Diese Woche wurden mehrere der größten Hedgefonds an der Wall Street Ziel einer Welle von versuchten Cyberangriffen. Berichten zufolge gehören dazu Point72 Asset Management, Citadel, Two Sigma Investments und Millennium Management.
Angreifer sollen Voice-Phishing ( Vishing), um Mitarbeiter zur Preisgabe ihrer Zugangsdaten (Benutzername und Passwort) oder zum Zugriff auf interne Systeme zu verleitendentDies verdeutlicht die stetig wachsende Gefahr, die von KI-gestütztem Social Engineering für Finanzinstitute ausgeht.
Trotz der zahlreichen Schlagzeilen gab es bisher keine größeren Auswirkungen auf die Kryptomärkte. Händler beobachten lediglich die weitere Entwicklung der Angriffe und ob diese sich auf traditionelle Finanzinstitute beschränken oder auf Handelsfirmen, Börsen und Verwahrstellen des Krypto-Ökosystems ausweiten werden.
Bitcoin und Ether behaupten sich stabil
-Kurs Bitcoin bei rund 64.500 US-Dollar Glassnodeund verzeichnete damit einen leichten Anstieg von etwa 1 % in der vergangenen Woche. Der Ether-Kurs (ETH) notierte bei rund 1.900 US-Dollar und gab geringfügig um 0,5 % nach. Das Gesamtvolumen des Kryptowährungsmarktes blieb bei rund 2,3 Billionen US-Dollar.
Die traditionellen Märkte haben sich ähnlich verhalten. Laut TradingView liegt der CBOE Volatility Index (VIX), auch „Angstindex“ der Wall Street genannt, bei etwa 15,8. Obwohl er in den letzten 24 Stunden um rund 2,7 % gestiegen ist, liegt er immer noch niedriger als vor fünf Handelstagen, was darauf hindeutet, dass Anleger keinen Grund zur Panik haben.
Die verhaltene Reaktion ist bemerkenswert, da Hedgefonds digitalen Vermögenswerten zunehmend Aufmerksamkeit schenken. Einige große Unternehmen haben quantitative und kryptobezogene Strategien eingeführt, während Firmen wie Citadel Securities die Liquidität an den Finanzmärkten verbessert haben.
Da einige Hedgefonds dieselben Prime-Brokerage-Netzwerke zur Finanzierung von Investitionen in Aktien, Derivate und digitale Vermögenswerte nutzen, könnte der Cyberangriff den Handel stören, ohne direkt eine Kryptowährungsbörse anzugreifen. Bislang scheinen die Anlegerdenteher als operative Probleme denn als potenzielle Bedrohung für den Markt zu betrachten.
Warum Kryptowährungen im Explosionsradius liegen
Da Cyberkriminalität häufig mit Kryptowährungen verknüpft ist, beobachten Krypto-Investoren die Entwicklung aufmerksam. Im aktuellen Bericht „Navigating Cyber 2025“ von FS-ISAC, einer gemeinnützigen Organisation, die über 5.000 Banken Cybersicherheit bietet, wird darauf hingewiesen, dass Kriminelle Echtzeit-Zahlungssysteme und Kryptowährungen häufig für den Transfer gestohlener Gelder ausnutzen, was die Rückgewinnung nahezu unmöglich macht.
Der Bericht zeigt auch den Wandel der Cyberkriminalität infolge generativer KI auf. Kriminelle nutzen KI-Technologie, um Deepfake-Imitatoren zu erstellen, die hochrangigen Führungskräften ähneln, mit ihnen kommunizieren und sich verhalten. Dadurch werden Phishing-Angriffe deutlich vereinfacht und leichter durchführbar.
„Die Ergebnisse des Berichts unterstreichen die Komplexität und Unvorhersehbarkeit der heutigen Bedrohungslandschaft“, sagte Steven Silberstein, CEO von FS-ISAC. Er erklärte weiter, dass die Abhängigkeit von vernetzten Technologieanbietern und externen Zulieferern im Finanzsektor zugenommen habe.
Die Wahl der richtigen Anlageziele ist ebenfalls entscheidend. Große Multi-Strategie-Fonds wickeln ein enormes Handelsvolumen mit Aktien, Anleihen, Derivaten und häufig auch Kryptowährungen ab. Selbst ein geringfügiger Vorfalldent die Integrität von Kundengeldern gefährdet, kann zu Schwierigkeiten bei der Ausführung von Transaktionen auf verschiedenen Märkten führen, da interne Abläufe oder Mitarbeiterkonten beeinträchtigt werden.
Derzeit gibt es nur wenige Anhaltspunkte, die diese Ansicht stützen. Point72 teilte Reuters mit, dass die Anleger darüber informiert wurden, dass keine Kundendaten kompromittiert wurden. Auch Citadel erklärte, keinen erfolgreichen Angriff erlitten zu haben. Darüber hinaus ist nicht bekannt, ob Kryptobörsen, Kryptoverwahrer oder Blockchain-Infrastrukturanbieter betroffen waren.
Was die Offenlegungsfrist verlangt
Die Ereignisse lenkten auch die Aufmerksamkeit auf die Regeln zur Offenlegung von Cybersicherheitsvorfällen. Seit 2023 verpflichtet die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde (SEC) alle börsennotierten Unternehmen, jedendentinnerhalb von vier Werktagen nach Feststellung der Wesentlichkeit des Vorfallsdent.
Laut Forschungsergebnissen scheinen Anleger begonnen zu haben, die Risiken der Unternehmen, in die sie investieren, stärker zu berücksichtigen. Eine Studie des Swiss Finance Institute ergab, dass Portfolios mit einem Schwerpunkt auf Unternehmen mit einem relativ hohen Cyberrisiko eine jährliche Überrendite von 18,72 % erzielten. Dies deutet darauf hin, dass Anleger für die Übernahme solcher Risiken einen höheren Preis bereit sind.
Auch die Versicherungsbranche steht vor ähnlichen Problemen. Mario Greco, CEO der Zurich Insurance Group, warnte, dass komplexe Cyberangriffe mittlerweile „nicht versicherbar“ seien. Daher wurde die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit zwischen Regierungen und Versicherungsunternehmen zur Bewältigung systemischer Cyberrisiken betont. Für Krypto-Unternehmen kann die Situation deutlich prekärer sein, da ihnen nur wenige Cyberversicherungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Als nächstes muss überlegt werden, ob die Kampagne über den konventionellen Finanzsektor hinausgeht. Laut Financial Times Untersuchungen bei mehreren Unternehmen, es gibt aber bisher keine Hinweise darauf, dass Handelsinfrastruktur oder Vermögenswerte von den Ereignissen betroffen waren.
Sollten künftige Angriffe zu weiteren Störungen des normalen Marktbetriebs führen, könnte sich herausstellen, dass die ruhige Reaktion des Kryptomarktes der Vergangenheit angehört.