Das Bitcoin-Unternehmen Strategy verkauft Bitcoin, gibt neue Aktien aus und kauft eigene Vorzugsaktien zurück. In der Woche zum 2. August 2026 trennte sich das Unternehmen von 1'638 $BTC für rund 104.73 Mio. USD.
Strategy, vormals MicroStrategy, ist ein börsennotiertes Softwareunternehmen. Unter Michael Saylor baute die Firma ab 2020 die grösste Bitcoin-Treasury der Börsenwelt auf. Die Käufe finanzierte sie zunächst über den Kapitalmarkt statt aus dem operativen Geschäft. Ende Juni 2026 kündigte der Konzern jedoch einen Umbau dieses Modells an, das Digital Credit Capital Framework. Es erlaubt dem Management erstmals systematisch, Bitcoin zu verkaufen, eigene Wertpapiere zurückzukaufen und Liquidität zu steuern. Nach dem jüngsten Verkauf hält Strategy noch 842'138 $BTC im Wert von rund 52.6 Mrd. USD. Damit bleibt der Konzern der grösste börsennotierte Bitcoin-Halter, allerdings hat die MSTR-Aktie in zwölf Monaten rund 75% verloren.
Bitcoin-Verkauf unter dem eigenen Einstandspreis
Für die 1'638 verkauften Bitcoin erzielte Strategy durchschnittlich 63'957 USD pro Einheit. Rund vier Wochen lang hatte das Unternehmen zuletzt keine Bitcoin abgegeben. Der Durchschnittspreis liegt vergleichsweise nahe am Marktniveau von rund 62'500 USD, auf das Bitcoin über das Wochenende zurückfiel. Offengelegt hat der Konzern die Transaktionen in einem 8-K-Filing bei der SEC. Ein 8-K meldet der Behörde wesentliche Ereignisse ausserhalb des Quartalsrhythmus.
Gemessen an der Gesamtposition bleibt der Betrag allerdings klein. Die abgegebene Tranche entspricht rund 0.2% der Bestände. Bezahlt hat Strategy für den verbliebenen Bestand ursprünglich rund 63.5 Mrd. USD, im Schnitt 75'419 USD je Bitcoin. Der Marktwert von rund 52.6 Mrd. USD liegt somit knapp 11 Mrd. USD darunter. Das entspricht einem Buchverlust von gut 17% auf die gesamte Position. Jede Abgabe unterhalb des Einstands realisiert folglich einen Teil dieses Verlusts.
Letztlich zählt im neuen Rahmenwerk die Liquiditätsfunktion von Bitcoin, nicht allein seine Rolle als Reserve. Die Erlöse erhöhen zudem die frei verfügbaren Mittel und verschaffen dem Management Spielraum bei Rückkäufen. Bis Mitte 2026 blieben Verkäufe dieser Grössenordnung hingegen die Ausnahme. Seit Ende Juni gehören sie zum regulären Instrumentarium. Der Bestand sinkt weiterhin in kleinen Schritten.
STRC-Rückkauf mit Abschlag zum Nennwert
Parallel zum Bitcoin-Verkauf nutzte Strategy den Aktienmarkt. Zunächst platzierte das Unternehmen über das At-the-Market-Programm 3.01 Mio. neue MSTR-Stammaktien und nahm dabei rund 290.6 Mio. USD ein. Ein solches Programm erlaubt es, Aktien laufend zu Marktpreisen über die Börse auszugeben statt in einer einzelnen Platzierung. Die Ausgabe verwässert bestehende Aktionäre, verschafft dem Konzern aber unmittelbar verfügbare Mittel. Ein Teil des Erlöses floss in das USD-Reserve-Polster, das um 250 Mio. USD auf 4 Mrd. USD stieg. Der Rest ging schliesslich in den Rückkauf eigener Vorzugsaktien.
Ende Juli hatte Strategy die ersten STRC-Rückkäufe und eine laufende Rückkaufpolitik angekündigt. Seither hat der Konzern 912'143 STRC-Titel für rund 81.2 Mio. USD zurückgekauft. Das entspricht im Schnitt 89.02 USD je Aktie und einem Abschlag von rund 11% zum Nennwert von 100 USD. Vorzugsaktien zahlen eine feste Dividende und rangieren im Insolvenzfall vor den Stammaktien, verzichten dafür jedoch auf Stimmrechte. Ursprünglich sollte STRC nahe seinem Nennwert handeln. Notiert das Papier darunter, tilgt jeder Rückkauf künftige Dividendenverpflichtungen unter Nominalwert. Darin sieht das Management deshalb die derzeit attraktivere Kapitalverwendung.
