de
Zurück zur Liste

Der Kospi schwankt stärker als Bitcoin – das steckt dahinter

source-logo  newsbit.de 03 August 2026 09:18, UTC
image

Bitcoin (BTC) gilt als extrem volatil. In diesem Jahr gibt es jedoch einen Markt, der noch stärkere Ausschläge zeigt: Südkorea.

Nach Daten von Bloomberg wich die Volatilität der täglichen Renditen des Kospi in diesem Jahr um 63 Prozent vom Durchschnitt ab. Bei Bitcoin lag dieser Wert bei 48 Prozent. Anders gesagt: Der wichtigste Aktienindex Südkoreas bewegt sich derzeit erratischer als Bitcoin.

Der südkoreanische Kospi versucht, sich wieder zu erholen. Quelle: TradingView

Der Kospi ist zur KI-Wette geworden

Der Grund liegt vor allem bei zwei Aktien: Samsung Electronics und SK Hynix. Die beiden Chipriesen liefern Speicherchips, die für den weltweiten KI-Boom entscheidend sind. Dadurch haben beide Aktien in diesem Jahr kräftig zugelegt, reagieren aber zugleich extrem empfindlich auf jede Veränderung der Stimmung rund um KI.

Das wilde Jahr von SK Hynix. Quelle: TradingView

Zusammen machen Samsung und SK Hynix inzwischen mehr als die Hälfte des Kospi aus. Werden verbundene Unternehmen und Beteiligungen mitgerechnet, fällt die Konzentration noch höher aus.

Damit ist der koreanische Aktienmarkt immer weniger ein breiter Börsenindex und immer stärker eine gehebelte KI-Wette. Wird Wall Street optimistischer für KI, ziehen Samsung und SK Hynix stark an. Zweifeln Anleger dagegen an den Ausgaben für Rechenzentren, an Bewertungen oder an der Konkurrenz aus China, gerät der gesamte Index deutlich unter Druck.

Bloomberg zufolge zeigte sich am Rekordtag des Kospi im Juni ein bezeichnendes Bild: Mehr als 650 der 831 Aktien fielen, während der Index selbst im Plus lag. Das spricht nicht für eine gesunde Marktbreite.

Hebel verstärken die Ausschläge

Die Volatilität wird durch Privatanleger zusätzlich verstärkt. Viele Retail-Investoren sind in gehebelten ETFs engagiert, die Samsung und SK Hynix abbilden. Zeitweise standen diese Fonds und die zugrunde liegenden Aktien zusammen für mehr als 70 Prozent des täglichen Handelsvolumens.

Dadurch werden Kursbewegungen vergrößert. Steigt der Markt, beschleunigt sich die Rally. Dreht die Stimmung, folgen Margin Calls, Zwangsverkäufe und Panik.

Die Korea Exchange musste den Handel in diesem Jahr bereits neunmal wegen extremer Bewegungen aussetzen. 2024 war das nur einmal der Fall. Das ist ein deutliches Signal.

Bitcoin fällt, aber weniger abrupt

Bitcoin erlebt derweil kein starkes Jahr. Der Kurs startete 2026 bei rund 88.000 Dollar und notiert inzwischen bei etwa 63.000 Dollar. Das entspricht einem Rückgang von rund 29 Prozent. Vom Rekordkurs von 126.000 Dollar aus dem Oktober 2025 ist Bitcoin sogar um fast 50 Prozent gefallen.

Dennoch verlief dieser Rückgang vergleichsweise geordnet. Der Bitcoin-Kurs fiel im Februar in Richtung 60.000 Dollar, erholte sich anschließend vorübergehend und rutschte im Juni wieder in Richtung 57.000 Dollar ab. Das ist schmerzhaft, war aber weniger sprunghaft als die Bewegungen koreanischer KI-Aktien.

Das rote Jahr für Bitcoin im Chart. Quelle: TradingView

Genau darin liegt der Unterschied. Volatilität misst nicht nur, wie stark ein Asset fällt, sondern vor allem, wie heftig die täglichen Ausschläge ausfallen.

newsbit.de