Verkauf bahnte sich an
Michael Saylor ließ am Sonntag bereits durchscheinen, dass Strategy wieder Bitcoin verkauft hat.
Denn in seinem gestrigen Post zum Saylor-Tracker-Chart, mit dem die Mitteilung des Montags immer ein wenig vorweggenommen wird, schrieb er diesmal: „Bitcoin-Antrieb aktiviert.“
Das erinnert an die Formulierung, die im Kontext des Verkaufs von 3.588 $BTC zum Monatswechsel von Juni auf Juli genutzt wurde.
Damals hieß es: „Bitcoin ist digitale Energie.“
Bitcoin Drive engaged. pic.twitter.com/sFpTPiMdak
— Michael Saylor (@saylor) August 2, 2026
Dann gab es tatsächlich auch noch Bewegungen auf Adressen, die Strategy zugeordnet werden.
Laut Daten der Analyseplattform Arkham Intelligence wurden knapp 300 $BTC im Wert von circa 20 Millionen US-Dollar verschoben.
Das letzte Mal, als On-Chain-Aktivitäten beobachtbar waren, war bei dem Verkauf der 3.588 Bitcoin.
Strategy musste in der vergangenen Woche rund 50 Millionen US-Dollar an die Halter der Vorzugsaktie STRC ausschütten. Denn die zweite halbmonatliche Dividende wurde fällig.
Mitte Juli wurde für die Finanzierung noch auf die Emission von MSTR-Stammaktien gesetzt, obwohl die Aktienbewertung unter der zuvor kommunizierten Schwelle lag, ab der es eigentlich sinnvoller sein sollte, Bitcoin zu verkaufen, um Dividenden auszuschütten. Daraufhin wurde kritisiert, dass das Unternehmen schon wieder die eigenen Regeln gebrochen hätte.
Kurz darauf änderte Strategy aber die mNAV-Definition, sodass es ab einem mNAV von über 1,0 x zuträglich sein soll, MSTR zu emittieren, um Cash aufzutreiben oder $BTC zu kaufen. Das mNAV lag in der vergangenen Woche konstant über dieser Schwelle.
Was Strategy tut, ist zunehmend unvorhersehbar geworden. Dazu trägt unter anderem bei, dass regelmäßig die Cash-Reserve vergrößert wird und mittlerweile auch STRC-Aktien zurückgekauft werden.
Es ist also nicht mehr nur die Frage, ob und in welchem Ausmaß Strategy in der vergangenen Woche Bitcoin gekauft hat, sondern jetzt vielmehr: Wurden Bitcoin und/oder MSTR-Aktien verkauft, um Dividenden zu bezahlen, Cash auf die Seite zu legen und/oder STRC zurückzukaufen?
1.638 $BTC für 104,73 Millionen US-Dollar verkauft
Aus dem soeben eingereichten 8-K-Filing ging nun hervor, dass Strategy zwischen dem 27. Juli und dem 2. August insgesamt 1.638 Bitcoin bei einem Kurs von 63.957 je $BTC verkauft hat.
Die Erlöse belaufen sich auf 104,73 Millionen US-Dollar.
Dem Dokument ist außerdem zu entnehmen, dass 52,4 Millionen US-Dollar davon verwendet wurden, um die STRC-Dividende zu bezahlen. Die restlichen 52,3 Millionen US-Dollar flossen in STRC-Rückkäufe.
Strategy hält jetzt noch 842.138 $BTC, also rund 0,19 % weniger als vor dem Verkauf.
Überdies emittierte das Unternehmen MSTR-Stammaktien für 290,6 Millionen US-Dollar.
Mit 250 Millionen US-Dollar davon wurde die Cash-Reserve auf 4 Milliarden US-Dollar vergrößert, während 28,9 Millionen US-Dollar ebenfalls für STRC-Rückkäufe eingesetzt wurden. 11,7 Millionen US-Dollar landeten auf Strategys Bilanz.
Die seit Jahresauftakt erzielte „$BTC Yield“ ist im Zuge dieser Kapitalmarktaktivitäten von 4,5 auf 3,5 % gefallen. Das bedeutet, dass eine Aktie jetzt weniger $BTC repräsentiert als zuvor, da Bitcoin verkauft und neue MSTR-Aktien emittiert wurden.
Marktreaktion auf den 3. Verkauf in diesem Jahr
Unmittelbar nach der Verkaufsmitteilung, die gegen 13:55 Uhr deutscher Zeit kam, gab der Bitcoin-Kurs kurz nach, konnte sich direkt aber wieder erholen.
Als der Verkauf der 3.588 $BTC zum letzten Quartalswechsel offengelegt wurde, war die Marktreaktion ähnlich – nur in einem deutlich größeren Ausmaß.
Anders war es nach der Bekanntgabe des symbolischen Verkaufs der 32 Bitcoin am 1. Juni. $BTC fiel binnen weniger Tage von über 70.000 auf unter 60.000 US-Dollar.
Grundsätzlich ist es rational, dass der Bitcoin-Kurs nicht mehr nennenswert auf Nachrichten dieser Art reagiert.
