„Meiner Meinung nach ist es vorbei“
Zwischen den USA und dem Iran bahnt sich eine neue Eskalation an. Mitte Juni verständigten sich die beiden Nationen noch auf ein Friedensabkommen, das eine 60-tägige Waffenruhe vorsah. In dieser Zeit sollte über einen langfristigen Deal verhandelt werden.
Jetzt scheinen diese Fortschritte wieder zunichtegemacht worden zu sein. Denn nachdem es in den vergangenen Stunden wieder Angriffe gegeben hatte, erklärte Donald Trump heute Vormittag auf dem NATO-Gipfel in Ankara, Türkei, dass die vereinbarte Waffenruhe wieder vorbei sei.
Die Verhandlungen nannte Trump dabei eine „Zeitverschwendung“.
Meiner Meinung nach ist es vorbei. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Sie sind Abschaum. Sie sind kranke Menschen. Sie werden von kranken Menschen angeführt. Sie sind bösartige, gewalttätige Menschen. Und wenn sie eine Atomwaffe hätten, würden sie sie einsetzen. [...] Was mich betrifft, ist es eine reine Zeitverschwendung, mit ihnen zu verhandeln. Sie sind Lügner.
Donald Trump
US-Präsident @realDonaldTrump hat gerade auf dem NATO-Gipfel in der Türkei gesagt, dass seiner Meinung nach die Waffenruhe mit dem Iran wieder vorbei sei. 🇺🇸🇮🇷
— Blocktrainer (@blocktrainer) July 8, 2026
Der Bitcoin-Kurs ist in Reaktion wieder unter 62.000 US-Dollar gefallen. 📉 pic.twitter.com/yjfBUpv4Lh
Trotzdem sollen wohl weiterhin Gespräche stattfinden, auch wenn Trump diese nicht mehr für aussichtsreich zu halten scheint.
Neue Eskalation voraus?
Ob es fortan wieder stärkere kriegerische Auseinandersetzungen geben wird, ist noch unklar. Trump drohte dem Iran mehrmals mit harten Angriffen auf die Energieinfrastruktur, doch er ruderte meist wieder zurück.
Im Zentrum des Konflikts steht auch die Straße von Hormus, über die normalerweise rund 20 % des weltweiten Öltransports abgewickelt werden. Nach der Friedensvereinbarung aus dem Juni nahm der Schiffsverkehr durch die wichtige Meerenge wieder Fahrt auf.
Doch Teheran hat darauf bestanden, die Straße von Hormus zu kontrollieren, und auch angekündigt, Durchfahrtsgebühren zu erheben. Für die Mautgebühren verlangt der Iran offenbar auch Bitcoin-Zahlungen.
Sollte nun der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus wieder komplett zum Erliegen kommen, so hätte es weitreichende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Steigende Ölpreise fachen nämlich die Inflation an und nehmen so der US-Zentralbank Spielraum für Zinssenkungen.
Die US-Inflation lag für den Monat Mai bei 4,2 % und damit auf dem höchsten Niveau seit dem Frühjahr 2023.
Die Entspannung in dem Konflikt hatte dazu geführt, dass der Inflationsausblick wieder etwas nach unten korrigiert werden konnte.
In Reaktion auf die heutigen Meldungen legt der Ölpreis aber wieder deutlich zu. Laut Polymarket ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Federal Reserve in diesem Jahr noch den Leitzins anheben wird, im Zuge dessen von circa 50 auf 56 % gestiegen.
Abgabedruck an den Märkten
Sowohl Bitcoin als auch die Aktienmärkte handelten in der Nacht bereits schwächer, nachdem der Iran drei Tanker attackierte und die USA laut eigener Angabe Luftangriffe auf 80 Ziele im Iran vornahmen.
Im Zuge der Aussagen von Donald Trump gab es dann einen weiteren Kursrutsch. Bitcoin fiel binnen einer Stunde von knapp 62.900 auf unter 61.700 US-Dollar.
Am Montag stieg BTC noch über 64.400 US-Dollar und damit auf das höchste Niveau seit dem 22. Juni.
Die naheliegendste Erklärung für die aktuelle Bitcoin-Schwäche: Vermögenswerte, die von einer lockereren Geldpolitik profitieren, fallen im Kurs, wenn eine höhere Inflation und infolgedessen auch weniger Zinssenkungen beziehungsweise sogar Zinsanhebungen eingepreist werden.
Außerdem wirken sich geopolitische Unsicherheiten tendenziell eher negativ auf die Märkte aus. Interessanterweise ist auch das Krisenmetall Gold heute in Reaktion im Kurs gefallen. Bei Gold scheint – so wie auch bei Bitcoin – momentan in erster Linie die antizipierte Zinsentwicklung die größte Rolle zu spielen.
Beide Assets gerieten unter Druck, nachdem Kevin Warsh von Trump als neuer Fed-Chef nominiert wurde. Seine erste Notenbanktagung als Fed-Vorsitzender im Juni wurde zudem als eher hawkish aufgefasst, woraufhin es weiter bergab ging.
Die Entwicklungen im Irankrieg dürften demnach große Auswirkungen auf die weitere Kursperformance von Bitcoin haben. Überraschend war dennoch, dass sich Bitcoin nach dem Beginn des Konflikts lange Zeit deutlich besser schlagen konnte als Gold oder die Aktienmärkte.
Ein weiteres Problem ist, dass höhere Inflationsraten sowie keine nachhaltige Lösung mit dem Iran den Zustimmungswerten von Trump beziehungsweise den Republikanern schaden dürften. Im November stehen die Midterm-Wahlen an, bei denen Teile des Senats sowie das gesamte Repräsentantenhaus neu gewählt werden.
Sollten die Demokraten danach – wie momentan antizipiert – das Repräsentantenhaus dominieren, könnte es erschwert werden, Pro-Krypto-Gesetze durch den Kongress zu bekommen. Beim wichtigen Krypto-Marktstrukturgesetz CLARITY Act steht noch die Abstimmung im Senatsplenum aus.