Die Dividendenlast ist beträchtlich. Zuvor hatte der Konzern die jährliche Rate der STRC-Papiere zum 1. Juli 2026 auf 12% angehoben. Jeder Rückkauf verkleinert daher den Kreis der Bezugsberechtigten. Trotzdem will das Unternehmen vorerst an dieser Rate festhalten, bis die Aktie konsistent nahe ihrem Nennwert handelt. Emission und Rückkauf folgen damit derselben Logik. Strategy nimmt Kapital dort auf, wo der Markt es bietet, und tilgt dort, wo die eigenen Papiere unter Wert notieren.
Digital Credit Capital Framework als strategischer Kurswechsel
Den Rahmen dafür schuf der Verwaltungsrat Ende Juni 2026. Das Digital Credit Capital Framework autorisiert je bis zu 1 Mrd. USD für Rückkäufe von Vorzugsaktien und von MSTR-Stammaktien. Die Vorzugspapiere firmieren als Digital Credit Securities. Insgesamt stehen damit bis zu 2 Mrd. USD zur Verfügung, ohne festes Ablaufdatum. Ausserdem führte Strategy ein Programm zur Monetarisierung der Bitcoin-Bestände ein.
CEO Phong Le beschrieb den Umbau als Wechsel im Selbstverständnis des Konzerns. Statt primär Kapital aufzunehmen, steuert Strategy die Kapitalstruktur nun je nach Marktlage über Emissionen und Rückkäufe. Rückkäufe und Emissionen laufen dadurch parallel statt nacheinander. Das Modell der reinen Akkumulation verliert somit seine Ausschliesslichkeit. Gleichzeitig dient Bitcoin als steuerbare Grösse neben Eigen- und Fremdkapital. Executive Chairman Michael Saylor begründet das Rahmenwerk mit der Bilanzqualität.
„Das Rahmenwerk soll Strategys Kreditprofil stärken, während Bitcoin die primäre Treasury-Reserve bleibt." - Michael Saylor, Executive Chairman, Strategy
Wie ernst es dem Management damit ist, zeigte sich rasch. Ende Juni und Anfang Juli 2026 verkaufte Strategy Bitcoin im Wert von rund 216 Mio. USD. Es war der grösste bekannt gewordene Einzelverkauf seit dem Start der Akkumulationsstrategie 2020 und erst der dritte überhaupt. Zuvor galt der Bestand faktisch als unantastbar. Offen blieb, ob es bei diesem Einzelfall bleibt. Der erneute Verkauf Anfang August zeigt letztlich das Gegenteil.
MSTR-Aktie unter Druck trotz grösstem Bitcoin-Bestand
Der Aktienmarkt honoriert den Umbau bislang nicht. MSTR notierte vorbörslich rund 1 bis 2% tiefer, nachdem das Filing die Wochenaktivität offengelegt hatte. Zuletzt stand der Titel bei rund 93 USD. Insgesamt summiert sich das Minus über zwölf Monate auf rund 75%. Die 52-Wochen-Spanne zeigt die Amplitude.
Im August 2025 kostete die Aktie im Hoch 414.36 USD. Später fiel sie bis Ende Juni 2026 auf 81.81 USD. Vom Höchststand bis zum Tief verlor der Titel rund 80% seines Werts. Zwischen beiden Punkten liegen zudem weniger als elf Monate. Der aktuelle Kurs liegt rund 14% über diesem Tief. Dennoch bleibt Strategy der grösste Corporate-Halter des Tokens.
Der Kursdruck fällt mit einem schwachen Quartal zusammen. Für das zweite Quartal 2026 wies Strategy einen Nettoverlust von 8.22 Mrd. USD aus. Verantwortlich dafür ist die Fair-Value-Bewertung digitaler Vermögenswerte, die Kursrückgänge direkt in die Erfolgsrechnung trägt. Der Verlust ist folglich ein Buchwert-Effekt ohne Zahlungswirkung. Im Vorjahresquartal hatte derselbe Mechanismus hingegen einen Gewinn von 10.02 Mrd. USD erzeugt. Gleichzeitig waren die Bitcoin-Bestände im Quartal um 11% auf einen Höchststand von 846'000 $BTC gestiegen. Erst später setzte das Verkaufsprogramm ein.