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Paraguay plant erstes staatliches Bitcoin-Mining-Projekt

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Nachdem in den vergangenen Jahren zahlreiche Mining-Geräte aus illegal betriebenen Anlagen in Paraguay beschlagnahmt wurden, möchte das Energieunternehmen des Landes nun mit dieser Hardware die ersten staatlich betriebenen Bitcoin-Mining-Anlagen errichten.

Illegales Mining in Paraguay

Paraguay hat sich nach dem Mining-Verbot in China im Jahr 2021 zu einem beliebten Standort für Mining-Unternehmen entwickelt. Der Grund ist die reichlich vorhandene und sehr günstige Energie aus Wasserkraft, die größtenteils vom Itaipú-Staudamm erzeugt wird – einem der größten Wasserkraftwerke der Welt. Das südamerikanische Land verbraucht jedoch nur einen kleinen Teil dieses Stroms selbst und verkauft den Großteil zu relativ niedrigen Preisen ins Ausland, etwa nach Brasilien.

Bitcoin-Mining erzeugt im Inland zusätzliche Nachfrage nach überschüssigem Strom, schuf wirtschaftliche Anreize und führte letztlich zu einem Wachstum der Branche. Laut Hashrate-Index liegt Paraguay derzeit mit rund 43 EH/s und einem Anteil an der globalen Hashrate von etwa 4 % hinter den drei größten Mining-Nationen – den USA, Russland und China.

Die günstige Energie führte jedoch auch zu zahlreichen illegalen Aktivitäten. Mining-Unternehmen zahlen in Paraguay höhere Stromtarife als andere Industrien und Privathaushalte. Um diesen Kosten zu entgehen, betrieben viele die Anlagen ohne die erforderliche Lizenz im Verborgenen und zapften Strom illegal an. Andere machten falsche Angaben bei der Unternehmensregistrierung, um niedrigere Stromtarife zu erhalten.

Durch diese illegalen Anlagen hatte das staatliche Energieversorgungsunternehmen Paraguays, Administración Nacional de Electricidad (ANDE), mit zahlreichen Stromausfällen und erheblichen wirtschaftlichen Verlusten zu kämpfen. Dies führte schließlich zu verschiedenen Gesetzesentwürfen und Maßnahmen gegen illegales Bitcoin-Mining, bei denen zahlreiche Mining-Geräte vom Netz genommen und beschlagnahmt wurden.

Eigentlich sollte die konfiszierte Hardware verkauft und die Erlöse ANDE zugutekommen. Stattdessen stapelten sich die ASIC-Miner lange Zeit ungenutzt in Lagerhallen.

Laut Bitcoin Magazine scheinen ANDE und das KI- und Infrastrukturunternehmen Morphware nun eine Lösung für die ungenutzte Mining-Hardware und die überschüssige Wasserkraft gefunden zu haben. Beides soll die Grundlage für das erste staatliche Bitcoin-Mining-Projekt von Paraguay bilden.

Initiative von ANDE und Morphware

Die beiden Unternehmen haben in einer Absichtserklärung eine öffentlich-private Partnerschaft im Energiesektor vereinbart, um die Rolle des Bitcoin-Minings als Chance auf nationaler Ebene zu untersuchen. Morphware fungiert dabei als Berater des Energieversorgers, stellt technisches Fachwissen bereit und führt Schulungen zum Mining-Betrieb und zur Netzintegration durch.

Unterzeichnung der Absichtserklärung, Quelle: 𝕏

Das Unternehmen hat vorgeschlagen, bestehende Versorgungsgebäude in der Nähe von Umspannwerken in regulierte Mining-Anlagen umzubauen und unter der Aufsicht von ANDE zu betreiben. Dabei sollen zunächst die von der Regierung beschlagnahmten Mining-Geräte zum Einsatz kommen. Kenso Trabing, Gründer und CEO von Morphware, spricht von rund 30.000 ASICs.

Ziel ist es, ungenutzten Strom und ungenutzte Hardware innerhalb eines regulierten Rahmens in eine zusätzliche Einnahmequelle umzuwandeln. Später könnte das Modell ausgeweitet werden, indem Paraguay neue Mining-Hardware über Finanzprodukte monetarisiert, die an die zukünftige Bitcoin-Produktion gekoppelt sind, so Trabing.

Debatte um geschürfte Bitcoin

Was mit den in Paraguay geschürften Bitcoin geschieht, wird derzeit intensiv diskutiert:

  • Einige Regierungsvertreter wollen die gemineten $BTC direkt verkaufen, um sofortige Staatseinnahmen zu generieren, die etwa für Sozialprogramme, Bildung oder Infrastruktur verwendet werden könnten.
  • Andere schlagen vor, einen Teil der Bitcoin zu behalten und damit eine strategische $BTC-Reserve aufzubauen, um von möglichen zukünftigen Preissteigerungen zu profitieren.
  • Morphware empfiehlt, die Einnahmen über Derivate ($BTC-Futures) an US-Börsen abzusichern, um Preisrisiken zu reduzieren und Einnahmen zu stabilisieren.

Da die Systeme der Regierung Paraguays in der Vergangenheit mehrfach gehackt wurden, rät Morphware jedoch davon ab, Regierungsbehörden direkt mit der Verwahrung der Bitcoin zu betrauen. Dass staatliche Institutionen bislang nur begrenzte Erfahrung im Umgang mit Bitcoin-Verwahrung besitzen, zeigen auch andere Beispiele aus Ländern wie Südkorea und sogar den USA.

Das Vorhaben von ANDE und Morphware könnte damit nicht nur eine Lösung für Paraguays Überschuss an Mining-Hardware und Wasserkraft sein, sondern auch den Übergang vom Kampf gegen illegales Mining hin zu einer staatlich organisierten Nutzung dieser Ressourcen markieren – mit Bitcoin als potenziell neuem Baustein der Energie- und Wirtschaftspolitik des Landes.

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