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Digitaler Zwilling für den Chef: Warum Meta einen KI-Klon von Zuckerberg entwickelt

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Im März wurde bekannt, dass Meta-CEO Mark Zuckerberg an einem eigenen KI-Agenten arbeitet, der ihm dabei helfen soll, Informationen schneller abzurufen. Künftig könnte die Technologie noch mehr Aufgaben für den Tech-Milliardär übernehmen. Jetzt geht Zuckerberg noch einen Schritt weiter: Wie die Financial Times berichtet, ist Meta dabei, einen digitalen Klon des CEOs zu entwickeln, um in seinem Namen mit den Mitarbeiter:innen zu interagieren.

Zuckerbergs KI-Avatar soll mehr Nähe schaffen

Lange war Zuckerberg überzeugt, das Metaverse sei die Zukunft des Internets. Das Projekt verschlang Milliarden, aber die erhofften Nutzer:innen blieben aus. Vor allem die geringe visuelle Qualität war ein oft genannter Kritikpunkt. Jetzt ist das Ende offiziell: Die Plattform Horizon Worlds wird am 15. Juni 2026 von der Meta Quest entfernt und soll künftig nur noch auf Smartphones weiterleben. Während der Gründer diesen Rückschlag verarbeitet, richtet sich das Unternehmen jetzt neu aus – mit einem klaren Fokus auf KI.

Vier Insider:innen haben gegenüber der Financial Times berichtet, dass Meta derzeit an fotorealistischen, KI-gestützten 3D-Avataren arbeitet, mit denen Nutzer:innen in Echtzeit interagieren können. Drei von ihnen bestätigten zudem, dass das Unternehmen kürzlich einem KI-Abbild vom Gründer selbst Priorität eingeräumt hat. Zuckerberg ist demnach persönlich am Training beteiligt, denn das Modell soll auf seinem Verhalten und seiner Ausdrucksweise basieren. Ziel ist es, dass Mitarbeiter:innen den KI-Avatar um Feedback bitten können und sich durch die Interaktion mit dem Gründer verbundener fühlen.

Zuckerberg verspricht „persönliche Superintelligenz“

Zuckerberg mischt sich offenbar zunehmend aktiv in Metas KI-Offensive ein. So soll er wöchentlich fünf bis zehn Stunden damit verbringen, KI-Projekte zu programmieren und an technischen Besprechungen teilzunehmen. Der CEO verspricht schon seit Längerem die Entwicklung einer „persönlichen Superintelligenz“, die mit Konkurrenzmodellen von OpenAI und Google gleichziehen wird. Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte Meta mit Muse Spark zudem ein kompaktes Modell, das visuelles Verständnis hat und sich in allen Unternehmensprodukten einsetzen lassen soll. Investor:innen begrüßten die Neuerung und die Meta-Aktie stieg laut der Financial Times am selben Tag um sieben Prozent.

Die aktuellen Entscheidungen reihen sich nahtlos in die KI-Strategie des Unternehmens ein. Schon im September 2023 brachte Meta seinen eigenen KI-Assistenten sowie eine Reihe von Chatbots mit unterschiedlichen Persönlichkeiten auf den Markt. Einer davon basierte auf dem Rapper Snoop Dogg, der seine Zustimmung zur Nutzung von Stimme und Bild gegeben hatte. Mittlerweile steht er nicht mehr zur Verfügung. Später hatte Meta aber eine Funktion nachgereicht, mit der sich jeder seinen eigenen KI-Charakter erstellen kann. Laut mehreren Insider:innen ließ sich Zuckerberg dabei vom Erfolg des Startups Character AI inspirieren, das besonders bei jüngeren Nutzer:innen beliebt ist. Inzwischen ist die Funktion für Teenager:innen allerdings gesperrt – aus Jugendschutzgründen.

Meta drängt Mitarbeiter:innen zur KI-Nutzung

„Wir investieren in KI-native Tools, damit die Beschäftigten bei Meta mehr leisten können. Wir stärken die Rolle einzelner Mitarbeiter:innen und glätten die Hierarchien in den Teams“, so Zuckerberg bei der Bilanzpressekonferenz im Januar. Der Einsatz von KI soll inzwischen auch in Leistungsbeurteilungen einfließen. Wie die Financial Times berichtet, werden Manager:innen jetzt dazu ermutigt, eine auf KI ausgerichtete „Grundlagenübung“ zu absolvieren. Während einige befürchten, dass der Tech-Konzern zukünftig weitere Stellen abbauen und durch KI-Agenten ersetzen könnte, versucht Meta zu beschwichtigen. Die Übung sei nicht verpflichtend und diene lediglich der Feststellung, wer zusätzliche Schulungen benötige.

t3n.de