Bitcoin-Anleger schauen heute nach Jackson Hole, wo Fed-Chef Kevin Warsh seine Geldpolitik erklären wird. Für die Krypto-Rallye bräuchte es drei Dinge.
Bitcoin handelt am Freitagmorgen nahe der 80.000 US-Dollar und rüstet sich für eines der wichtigsten Treffen des Jahres. In Jackson Hole im US‑Bundesstaat Wyoming warten Investoren und Analysten auf die geldpolitische Weichenstellung von Kevin Warsh – und es gibt viele offene Fragen, die der neue Fed-Vorsitzende beantworten muss. Eine der wichtigsten für Krypto-Anleger: Wie verfährt die Notenbank mit den Leitzinsen?
Die Ausgangslage für Bitcoin vor dem Treffen in Jackson Hole könnte kaum besser sein. Die Kryptowährung ist weiterhin im Rallye-Modus, handelt zum Zeitpunkt des Schreibens bei 79.813 US-Dollar und konnte damit im Wochenvergleich um gut 6 Prozent zulegen. Die Stimmung am Markt, sie ist allgemein euphorisch. Erstmals seit Oktober 2025 liegt der Fear and Greed Index bei 73 Punkten.
Ganz anders dürfte das Stimmungsbild bei Kevin Warsh sein. Der neue Fed-Chef ist erst seit Mai im Amt und steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Bei seinem Antritt versprach er, die nach wie vor hohe Inflation in den USA wieder an die Zielmarke von zwei Prozent anzunähern. Andererseits kühlte sich der Arbeitsmarkt zuletzt ab. Und dann ist da noch US-Präsident Donald Trump, der sinkende Leitzinsen erwartet. Bislang war Warsh aber überraschend still, ob seiner geldpolitischen Vorstellungen.
“Kurzfristige Konsolidierung bei Bitcoin”
Doch gerade dieses Szenario könnte der Rallye Steine in den Weg legen, meint James Butterfill, Head of Research beim Krypto-Vermögensverwalter CoinShares gegenüber BTC-ECHO. Jackson Hole dürfte für ihn zum unmittelbaren Test werden, in dem Bitcoin die Chance hat, die Nachhaltigkeit der Rallye zu bestätigen.
Um diesen Test zu bestehen, bräuchte die Kryptowährung aber die Unterstützung der Fed – und das in Form von Zinssenkungen. Blieben diese aus, könnte es am Krypto-Markt erste Gewinnmitnahmen auslösen. “Wir rechnen kurzfristig mit einer Konsolidierung”, so die Einschätzung Butterfills, denn der Bereich um die 80.000 US-Dollar erweise sich aktuell als hartnäckiger Widerstand.
Hoffnung macht ihm hingegen die Nachfrage nach Bitcoin. Zuletzt hatten Analysten der Kryptowährungen einen “fehlenden Kaufdruck” auf großen Spot-Märkten wie Binance attestiert. Für Butterfill sei das aber kein Grund zur Sorge. Die Antreiber der Rallye fänden sich nicht auf Krypto-Börsen, sondern an der Wall Street, bei den institutionellen Investoren. Und die Nachfrage hier bleibt weiterhin hoch.
Die Bitcoin-Spot ETFs verzeichneten diese Woche allein wieder Zuflüsse in Höhe von 1,13 Milliarden US-Dollar. Auch die Daten von CoinShares bestätigen das. “Der Großteil der Käufer ist institutionell und kommt über ETPs und OTC-Kanäle in den Markt”, so Butterfills Analyse. Neben Bitcoin und Ethereum, liege das Interesse der Anleger auch bei Altcoins wie XRP, Solana und Hyperliquid.
“Dann sind 100.000 US-Dollar möglich”
Um tatsächlich das Ende des Bärenmarktes zu bestätigen, wäre wohl erst ein Sprung Bitcoins über die Marke der 100.000 US-Dollar nötig. Dass das in diesem Jahr noch passiert, hält Butterfill für “möglich, aber anspruchsvoll”. Bitcoin müsste im Grunde den gesamten Verlust des aktuellen Handelsjahres wettmachen.
Um überhaupt die Chance darauf zu haben, müssten für den Head of Research drei Dinge passieren: Die Fed müsste deutlich machen, dass der Straffungszyklus der Leitzinsen beendet ist oder Zinssenkungen signalisieren. Die Nachfrage nach Krypto-ETPs müsste weiterhin wöchentlich nahe der Milliardenmarke bleiben. Und nicht zuletzt wären auch größere Marktteilnehmer in der Pflicht, wieder mehr zu akkumulieren. Zeit dafür hätte der Krypto-Markt bis zum Herbst, sagt der CoinShares-Analyst. Ein doch ambitioniertes Zeitfenster.