$USDT ist der Stablecoin von Tether und soll den Wert des US-Dollars möglichst genau abbilden. Ein $USDT entspricht damit grundsätzlich etwa einem Dollar.
Laut Klageschrift sperrte Tether im September 2025 das gesamte Guthaben in der Wallet von Conduit. Zu diesem Zeitpunkt lagen dort $USDT im Wert von rund 2,76 Millionen Dollar.
Conduit zufolge hat Tether die Maßnahme nicht nachvollziehbar begründet. Die Sperre soll zudem erhebliche Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb des Zahlungsdienstleisters gehabt haben.
In der Klage betont Conduit, dass die $USDT dem Unternehmen gehören. Dennoch verweigere Tether dem Zahlungsdienstleister den Zugriff auf dessen eigene Guthaben.
Conduit argumentiert, ein Stablecoin-Emittent dürfe Unternehmensgelder nicht allein deshalb sperren, weil sich die Unternehmen dafür entschieden hätten, $USDT zu halten.
Möglicher Zusammenhang mit Ermittlungen in Brasilien
Die Sperre scheint mit Ermittlungen der brasilianischen Bundespolizei zusammenzuhängen. Diese begannen 2024 und richten sich unter anderem gegen den Finanzintermediär Bull Intermediação de Negócios sowie gegen Onix.
Nach Angaben von Conduit brachte Tether die Treasury-Wallet eigenständig mit diesen Unternehmen in Verbindung. Daraufhin soll Tether am 24. September 2025 beschlossen haben, das gesamte $USDT-Guthaben der Wallet im Wert von 2,76 Millionen Dollar einzufrieren.
Aus der Klageschrift geht nicht hervor, auf welcher Informationsgrundlage Tether die Wallet von Conduit mit den brasilianischen Ermittlungen in Verbindung brachte.
Conduit hat den Stablecoin-Emittenten nach eigenen Angaben mehrfach aufgefordert, die Sperre aufzuheben. Dem sei Tether nicht nachgekommen. Zu den Vorwürfen hat sich Tether bislang nicht öffentlich geäußert.
Bereits zuvor Klage gegen Tether wegen gesperrter $USDT im Wert von 42,4 Millionen Dollar
Tether wird nicht zum ersten Mal wegen eingefrorener $USDT verklagt. Rund einen Monat zuvor hatten bereits zwei thailändische Staatsbürger Klage gegen den Stablecoin-Emittenten eingereicht.
In diesem Verfahren geht es um $USDT im Wert von 42,4 Millionen Dollar. Die beiden Kläger werfen Tether vor, die Guthaben auf eine ihrer Darstellung nach informelle Anfrage der US-Ermittlungsbehörde Homeland Security Investigations hin gesperrt zu haben.
Die Gelder sollen mit einem Betrugsfall zusammenhängen, bei dem rund 61 Millionen Dollar erbeutet wurden. Dabei soll es sich um sogenanntes „Pig Butchering“ gehandelt haben.
Bei dieser Betrugsmasche bauen Kriminelle über längere Zeit Vertrauen zu ihren Opfern auf. Anschließend überreden sie diese, immer größere Beträge zu investieren. Am Ende lässt sich das Geld kaum oder gar nicht zurückholen.
Das Betrugsverfahren läuft vor dem Bundesbezirksgericht für den östlichen Bezirk von North Carolina. Das Gericht hatte zuvor die Beschlagnahme der betroffenen $USDT angeordnet.
Die beiden Klagen lenken die Aufmerksamkeit auf die Kontrolle, die Tether über seinen Stablecoin ausüben kann. Nutzer können $USDT selbst in digitalen Wallets verwahren und über verschiedene Blockchains übertragen. Tether hat jedoch die technischen Möglichkeiten, bestimmte Adressen zu sperren.
Das kann etwa geschehen, wenn Guthaben mit Betrug, Geldwäsche oder anderen illegalen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden. Rechtliche Konflikte können entstehen, wenn Privatpersonen oder Unternehmen ihre Gelder ohne ausreichende Grundlage gesperrt sehen.
Conduit will vor einem US-Gericht wieder Zugang zu seinen $USDT im Wert von 2,76 Millionen Dollar erwirken. Das Gericht muss nun prüfen, ob Tether ausreichende Gründe hatte, die Guthaben einzufrieren und die Sperre aufrechtzuerhalten.