Auf der Derivatebörse Deribit sind rund 2,9 bis 3 Milliarden US-Dollar an Bitcoin- und Ethereum-Optionen verfallen – und die beiden Assets erzählten dabei zwei völlig unterschiedliche Geschichten. Bitcoin blieb mit einer Put-to-Call-Ratio von 0,76 deutlich call-lastig, während Ethereum bei 0,89 spürbar defensiver positioniert war. Ob daraus kurzfristig zusätzliche Volatilität am Gesamtmarkt entsteht, ist eine mögliche Folge, keine ausgemachte Sache.
Verfall im Detail: Klarer Bias-Unterschied zwischen $BTC und $ETH
Von den gut 3 Milliarden Dollar entfiel der Löwenanteil auf Bitcoin: Rund 2,53 Milliarden Dollar an $BTC-Optionen liefen aus, verglichen mit 406 bis 425 Millionen Dollar bei Ethereum. Eine Put-to-Call-Ratio unter 1 bedeutet mehr Call- als Put-Positionen im Open Interest – bei Bitcoin ein klar bullisches Bild.
Ethereums Ratio von 0,89 liegt spürbar näher an der Parität und signalisiert eine defensivere Grundhaltung der Trader. Die sogenannten Max-Pain-Niveaus, jene Kursmarken, zu denen Spotpreise rund um den Verfall tendenziell gezogen werden, lagen laut Deribit-Daten bei etwa 75.000 Dollar für Bitcoin und rund 2.150 Dollar für Ethereum. Wer sich näher mit den relevanten Kursmarken und Risiken rund um Bitcoin-Optionsverfälle beschäftigen will, findet dazu eine ausführlichere Einordnung.
Gamma-Hedging und die Nachwehen der Liquidation
Die verstärkte Nachfrage nach Put-Absicherung bei Ethereum kam laut Analysen von Greeks.live und Deribit nicht aus dem Nichts. Sie baute sich nach einer Liquidationswelle auf, die Bitcoin zwischenzeitlich unter die Marke von 70.000 Dollar drückte – ein Ereignis, das offenbar genug Nervosität erzeugte, um $ETH-Trader zu vorsichtigerer Positionierung zu bewegen.
Verfälle dieser Größenordnung wirken über einen Mechanismus namens Gamma-Hedging in den Markt hinein. Händler, die die Optionen verkauft hatten, sicherten ihre Positionen durch Käufe oder Verkäufe des zugrunde liegenden Assets ab. Läuft die Option aus, werden diese Hedges aufgelöst, was kurzfristig zu Kauf- oder Verkaufsdruck führen kann. Wie sich das auf die Nachfrageseite bei Ethereum auswirkt, hängt auch damit zusammen, wie stark ETF-Zuflüsse und Verkaufsdruck im Terminmarkt derzeit zusammenspielen.
Gedämpfte Reaktion trotz Milliardenvolumen
Die unmittelbaren Auswirkungen des Verfalls fielen laut Primärdaten vergleichsweise verhalten aus. Eine mögliche Erklärung: Der Markt hatte sich nach der vorangegangenen Liquidationsbewegung bereits stabilisiert, sodass die typischen Kursausschläge rund um das Settlement ausblieben.
Der Gegensatz zwischen bullisher $BTC-Positionierung und defensiver $ETH-Ausrichtung bleibt dennoch die zentrale Beobachtung dieses Verfalls. Plattformen wie Deribit, Greeks.live und Laevitas liefern inzwischen granulare Einblicke in solche Optionsflüsse, wodurch sich diese wiederkehrenden Muster zunehmend präzise nachzeichnen lassen.
Was als Nächstes zu beobachten ist
In den kommenden Tagen dürfte relevant sein, ob sich Bitcoin und Ethereum den genannten Max-Pain-Niveaus von rund 75.000 beziehungsweise 2.150 Dollar annähern oder sich davon entfernen. Das Auflösen der Dealer-Hedges kann dabei zusätzliche kurzfristige Kauf- oder Verkaufsimpulse erzeugen.
Laut Primärquelle reihen sich Verfälle dieser Größenordnung inzwischen regelmäßig in den Krypto-Kalender ein – ähnliche Notionalwerte im Bereich von 2 bis über 3 Milliarden Dollar wurden bereits im Dezember 2025 und Januar 2026 verzeichnet. Ob sich das Muster einer relativ defensiveren $ETH-Positionierung gegenüber Bitcoin fortsetzt, dürfte sich erst bei den nächsten großen Verfallsterminen zeigen.
coin-update.de