Die Sicherheitsdebatte im Kryptosektor verlagert sich zunehmend aus dem Code in die reale Welt. Nicht nur Hacks, Phishing und Smart-Contract-Fehler bereiten Unternehmen Sorgen. Immer häufiger geht es um Entführungen, Einbrüche und direkte Gewalt gegen Personen mit Zugang zu digitalen Vermögenswerten.
Physische Angriffe werden zum teuren Unternehmensrisiko
Sogenannte „Wrench Attacks“ sind für die Branche besonders unangenehm, weil sie technische Schutzmaßnahmen umgehen. Eine Hardware-Wallet, Multi-Sig-Struktur oder Cold-Storage-Lösung hilft nur begrenzt, wenn Angreifer versuchen, Menschen persönlich zur Herausgabe von Zugangsdaten oder zur Freigabe von Transaktionen zu zwingen.
The crypto industry is beefing up security everywhere it can after a 75% jump in attacks on digital asset holders last year https://t.co/B6AxrvKSl5
— Bloomberg (@business) May 19, 2026
Genau deshalb erhöhen Börsen und bekannte Krypto-Figuren ihre Sicherheitsbudgets. Coinbase gab laut aktueller Proxy-Meldung im Jahr 2025 rund 8,7 Millionen Dollar für Sicherheit und damit verbundene Schutzmaßnahmen rund um CEO Brian Armstrong aus. Ein Jahr zuvor lagen die Kosten noch bei etwa 6,2 Millionen Dollar.
Der Anstieg zeigt, wie ernst große Krypto-Unternehmen das Thema inzwischen nehmen. Führungskräfte sind nicht nur öffentliche Gesichter, sondern oft auch Symbolfiguren für Vermögen, Plattformen und potenziellen Zugriff auf Kundensysteme. Selbst wenn sie keinen direkten Zugriff auf Börsenreserven haben, reicht die Wahrnehmung manchmal aus, um sie zum Ziel zu machen.
Gemini zahlt monatlich für Schutz und Risikoberatung
Auch Gemini weist hohe Sicherheitsausgaben aus. Die jüngste Einreichung zeigt, dass das Unternehmen Winklevoss Capital Management monatlich 400.000 Dollar für Executive Protection, sichere Transporte und Risikoberatung zahlt. Abgedeckt sind der CEO, der Präsident und deren Familien.
Für den Kryptomarkt ist das ein nüchterner Reifeprozess. Je größer private Vermögen, Börsenbewertungen und Treasury-Bestände werden, desto stärker ähneln Sicherheitsanforderungen denen von Banken, Hedgefonds oder Rohstoffhändlern. Der Unterschied: Krypto-Transaktionen können schnell, global und oft unwiderruflich erfolgen.
Damit wird persönliche Sicherheit Teil der operativen Infrastruktur. Diskretion, Reiserouten, Wohnsitzschutz, digitale Hygiene und interne Zugriffskontrollen gehören inzwischen zusammen. Für Krypto-Unternehmen ist das teuer. Aber die Alternative wäre, ein finanzielles und reputatives Risiko zu unterschätzen, das längst nicht mehr theoretisch ist.