Denn zum einen handelt es sich um einen Verkauf, der in der vergangenen Woche stattgefunden hat. Demnach ist es fast schon positiv, rückblickend zu erfahren, dass sich der Kurs trotz einer Veräußerung durch Strategy einigermaßen gut gehalten hat.
$BTC verlor in der vergangenen Woche zwar 2,82 %, doch das lag wohl nicht an Strategy. In der Woche des Verkaufs der 3.588 $BTC konnte der Kurs etwa um 6,9 % zulegen.
Im Kontext des hohen Handelsvolumens von $BTC fallen Verkäufe von wenigen Tausend $BTC nicht wirklich ins Gewicht.
Strategy-CEO Phong Le rechnete bei der Quartalspräsentation am Donnerstag vergangener Woche vor, dass, selbst wenn Strategy alle Dividendenzahlungen durch $BTC-Verkäufe finanzieren würde, dies bei aktuellen Daten nur 0,02 % des $BTC-Handelsvolumens entsprechen würde.
Weitere Verkäufe voraus?
Strategy hat jährliche Zins- und Dividendenverpflichtungen in Höhe von 1,76 Milliarden US-Dollar. Theoretisch betrachtet könnten aber auch $BTC aus anderen Gründen verkauft werden.
So wurde im Rahmen des neuen Frameworks, das Ende Juni dieses Jahres vorgestellt wurde, kommuniziert, dass Bitcoin-Verkäufe autorisiert wurden, um:
- die Cash-Reserve um 1,25 Milliarden US-Dollar zu vergrößern
- Stammaktien für bis zu 1 Milliarde US-Dollar zurückzukaufen
- Vorzugsaktien für bis zu 1 Milliarde US-Dollar zurückzukaufen
- Dividenden und Zinsen zu bezahlen
Das Rückkaufprogramm für Vorzugsaktien wurde inzwischen schon für 106,2 Millionen US-Dollar ausgeschöpft – 52,3 Millionen US-Dollar kamen dabei durch Bitcoin-Verkäufe.
Ob die verbleibenden 893,8 Millionen US-Dollar noch ausgenutzt werden und falls ja, ob dafür MSTR-Aktien oder $BTC verkauft werden, ist unklar. Möglicherweise wird das Rückkaufprogramm auch noch erweitert.
Ebenso ist offen, ob die Cash-Reserve noch durch Bitcoin-Verkäufe aufgestockt werden soll. Aktuell deckt sie 2,3 Jahre an Zahlungsverpflichtungen ab und befindet sich damit in der Zielrange von 2 bis 3 Jahren.
Inwieweit MSTR-Aktien zurückgekauft werden, dürfte derweil in erster Linie von der Aktienbewertung, also dem mNAV, abhängen, das gerade noch über 1,0 x liegt.
Unter dem Strich ist also gut vorstellbar, dass Strategy noch weitere $BTC verkaufen wird, solange sich die Marktbedingungen für das Unternehmen nicht wieder deutlich verbessern sollten.
STRC handelt trotz der Vergrößerung der Cash-Reserve und der Rückkäufe immer noch bei circa 90 US-Dollar und damit weit von der 100-US-Dollar-Zielmarke entfernt.
Erst ab einem Kurs von 100 US-Dollar sollen neue STRC-Aktien ausgegeben werden, um Bitcoin zu kaufen.
Kein Nettokäufer mehr
Als Strategy den Markt im Rahmen der Quartalspräsentation Anfang Mai für Bitcoin-Verkäufe vorbereitete, wurde klargemacht, dass das Ziel sei, ein Nettokäufer von $BTC zu bleiben.
Dieses Ziel wurde ebenso beim „Earnings Call“ am Donnerstag vergangener Woche unterstrichen.
Nach dem Verkauf der 32 Bitcoin wurden dann auch binnen weniger Wochen wieder 3.657 $BTC hinzugekauft – finanziert durch die Ausgabe von Stammaktien.
Damit war Strategy dann seit Ende Mai selbst nach dem Verkauf der 3.588 Bitcoin zum Monatswechsel von Juni auf Juli noch ein Nettokäufer.
Das hat sich mit dem Verkauf der letzten Woche aber jetzt geändert: Seit Ende Mai ist die Reserve unter dem Strich um 1.601 $BTC geschrumpft. Auf Quartalssicht gab es einen Rückgang um 3.863 $BTC.
Ob dies das erste Quartal von Strategy sein wird, in dem die Bitcoin-Bilanz gesunken ist, wird in erster Linie von den Marktbedingungen abhängen – allen voran dem STRC-Kurs und dem mNAV.
Grundsätzlich sollen die Kapitalmarktmaßnahmen der vergangenen Wochen der Stabilisierung des Geschäftsmodells dienen und somit umso mehr Bitcoin-Käufe in der Zukunft ermöglichen.
Dass sich Strategy aber inmitten eines Bitcoin-Bärenmarkts nicht die günstigen Kurse zunutze machen kann und stattdessen sogar auf der Verkäuferseite aktiv ist, hat keine allzu gute Außenwirkung.