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Mining-Unternehmen im KI-Shift: Core Scientific erwägt Verkauf der gesamten Bitcoin-Bilanz

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Das Mining-Unternehmen Core Scientific hat gestern die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vorgestellt. Im Rahmen dessen gab die US-amerikanische Aktiengesellschaft bekannt, im Januar bereits 1.924 Bitcoin verkauft zu haben. Doch damit nicht genug: Außerdem wurde angekündigt, dass nahezu der gesamte Bitcoin-Bestand noch veräußert werden soll, um die Neuausrichtung in Richtung KI zu finanzieren. Damit reiht sich Core Scientific in den großen Trend der Mining-Unternehmen ein, die ihre Bitcoin abstoßen, um das Geschäftsmodell um KI zu erweitern.

Anders als bei „Bitcoin Treasury Companies“ wie Strategy ist es bei Mining-Unternehmen so, dass diese häufig auf der Verkäuferseite zu finden sind. Miner erzielen ihre Umsätze nämlich in $BTC, die sie dann – zumindest teilweise – in Cash umwandeln müssen, um ihre Kosten zu decken.

Das hinderte viele börsennotierte Mining-Unternehmen aber nicht daran, in den vergangenen Jahren teils große Bitcoin-Reserven aufzubauen. MARA Holdings hält beispielsweise 53.882 $BTC auf der Bilanz, womit es die Aktiengesellschaft mit dem zweitgrößten Bitcoin-Bestand ist.

Mining-Unternehmen im KI-Fieber

In den vergangenen Monaten hat sich nun aber ein neuer Trend etabliert: Die meisten Mining-Unternehmen befinden sich in dem Prozess, ihr Geschäft um Künstliche Intelligenz (KI) und „High Performance Computing (HPC)” zu erweitern.

Im Rahmen des aktuellen KI-Hypes und der Milliardeninvestitionen in KI-Rechenzentren ist da wohl gerade mehr Geld zu holen als durch normales Bitcoin-Mining. Außerdem haben die Mining-Unternehmen die nötige Infrastruktur beziehungsweise Rechenzentren, um diese leicht für KI-Anwendungen zur Verfügung zu stellen.

Dieser unternehmerische Shift wird an der Börse im Regelfall durch steigende Notierungen honoriert, was im zweiten Schritt dazu zu führen scheint, dass sich immer mehr Miner dem Trend anschließen – und für die Expansion sogar Bitcoin verkaufen:

  • Riot Platforms gab Mitte Januar einen 10-Jahres-Deal mit dem Chipunternehmen AMD bekannt und verkündete im gleichen Zug, 1.080 Bitcoin verkauft zu haben, um zusätzliches Land an einem Standort zu erwerben.
  • Cango teilte Anfang Februar mit, die Bitcoin-Bilanz von 8.096 auf 3.645 $BTC reduziert zu haben, um die KI-Neuausrichtung zu finanzieren und Schulden zurückzubezahlen.
  • Bitdeer veröffentlichte ein wöchentliches Update, aus dem hervorging, dass das nach Hashrate größte Mining-Unternehmen den Bitcoin-Bestand auf 0 reduziert hat.

Jetzt gibt es diesbezügliche Nachrichten auch von Core Scientific, einem ebenfalls großen Mining-Unternehmen, das sich in der KI-Neuausrichtung befindet. Die Aktiengesellschaft hat seit Jahresauftakt nämlich bereits 1.924 $BTC abgestoßen und stellt weitere Verkäufe in Aussicht.

Core Scientific trennt sich von Bitcoin

Am Montag stellte Core Scientific die Zahlen für das vierte Quartal 2025 vor. Aus dem 10-K-Filing wird ersichtlich, dass die Aktiengesellschaft zum Ende des Jahres 2.537 $BTC auf der Bilanz hielt, die alle durch das Mining akkumuliert wurden:

Zum 31. Dezember 2025 hielten wir 2.537 Bitcoin mit einem Buchwert von 222,0 Millionen US-Dollar, die alle aus unserem Bitcoin-Mining-Betrieb stammten.
Core Scientific im 10-K-Filing vom 2. März 2026

Doch in dem Dokument heißt es weiter, dass seither schon 1.924 $BTC verkauft wurden.

