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Banken setzen auf Blockchain: Was hinter dem Ripple-/CB-Insights-Report „Banking on Digital Assets“ steckt

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Ein Dokument mit dem Titel „Banking on Digital Assets: How Traditional Finance is Investing in Blockchain“ sorgt vor allem wegen einer zentralen Aussage für Aufmerksamkeit: Traditionelle Banken sind längst nicht mehr nur Beobachter des Krypto-Marktes, sondern investieren zunehmend in Blockchain-Infrastruktur, Tokenisierung, Stablecoins, digitale Verwahrung und blockchainbasierte Zahlungssysteme.

Doch wer steckt hinter dem Report – und wie unabhängig ist die Analyse eigentlich?

Kein unabhängiger Behördenbericht, sondern eine von Ripple mitgetragene Branchenstudie

Das vorliegende Dokument ist ein 2025 veröffentlichter Research-Report von CB Insights, der gemeinsam mit Ripple und dem UK Centre for Blockchain Technologies (UK CBT) erstellt wurde. CB Insights beschreibt den Report selbst als Analyse von fünf Jahren globaler Investitionen von Banken in digitale Assets und Blockchain.

Auch das UK CBT bestätigt die Zusammenarbeit mit Ripple und CB Insights. Der Report wurde dort am 8. August 2025 angekündigt.

Damit ist eine wichtige Einordnung möglich: Die Studie ist nicht einfach ein neutraler akademischer Forschungsaufsatz. Ripple ist ein zentraler Partner des Projekts und hat naturgemäß ein wirtschaftliches Interesse daran, die institutionelle Blockchain-Nutzung hervorzuheben. Gleichzeitig stammt die zugrunde liegende Investment-Datenauswertung laut Report von CB Insights.

Das macht die Zahlen nicht automatisch falsch. Es bedeutet aber, dass Leser zwischen Datenerhebung, Interpretation und Branchen-Storytelling unterscheiden sollten.

Was wurde überhaupt untersucht?

Im Mittelpunkt stehen die Jahre 2020 bis 2024. CB Insights untersuchte nach Angaben des Reports mehr als 8.000 Blockchain-Unternehmen und 1.800 Banken.

Berücksichtigt wurden unter anderem:

  • direkte Investments in Blockchain-Unternehmen,
  • Finanzierungsrunden,
  • Übernahmen und Beteiligungen,
  • strategische Partnerschaften,
  • Blockchain-Infrastruktur,
  • Zahlungsverkehr,
  • Tokenisierung,
  • Digital-Asset-Custody,
  • institutionelles Trading,
  • Stablecoins und weitere digitale Finanzanwendungen.

Das zentrale Ergebnis: Globale Banken waren zwischen 2020 und 2024 an 345 Investments in Blockchain-Unternehmen beteiligt.

Der Report zeigt damit weniger, wie viel Bitcoin Banken besitzen, als vielmehr, wo traditionelle Finanzhäuser Kapital und strategische Ressourcen in die Blockchain-Ökonomie investieren.

Mehr als 100 Milliarden Dollar – aber diese Zahl muss richtig gelesen werden

Eine der auffälligsten Zahlen des Reports lautet: Zwischen 2020 und 2024 flossen mehr als 100 Milliarden US-Dollar in Blockchain-Unternehmen, verteilt auf mehr als 10.000 Deals.

Hier ist allerdings Vorsicht bei der Interpretation angebracht.

Die mehr als 100 Milliarden Dollar sind nicht gleichbedeutend mit 100 Milliarden Dollar, die Banken in Bitcoin oder Kryptowährungen investiert haben.

Vielmehr geht es um die Finanzierung von Unternehmen aus dem breiten Blockchain-Ökosystem. Dazu gehören beispielsweise Infrastrukturunternehmen, Payment-Anbieter, DeFi-Projekte, Custody-Anbieter, Tokenisierungsplattformen und andere Blockchain-Geschäftsmodelle.

Für Bitcoin-Leser ist dieser Unterschied entscheidend: Der Report liefert vor allem Hinweise auf die Institutionalisierung der Blockchain-Infrastruktur, nicht auf eine entsprechende Summe institutioneller Bitcoin-Käufe.

Was Banken tatsächlich interessant finden

Besonders interessant ist die Aufschlüsselung der größeren Finanzierungsrunden.

Von den 33 sogenannten Mega-Rounds, an denen Banken zwischen 2020 und 2024 beteiligt waren, entfielen laut Report:

  • 27 Prozent auf institutionelle Infrastruktur rund um Trading, Staking und Tokenisierung,
  • 24 Prozent auf Payments,
  • 21 Prozent auf Digital-Asset-Custody.

Das ist ein bemerkenswertes Signal.

Denn es zeigt, dass Banken offenbar weniger daran interessiert sind, ihre Geschäftsmodelle durch einen direkten Einstieg in spekulative Kryptoassets zu ersetzen. Stattdessen investieren sie in die Infrastruktur, auf der digitale Vermögenswerte künftig gehandelt, verwahrt, transferiert und tokenisiert werden könnten.

Genau hier liegt eine der wichtigsten Aussagen des Reports.

