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Bitcoin unter 60.000 Dollar: Inflation schockt Märkte – Analysten warnen vor weiterem Rückschlag

source-logo  decentralist.de 26 Juni 2026 09:06, UTC
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Bitcoin ist zum Wochenschluss massiv unter Druck geraten. Nach überraschend hohen US-Inflationsdaten fiel die größte Kryptowährung zeitweise auf rund 58.000 Dollar und markierte damit den tiefsten Stand seit September 2024. Gleichzeitig wurden innerhalb weniger Stunden gehebelte Positionen im Milliardenumfang liquidiert, während mehrere technische Indikatoren nun auf weiteres Abwärtspotenzial hindeuten.

Auslöser der Verkaufswelle waren die jüngsten Inflationsdaten aus den USA. Der von der US-Notenbank besonders beachtete PCE-Preisindex stieg im Mai um 4,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Auch auf Monatsbasis fiel der Anstieg mit 0,4 Prozent höher aus. Die Daten nährten erneut die Sorge, dass die Federal Reserve ihren restriktiven Kurs länger beibehalten oder die Zinsen sogar nochmals anheben könnte.

An den Aktienmärkten sorgten die Zahlen zunächst ebenfalls für kräftige Ausschläge. Besonders der Nasdaq 100 verlor kurz nach Handelsbeginn innerhalb von nur 30 Minuten rund zwei Prozent. Im weiteren Verlauf stabilisierten sich die Börsen jedoch wieder, während Bitcoin seine Verluste kaum aufholen konnte.

Milliarden-Liquidationen verstärken den Verkaufsdruck

Mit dem Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von 60.000 Dollar setzte am Kryptomarkt eine Kettenreaktion ein. Bereits innerhalb einer Stunde wurden laut CoinGlass Positionen im Wert von mehr als 600 Millionen Dollar liquidiert. Insgesamt summierten sich die aufgelösten gehebelten Long-Positionen auf über eine Milliarde Dollar.

Einige Marktbeobachter sehen darin nicht nur eine normale Marktreaktion. Der unter dem Pseudonym Killa bekannte Trader sprach von einer gezielten Liquiditätsjagd. Unterhalb der Marke von 60.000 Dollar hätten sich zahlreiche Stop-Loss-Orders angesammelt, weshalb größere Marktteilnehmer gezielt Verkaufsdruck erzeugt haben könnten, um diese Liquidität abzuschöpfen.

Technische Analyse spricht für weitere Verluste

Mit dem Bruch der 60.000-Dollar-Marke haben sich aus charttechnischer Sicht gleich mehrere bearishe Signale aktiviert. Sowohl ein sogenanntes Rounded-Top-Muster auf dem Vier-Stunden-Chart als auch eine Bear-Flag-Formation auf Tagesbasis projizieren ein nahezu identisches Kursziel im Bereich von 54.000 Dollar.

Unterstützung erhält dieses Szenario auch von On-Chain-Daten. Die MVRV-Bänder von Glassnode zeigen, dass sich das 1,0-MVRV-Niveau aktuell bei rund 53.400 Dollar befindet. Dieser Bereich entspricht dem durchschnittlichen Einstandspreis vieler Marktteilnehmer und gilt daher als potenziell starke Unterstützungszone.

Sollte auch diese Marke nicht halten, rückt aus historischer Sicht sogar der Bereich um 42.700 Dollar in den Fokus. Dort verläuft aktuell das 0,8-MVRV-Band, an dem frühere Bitcoin-Bärenmärkte häufig ihren Tiefpunkt ausgebildet haben.

Analysten sehen Parallelen zum Bärenmarkt 2022

Mehrere bekannte Marktanalysten ziehen inzwischen Vergleiche zum Verlauf des Bitcoin-Bärenmarktes im Jahr 2022.

Der Analyst Rekt Capital weist darauf hin, dass die Unterstützung bei 60.000 Dollar zunehmend an Stabilität verliere. Entscheidend werde nun der Monatsschluss sein. Erst danach lasse sich beurteilen, ob im Juli eine technische Erholungsbewegung möglich sei. Gleichzeitig könnte die 50-Monats-Linie nun als neuer Widerstand fungieren.

Auch Niels Klaver sieht den Markt in der möglicherweise letzten Abwärtsphase des aktuellen Zyklus. Sein kurzfristiges Kursziel liegt bei rund 55.000 Dollar.

ETF-Abflüsse und Zinserwartungen belasten zusätzlich

Neben der Charttechnik verschlechtern sich derzeit auch mehrere fundamentale Faktoren für Bitcoin.

US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten zuletzt Nettoabflüsse von rund 469 Millionen Dollar an nur einem Handelstag. Da die ETF-Zuflüsse als wichtiger Indikator für institutionelle Nachfrage gelten, werten viele Anleger diese Entwicklung als Warnsignal.

Hinzu kommt, dass sich die Zinserwartungen zuletzt deutlich verschärft haben. Laut CME FedWatch rechnen inzwischen rund 80 Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinserhöhung der US-Notenbank bis Dezember. Vor einem Monat lag diese Wahrscheinlichkeit noch bei lediglich 68 Prozent. Gleichzeitig rentieren fünfjährige US-Staatsanleihen inzwischen bei rund 4,15 Prozent und stellen damit für viele Investoren eine zunehmend attraktive Alternative zu unverzinsten Anlagen wie Bitcoin dar.

KI-Aktien ziehen Kapital an

Während Bitcoin unter Druck steht, fließt weiterhin Kapital in den Technologiesektor. Unternehmen wie Micron, Sandisk und Applied Materials überraschten zuletzt mit starken Quartalszahlen und zweistelligen Kursgewinnen. Zusätzlich unterstützt die US-Regierung den Ausbau der KI-Infrastruktur mit milliardenschweren Förderprogrammen, Investitionen in Quantencomputer sowie neuen Rahmenbedingungen für Rechenzentren.

Dadurch verschiebt sich die Risikobereitschaft vieler Anleger derzeit zugunsten von Technologieaktien, während Bitcoin gleichzeitig unter höheren Zinsen, ETF-Abflüssen und schwächerer Marktstimmung leidet.

Optionsmarkt spricht ebenfalls gegen schnelle Erholung

Zusätzlichen Gegenwind liefert der Terminmarkt. Am Freitag laufen Bitcoin-Optionen im Gesamtwert von rund 13 Milliarden Dollar aus. Auffällig ist dabei die Positionierung der Marktteilnehmer: Rund 78 Prozent aller Call-Optionen liegen bei Ausübungspreisen von mindestens 72.000 Dollar und dürften damit wertlos verfallen. Gleichzeitig übersteigt das Open Interest der Put-Optionen jenes der Calls um rund 3,4 Milliarden Dollar.

Diese Konstellation deutet darauf hin, dass der Optionsmarkt kurzfristig weiterhin eher fallende oder zumindest anhaltend schwache Kurse einpreist.

Damit richtet sich der Blick der Anleger nun vor allem auf die Zone zwischen 53.000 und 54.000 Dollar. Dort treffen mehrere technische und fundamentale Unterstützungen zusammen. Ob dieser Bereich einen neuen Boden bilden kann oder sich die Korrektur weiter ausweitet, dürfte maßgeblich davon abhängen, ob sich die Inflationssorgen und die Unsicherheit über den weiteren Zinspfad der US-Notenbank in den kommenden Wochen wieder entspannen.

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