: die US-Verbraucherpreisdaten am Freitag und die anschließende Fed-Entscheidung am 16. September.

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