Der Bitcoin-Bezug: NYDIG, Morgan Stanley und die institutionelle Öffnung

Bitcoin nimmt im Report nicht den gesamten Raum ein, spielt aber eine wichtige Rolle.

Als besonders großer Deal wird die Finanzierungsrunde von NYDIG Ende 2021 hervorgehoben. Das Bitcoin-Unternehmen nahm damals rund 1 Milliarde US-Dollar auf. Zu den beteiligten Investoren gehörten unter anderem MassMutual, New York Life und Morgan Stanley.

Der Report verbindet diese Entwicklung mit der zunehmenden Öffnung der traditionellen Banken gegenüber Bitcoin.

Morgan Stanley hatte bereits 2021 als eine der ersten großen US-Banken vermögenden Kunden Zugang zu Bitcoin-Fonds ermöglicht. Nach der Zulassung der US-Spot-Bitcoin-ETFs weitete sich das Angebot weiter aus.

Damit lässt sich eine Entwicklung erkennen:

Bitcoin wandert vom Rand des Finanzsystems in bestehende Bank- und Investmentstrukturen.

Das bedeutet nicht, dass Banken plötzlich Bitcoin als Ersatz für das bestehende Geldsystem betrachten. Vielmehr wird Bitcoin zunehmend zu einem regulierten Investment- und Finanzprodukt, das sich in bestehende Kapitalmarktstrukturen integrieren lässt.

Der große Trend ist allerdings Tokenisierung

Wer den Report nur als Krypto-Studie liest, übersieht den vielleicht wichtigsten Punkt.

Das eigentliche institutionelle Narrativ lautet Tokenisierung.

Banken experimentieren mit der Abbildung traditioneller Vermögenswerte auf Blockchain-Infrastrukturen. Dazu gehören unter anderem:

  • Staatsanleihen,
  • Fonds,
  • Wertpapiere,
  • Gold,
  • Geldmarktinstrumente,
  • Einlagen,
  • Sicherheiten.

Der Report nennt beispielsweise HSBCs tokenisiertes Gold, JPMorgans blockchainbasierte Finanzinfrastruktur sowie Projekte von Fnality und Partior.

Das zeigt, wohin sich die institutionelle Blockchain-Strategie verschiebt: Nicht zwingend das bestehende Finanzsystem soll abgeschafft werden – seine Vermögenswerte und Abwicklungsprozesse sollen teilweise onchain gebracht werden.

G-SIBs: Wenn die systemrelevanten Banken einsteigen

Besonders spannend ist deshalb der Blick auf die sogenannten G-SIBs, also Global Systemically Important Banks.

Dabei handelt es sich um Banken, deren Ausfall aufgrund ihrer Größe und Vernetzung erhebliche Auswirkungen auf das globale Finanzsystem haben könnte.

Der Report identifiziert für 2020 bis 2024 insgesamt 106 Blockchain-Investments von G-SIBs und 14 Mega-Rounds.

Genannt werden unter anderem:

  • Citigroup,
  • Goldman Sachs,
  • JPMorgan Chase,
  • HSBC,
  • BNY Mellon,
  • BNP Paribas,
  • Barclays,
  • Santander,
  • State Street,
  • Mitsubishi UFJ,
  • Sumitomo Mitsui.

Interessant ist dabei die Strategie: Die großen Banken bevorzugen häufig Partnerschaften und gemeinsame Investments gegenüber vollständigen Übernahmen.

Das ist nachvollziehbar. Banken können dadurch neue Technologien testen, Zugang zu Spezialisten erhalten und gleichzeitig das Risiko begrenzen.

Drei konkrete Beispiele zeigen die Richtung

Der Report nennt mehrere Projekte, die den Wandel besonders gut illustrieren.

Talos steht für institutionelle Digital-Asset-Infrastruktur. BNY Mellon, Citigroup und Wells Fargo waren an einer Finanzierungsrunde beteiligt.

Fnality arbeitet an blockchainbasierten Zahlungssystemen für Banken. Zu den Unterstützern gehören unter anderem Goldman Sachs, BNY Mellon, Barclays und Santander.

Partior, ein Projekt mit Beteiligung von JPMorgan Chase und Standard Chartered, konzentriert sich auf blockchainbasierte grenzüberschreitende Zahlungen und Settlement.

Das gemeinsame Muster lautet: Banken investieren dort, wo Blockchain einen konkreten infrastrukturellen Vorteil verspricht.

Was ist mit dem Krypto-Winter passiert?

Der Report zeichnet keineswegs eine gerade Linie nach oben.

2022 ging die Aktivität der Banken im Zuge des sogenannten Crypto Winter zurück. Nach dem Zusammenbruch von FTX im November 2022 fiel der Dollarwert der globalen Bank-Deals laut Report 2023 auf rund 560 Millionen Dollar.

Bemerkenswert ist allerdings, dass sich der Wert der Bank-Deals 2024 wieder erhöhte.

Das ist ein wichtiger Unterschied zu einer simplen „Banken kaufen jetzt alle Krypto“-Story.

