Nordkoreanische Hacker:innen haben es auf sensible Unternehmensdaten und Geschäftsgeheimnisse abgesehen. Dazu rekrutieren sie gezielt Helfer:innen, die sie vor Ort dabei unterstützen sollen, sich in große US-Unternehmen einzuschleusen. Wie Tom’s Hardware berichtet, wurden in diesem Zusammenhang jetzt erneut zwei Männer zu Haftstrafen verurteilt.
Hacker:innen bekommen Hilfe von außen
Viele nordkoreanische Hacker:innen bewerben sich gezielt auf Remote-Stellen. Moderne Technologien erleichtern es ihnen dabei zunehmend, ihre wahre Identität zu verschleiern und sich als ideale Kandidat:innen auszugeben. Mithilfe von KI-Tools erstellen sie täuschend echte Lebensläufe, professionelle Bewerbungsfotos und ganze Linkedin-Profile. Werden sie eingestellt, können sie sensible Daten stehlen oder Schadsoftware einschleusen. Das Ausmaß des Problems wächst: Laut dem Beratungsunternehmen Gartner wird bis 2028 voraussichtlich jede vierte Bewerbung gefälscht sein.
Um ans Ziel zu gelangen, greifen die Hacker:innen auch auf externe Unterstützung zurück. Das abgeschottete Land soll unter anderem auf LinkedIn US-Bürger:innen kontaktiert haben, damit sie Fake-ITlern gegen Bezahlung Zugang zu Systemen von US-Unternehmen verschaffen. Christina Chapman war eine dieser Helfer:innen. Zu ihren Aufgaben gehörte unter anderem das Entgegennehmen und Weiterleiten von Firmenlaptops und Gehaltszahlungen nach Nordkorea. Bei einer Razzia stellte das FBI in ihrer Wohnung 90 Computer sicher. Über Chapman sollen allein in drei Jahren rund 17 Millionen Dollar nach Nordkorea geflossen sein. Sie wurde im Jahr 2025 zu einer 8,5-jährigen Haftstrafe sowie zu einer Geldstrafe in sechsstelliger Höhe verurteilt.
Wer für Nordkorea hackt, gehört zur Elite
Jetzt wurden erneut zwei Männer verurteilt: Die beiden Amerikaner erhielten jeweils 18 Monate Haft, da sie nordkoreanische Fake-ITler unterstützt hatten. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie in ihren Wohnungen Laptops aufgestellt hatten, über die Nordkoreaner:innen unter falschen Identitäten bei US-Unternehmen als IT-Fachkräfte arbeiteten. Auch zahlreiche Fortune-500-Unternehmen sollen auf diese Weise infiltriert worden sein. Eine gemeinsame Studie von IBM X-Force und Flare Research schätzt, dass Nordkorea auf diese Weise schon Einnahmen in Höhe von rund 500 Millionen Dollar erzielt hat.
Die Ausbildung nordkoreanischer Hacker:innen ist staatlich organisiert. Mathematisch begabte Kinder werden früh gefördert und lernen zunächst an einfachen Computern das Programmieren. Nach der Schulzeit folgt eine gezielte Spezialisierung auf verschiedene subversive Aufgaben. Für Nordkoreaner:innen ist dieser Karriereweg erstrebenswert, denn er eröffnet den Zugang zur intellektuellen Elite des Landes. Damit dürfen sie auf ein deutlich besseres Leben hoffen als der Rest der normalen Bevölkerung. Die genaue Anzahl nordkoreanischer IT-Agent:innen ist schwer zu ermitteln – Schätzungen reichen von 3.000 bis 100.000 Personen. Laut Fortune fließen die erbeuteten Gelder in die Finanzierung von Massenvernichtungswaffen.