Nach dem 31. Dezember 2025 und bis zum 26. Februar 2026 verkaufte das Unternehmen 1.924 Bitcoin für einen Gesamtbetrag von 175,9 Millionen US-Dollar.
Core Scientific im 10-K-Filing vom 2. März 2026

Jim Nygaard, CFO von Core Scientific, erklärte den Verkauf im „Earnings Call“ mit den folgenden Worten:

Außerdem haben wir im Januar opportunistisch etwas mehr als 1.900 Bitcoin für rund 175 Millionen US-Dollar zu deutlich über dem aktuellen Marktniveau liegenden Preisen verkauft. Derzeit halten wir weniger als 1.000 Bitcoin und gehen davon aus, dass wir auch in Zukunft opportunistisch vorgehen werden.
Jim Nygaard, CFO von Core Scientific

Dabei dürfte es zudem auch nicht bleiben. Core Scientific kündigte nämlich an, dass „im Wesentlichen alle“ Bitcoin auf der Bilanz abgestoßen werden sollen – und das zum Großteil im ersten Quartal noch:

Wir gehen derzeit davon aus, dass wir im Laufe des Jahres 2026 vorbehaltlich der Marktbedingungen im Wesentlichen alle unsere Bitcoin-Bestände veräußern werden, um unsere Liquidität zu verbessern und unsere geplanten Investitionen sowie sonstigen Liquiditätsbedarf zu finanzieren. Wir rechnen derzeit damit, dass der Großteil dieser Verkäufe im ersten Quartal 2026 stattfinden wird. Der Zeitpunkt und der Umfang der Verkäufe hängen jedoch von den Marktbedingungen und unserem Liquiditätsbedarf ab und können sich ändern.
Core Scientific im 10-K-Filing vom 2. März 2026

Der CEO des Unternehmens, Adam Sullivan, sagte im „Earnings Call“ überdies, dass der Mining-Betrieb des Unternehmens nun im Wesentlichen auslaufen würde und die Aktivitäten hauptsächlich nur aufrechterhalten werden, um die Mindeststromverpflichtungen zu erfüllen. Core Scientific rüstet die meisten bestehenden Einrichtungen derzeit um, um KI-Anwendungen zu unterstützen.

Verkaufsdruck durch Mining-Unternehmen

Mining-Unternehmen spielen eine wichtige Rolle im Bitcoin-Ökosystem. Doch obwohl eine großflächige Kehrtwende in Richtung KI zu beobachten ist, gab es bislang keine nennenswerten Auswirkungen auf die Rechenleistung des Bitcoin-Netzwerks. Diese befindet sich nämlich nicht weit von den Höchstständen entfernt, während andere Faktoren wie Extremwetterbedingungen an großen Mining-Standorten weitaus wichtigere Treiber zu sein scheinen.

Von größerer Bedeutung dürften aber die zunehmenden Bitcoin-Verkäufe der Unternehmen sein. Auch wenn es grundsätzlich nichts Außergewöhnliches ist, dass Miner ihre $BTC abstoßen, ist ein klarer Trend zu erkennen, der sich jüngst sogar verstärkt. Doch da die Bestände dieser Unternehmen im Gesamtkontext nicht allzu sehr ins Gewicht fallen, lässt sich wohl nicht behaupten, dass diese eine zentrale Rolle im Bitcoin-Kursrückgang gespielt haben.

Solange MARA Holdings, das Mining-Unternehmen mit der zweitgrößten Bitcoin-Bilanz, nicht plötzlich zehntausende Bitcoin auf den Markt werfen sollte, dürfte es dabei bleiben. Der Miner mit 53.882 $BTC auf der Bilanz betonte jedoch nun ebenfalls in einem SEC-Filing am Montag, dass mittlerweile doch die zu Investitionszwecken gehaltenen Bitcoin verkauft werden können – zuvor verfolgte MARA Holdings eine „Hodl-Strategie“, im Rahmen derer nur geschürfte $BTC abgestoßen wurden.

In der zweiten Hälfte des Jahres 2025 haben wir unsere Strategie zum Management digitaler Vermögenswerte geändert, um den Verkauf von Bitcoin aus dem operativen Geschäft zu ermöglichen, und im Jahr 2026 haben wir diese Strategie erweitert, um den Verkauf von Bitcoin aus unserer Bilanz zu ermöglichen. Dementsprechend können wir Bitcoin für langfristige Anlagezwecke halten und von Zeit zu Zeit auch Bitcoin kaufen oder verkaufen, abhängig von den Marktbedingungen und unseren Prioritäten bei der Kapitalallokation.
MARA Holdings im 10-K-Filing vom 2. März 2026

Ob diese „Regeländerung“ von MARA Holdings zu größeren Bitcoin-Verkäufen führen wird, die dann auch das Potenzial hätten, den Bitcoin-Kurs unter Druck zu bringen, muss die Zukunft zeigen. Bei Core Scientific gilt es übrigens noch hinzuzufügen, dass das Unternehmen zum Ende des Jahres 2024 gerade einmal 256 $BTC auf der Bilanz hielt. Das bedeutet: Trotz der Verkäufe hält der Miner noch eine größere Bitcoin-Reserve als vor circa einem Jahr.

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