Die institutionelle Entwicklung verlief offenbar eher so:

Hype → Marktbereinigung → vorsichtigere Investitionen → Konzentration auf reale Infrastruktur.

Ripple hat ein eigenes Interesse an dieser Entwicklung

Gerade für einen Bitcoin-orientierten Fachblog ist die Herkunft des Reports wichtig.

Ripple ist nicht irgendein neutraler Beobachter des digitalen Finanzsystems. Das Unternehmen entwickelt selbst Infrastruktur für digitale Assets und nutzt insbesondere den $XRP Ledger sowie $XRP in seinem Geschäftsmodell.

Im Report wird Ripple entsprechend prominent dargestellt. Gleichzeitig stammt die Investmentanalyse von CB Insights.

Das bedeutet: Die Studie sollte als Branchenreport mit kommerziellem Kontext gelesen werden, nicht als unabhängige wissenschaftliche Prognose.

Diese Einordnung ist besonders wichtig, wenn aus dem Report Aussagen über die zukünftige Bedeutung von Blockchain, Tokenisierung oder digitalen Assets abgeleitet werden.

Auch die $18-Billionen-Prognose ist eine Prognose

Der Report verweist auf eine Prognose von Boston Consulting Group und Ripple, wonach tokenisierte Vermögenswerte bis 2033 einen Wert von mehr als 18 Billionen US-Dollar erreichen könnten.

Das ist eine ambitionierte Marktprognose – keine bereits vorhandene Marktkapitalisierung.

Für die journalistische Einordnung sollte daher nicht geschrieben werden, dass bereits 18 Billionen Dollar tokenisiert seien. Korrekt ist: Die Studie verweist auf eine Prognose, nach der dieser Markt bis 2033 diese Größenordnung erreichen könnte.

Auch die im Report verwendete Zahl von 90 Prozent der befragten Finanzverantwortlichen ist entsprechend als Umfrageergebnis und nicht als objektive Vorhersage der Finanzindustrie zu verstehen.

Was bedeutet das für Bitcoin?

Für Bitcoin ist der Report dennoch relevant.

Denn er zeigt eine Entwicklung, die über kurzfristige Bitcoin-Kurse hinausgeht: Traditionelle Finanzhäuser bauen zunehmend die Infrastruktur auf, die digitale Vermögenswerte in das bestehende Finanzsystem integriert.

Bitcoin ist dabei nur ein Teil des größeren Ökosystems.

Auf der einen Seite stehen Bitcoin-ETFs, institutionelle Verwahrung und Investmentprodukte. Auf der anderen Seite entstehen tokenisierte Wertpapiere, Stablecoins, blockchainbasierte Zahlungssysteme und digitale Settlement-Infrastrukturen.

Das Entscheidende ist deshalb weniger die Frage, ob Banken „Krypto mögen“.

Die interessantere Frage lautet:

Wie viel der traditionellen Finanzinfrastruktur wird in den kommenden Jahren auf Blockchain-basierte Systeme verlagert?

Der Report liefert darauf eine klare Antwort: Die großen Institute experimentieren nicht mehr nur. Sie investieren bereits.

Fazit: Kein Bitcoin-Report – aber ein wichtiges Dokument für die institutionelle Krypto-Adoption

Das vorliegende Dokument ist am besten als branchenorientierter Research-Report über die Blockchain-Strategien traditioneller Banken zu verstehen.

Seine wichtigste Aussage ist nicht, dass Banken plötzlich massiv Bitcoin kaufen. Vielmehr zeigt die Untersuchung, dass sich große Finanzinstitute zwischen 2020 und 2024 zunehmend an Blockchain-Unternehmen beteiligten und Infrastruktur für Tokenisierung, Payments, Custody und institutionelles Trading aufbauten.

Die Zahl von 345 Bank-Investments, die 106 Investments von G-SIBs sowie die zahlreichen Beispiele aus dem Zahlungsverkehr und der Tokenisierung zeichnen ein deutliches Bild.

Für Bitcoin bedeutet das einen strukturellen Rückenwind: Je stärker Banken digitale Assets in ihre Systeme integrieren, desto weniger ist die Technologie ein isoliertes Paralleluniversum.

Gleichzeitig sollte man den Report nicht als unabhängige Bestätigung jeder bullishen Krypto-Prognose lesen. Ripple ist Partner und Interessenvertreter der Branche, während CB Insights die zentrale Datenbasis liefert.

Die eigentliche Nachricht ist deshalb nüchterner – und vielleicht interessanter:

Die Wall Street und die globale Bankenwelt müssen nicht Bitcoin maximal lieben, um Blockchain und digitale Assets zu institutionalisieren. Sie müssen lediglich erkennen, dass die Technologie ihnen wirtschaftliche Vorteile bringen kann. Genau dieser Prozess scheint bereits im Gang zu sein.

Quellenbasis: „Banking on Digital Assets: How Traditional Finance is Investing in Blockchain“, Ripple/CB Insights/UK Centre for Blockchain Technologies, 2025. CB Insights führt den Report als gemeinsame Untersuchung mit Ripple und UK CBT; das UK CBT bestätigt die Kooperation ebenfalls.

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